„Alles ist so grün, dazu die tolle Luft“

Echo-Preisträger Alexander Krichel, bereits zum dritten Mal bei „Kultur rockt“ zu Gast, weiß  das Publikum auch in diesem Jahr zu begeistern.
Echo-Preisträger Alexander Krichel, bereits zum dritten Mal bei „Kultur rockt“ zu Gast, weiß das Publikum auch in diesem Jahr zu begeistern.
Foto: WP

Dörnholthausen..  Tom Schilling hat eigentlich schon alles gesehen. Das mag bei regelmäßigen Auftritten auf den roten Teppichen der Filmpremieren und Festivals oder ­immer verschiedenen Drehorten nicht weiter verwundern.

Aber dieses Mal musste auch ein Filmstar wie er eingestehen: „Ich muss zugeben: Ich habe noch nie in einem Pferdestall über Kunst und Kultur gesprochen.“ Dennoch zeigte sich der 33-Jährige vom ganz eigenen Zauber des Veranstaltungsortes begeistert: „Alles ist so grün, dazu die tolle Luft – es ist ­einfach bildschön hier.“

Mit im Gepäck hatte Schilling die Tragikomödie „Oh Boy“, die im Verlauf des Festivals gezeigt wurde. Über „seinen persönlichen Lieblingsfilm“, der bereits 2012 Premiere feierte, sagt der Lola-Gewinner stolz: „Für mich ist das der wichtigste Film meiner Karriere. Mich überrascht es nach wie vor, dass danach scheinbar jeder einen anderen Gemütszustand hat: Mal deprimiert, mal tief bewegt.“

„Oh Boy“ zeigt einen Tag aus dem Leben des antriebslosen Berliners Niko Fischer. Er hat sein Jura-Studium geschmissen und besitzt das zweifelhafte Talent, irgendwie immer auf skurrile Menschen und Situationen zu treffen. Komplett in schwarz-weiß gedreht und mit Jazzmusik der Band „The Major Minors“ untermalt, beeindruckte der Autorenfilm des gebürtigen Hageners Jan-Ole Gerster auch das Sunderner Publikum sichtlich.

„Peinlich und eitel“

Aus Tom Schillings Sicht hat „Oh Boy“ das Potenzial zum Filmklassiker, den man sich auch noch in 30 Jahren anschauen könne.

„Es ist eher selten, dass ein Film einem auf solche Weise in Erinnerung bleibt. Hier ist das so“, erklärte er. Im lockeren Künstlergespräch mit Maler Christian Awe und Gastgeber Matthias Berghoff verriet Schilling zudem, dass für ihn vor allem die „familiäre Erdung“ ganz wichtig sei, weil „alle Schauspieler generell peinlich und irrsinnig eitel“ sind. Im Anschluss an die Filmvorführung spielte der junge Mime mit den „The Jazz Kids“ auf andere Art furios auf:

Im musikalischen Stile der deutschen Kultband „Element of Crime“ wurden deutschsprachige Songs präsentiert – mal melancholisch-verträumt, mal rockig-intensiv. Schilling schreibt die Lieder selber, was ihm auch in diesem Metier die maximale künstlerische Freiheit garantiert. Das merkte man ihm dann auch auf der Bühne an – mit einem Selbstverständnis, als ob er nie etwas anderes gemacht hätte. Da hielt es auch die Zuhörer nicht mehr auf ihren Stühlen: In ungezwungener Atmosphäre lehnten und standen Sie entlang der Pferdeboxen und genossen das exklusive Konzert sichtlich.

„Ganz andere Töne“

Ganz andere Töne schlug Pianist Alexander Krichel an. Der Echo-Preisträger war bereits zum dritten Mal bei „Kultur rockt“ zu Gast. „Ich freue mich, heute wieder einmal im Pferdestall auftreten zu dürfen“, so Krichel. Trotzdem gab es für ihn dieses Jahr eine Premiere: Am letzten Festivalabend trat er noch zusammen mit Olga Volkova (Violine) und Gabriel Schwabe (Cello) als Klassik-Trio auf.

Gewohnt virtuos

Sein Solo-Repertoire indes reichte von Mozarts „Sonate Nr. 6“ über Chopin-Variationen bis hin zu Rachmaninows facettenreichen „Six Moments musicaux“. Ganz gleich ob sanft und melodiös oder kraftvoll und lebendig – Krichel agierte am Steinway-Flügel gewohnt virtuos und riss das verzückte Publikum nach dem Schlussakkord regelrecht von den Sitzen. Ohne seine zwei Zugaben, darunter ein selbst komponiertes „Lullaby“, hätten die Zuhörer den jungen Musiker am Ende sicher nicht aus dem Stall gelassen.