ADAC warnt vor billigen Ersatzteilen aus dem Internet

Ein Kfz-Mechaniker arbeitet auf dem Prüfstand.
Ein Kfz-Mechaniker arbeitet auf dem Prüfstand.
Foto: WAZ FotoPool / Ingo Otto
Was wir bereits wissen
Kfz-Werkstätten und der ADAC Westfalen warnen Autofahrer vor billigen Ersatzteilen aus dem Internet. Werkstätten lehnen Haftung nach dem Einbau ab

Iserlohn/Dortmund/Arnsberg.. Geiz mag geil sein. Nicht bei Ersatzteilen für das Auto. Hier spielt der Sparfuchs mit dem Leben und setzt auf Risiko. Der Trend der Autofahrer, Teile für die Bremse, Stoßdämpfer, Spurstangenköpfe, Dieselpartikelfilter, Felgen oder Reifen billig im Internet zu kaufen, nimmt zu. Schnäppchen, die am Ende teurer sind und sich verhängnisvoll auswirken können.

„Wenn die Herkunft des preiswerten Ersatzteils nicht klar ist“, warnt Peter Meintz, Sprecher des ADAC Westfalen in Dortmund, „läuft der Autofahrer Gefahr, ein minderwertiges Stück zu bekommen.“ Viele dieser Plagiate, „der Preis beträgt oft nur ein Drittel des Originalpreises“, seien ohne rechtliche Lizenz hergestellt worden. Absender seien in der Regel Firmen in der Türkei, China und Taiwan. Für die Käufer sei dies kaum erkenntlich. „In der EU haftet der Händler. Unsere Erfahrung zeigt, diese Teile sind nicht sicher.“

Reifen mit hohem Risiko behaftet

Gerade im sicherheitsrelevanten Bereich wie Lenkung oder Bremse rät Meintz dringend vom Kauf der Billigprodukte ab. „Mit erheblichem Risiko sind Reifen behaftet, die für kleines Geld gekauft werden“, sagt er. „Man ist regelrecht erschrocken, was für ein Schrott angeboten wird. Sie halten manchmal keine 10 000 Kilometer.“

Was macht die Werkstatt, wenn der Kunde mit dem minderwertigen Ersatzteil vorfährt? „Wir lassen die Finger davon“, sagt Michael Pinto, Geschäftsführer der Luhof GmbH in Hagen. „Allein schon aus Gründen der Gewährleistung lehnen wir den Einbau ab. Bei uns kommt kein No-Name-Bremsklotz ans Rad. Da stehen wir ja fast mit einem Bein im Gefängnis.“

Ähnliches versichert Ferdinand Schulte, Geschäftsführer von Premio Reifen und Autoservices, in Arnsberg: „Wenn der Hersteller nicht nachvollziehbar ist, bauen wir solche Ersatzteile definitiv nicht mehr ein. Diese Entscheidung haben wir vor mehr als sechs Monaten getroffen. Schließlich können wir für sie auch keine Garantie übernehmen.“ Der Betrieb hat diesen Weg gewählt, weil er wie viele Werkstätten im Verhältnis zum Kunden angesichts dieser Entwicklung mehr und mehr in der Zwickmühle steckt.

Streit programmiert

„Auf der einen Seite will niemand die Kundschaft vergraulen. Man ist ja behilflich“, sagt Christian Will, Vorsitzender der Kfz-Innung in Iserlohn und Kreishandwerksmeister im Märkischen Kreis, „auf der anderen Seite muss er sie warnen und darüber informieren, auf was sie sich einlassen.“ Sicherlich gebe das Netz alle notwendigen Teile für sämtliche Baugruppen am Auto her. „Je hochpreisiger das Ersatzteil ist, desto größter ist die Affinität der Kunden, im Internet zu kaufen.“ Ein Preisvorteil, der sich seiner Ansicht nach nur auf den ersten Blick lohnt. Ihm seien zahlreiche Fälle bekannt, in denen der Kunde zweimal bezahlt: „Erst für das billige Produkt, dann für das Originalteil.“

Immer wieder kämen aus diesem Grund Kunden und Werkstätten in schwierige Situationen. Die Kunden vermuteten die Probleme nicht beim selbst besorgten Ersatzteil, sondern beim Einbau in der Werkstatt – und so schaukelten sich die Kosten hoch. Der 52-Jährige warnt: „Ein billiges Ersatzteil aus dem Netz kann teure Folgen haben.“ Die Werkstatt könne keine Haftung für diese Produkte übernehmen. „Nur so haben die Mitarbeiter Rechtssicherheit.“