Ablehnung als Reflex ist ein schlechter Berater

Die Nachricht musste polarisieren. Die Pläne des Landes NRW, in der ehemaligen Suchtklinik in Oeventrop eine Erstaufnahmeeinrichtung für 400 Flüchtlinge unterzubringen, sorgt für reichlich Gesprächsstoff im Dorf und auch in den sozialen Netzwerken. Fakt ist: Die Verhandlungen laufen noch, die Pläne sind aber konkret.

Erstaufnahmeeinrichtungen sind für asylsuchende Menschen nur Durchgangsstationen. Humanitäre Erstversorgung ist dort das Ziel. Integrationskonzepte sind hier nur bedingt gefragt, weil die Flüchtlinge nach gut 14 Tagen anderen Kommunen zugewiesen werden. Aber das macht den Umgang der Arnsberger mit der Idee dieser Einrichtung nicht leichter, weil persönliche Kontakte und gegenseitiges Vertrauen hier nur schwer aufzubauen und nicht dauerhaft gelebt werden könnten. Diese Einrichtungen werden aber im Land gebraucht - und irgendwo müssen sie hin. Die aufnehmende Stadt wird finanziell entlastet, weil sie vorerst von weiteren Zuweisungen von Flüchtlingen, für die sie aufkommen müsste, befreit wird.

Erstaufnahmeeinrichtungen sind zweifellos eine riesige Herausforderung. Ablehnung als Reflex ist ein schlechter Berater. Kritische Fragen der Bürger aber müssen erlaubt sein, wenn es wirklich so weit sein sollte: Wie wird die Nachbarschaft organisiert? Welches Konfliktmanagement wird es geben? Ist die Aufnahme von 400 Flüchtlingen die Obergrenze? Ist ein Ortsteil wie Oeventrop damit überfordert? Sorgen der Anwohner müssen ernstgenommen und gehört werden. Aufklärung, ehrlicher Umgang und verlässliche Aussagen sind ebenso wichtig wie Transparenz. Probleme, die im Falle der Umsetzung der Pläne immer auftreten könnten, dürfen weder verschwiegen noch aufgebauscht werden. Umgekehrt darf nie vergessen werden, worum es geht: Um Menschen auf der Flucht, die entwurzelt sind und in Deutschland auf ein sicheres und besseres Leben hoffen. Das ist die humanitäre Herausforderung. Ihr ist sachlich und besonnen zu begegnen.