Aber diesmal soll es funktionieren
17.11.2010 | 17:58 Uhr 2010-11-17T17:58:00+0100
Arnsberg.Das millionenteure Geothermie-Projekt der Stadt Arnsberg stockt seit Monaten. Die Erdwärmeförderung ist mit größeren Problemen behaftet, als die Stadt sich das vorstellte. In wenigen Tagen wird entschieden, wie es weitergeht. Der Stadtwerke-Chef ist überzeugt, dass es diesmal ein gutes Ende nimmt. Die Frage ist, zu welchem Preis.
Im Juni 2005 begannen in Hüsten die Bohrungen zur Erschließung einer nachhaltigen Energiequelle: Wärme aus dem Erdinnern sollte das Freizeitbad NASS und angrenzende Gebäude beheizen helfen. Dadurch würden klimaschädliche Emissionen vermieden. Und die Wärme aus dem Untergrund soll auch Geld sparen helfen – insbesondere dann, wenn Öl und Gas teurer werden. Soweit der Plan.
Das erste Rohr zerbrach
Die ersten gravierenden Probleme tauchten auf, als hochwertige Sole gefunden wurde. Deren Förderung kostet zusätzlich, die Geothermie-Bohrung musste umziehen. Im Januar 2008 stoppte der Bohrmeißel der Firma Daldrup & Söhne AG (Ascheberg) bei 2835 Metern. Da begann das nächste Problem: Ein Kunststoff-Rohr, das in das Loch gesteckt wurde, um heißes Wasser empor zu fördern, brach und musste wieder entfernt werden. Seitdem ruht die Baustelle in Sichtweite des NASS, weil bislang niemand weiß, wie es weitergehen soll.
Ortswechsel: In Aachen wurde fast parallel zu der Arnsberger Bohrung ein ähnliches Geothermie-Projekt begonnen. Als in Arnsberg das Rohr zerbrach, stoppten die Aachener ihre Arbeiten und machten sich mit der dort ebenfalls bohrenden Firma Daldrup auf die Suche nach einem neuen, belastbareren Material.
Das glaubte man in Form eines Polypropylen-Rohres gefunden zu haben. Doch: Auch in Aachen gab es Probleme. Dort schaffte man es nur, das Rohr bis auf 2000 Meter Tiefe (statt 2500 Meter) hinabzudrücken – danach ging nichts mehr. „Wir haben zuletzt 2 to Gewicht auf das Rohr gebracht, um es weiter hinab zu drücken“, beschreibt ein Projektbeteiligter in Aachen. Das Ergebnis: Das Rohr sackte weitere 50 Zentimeter – um sofort wieder in die Höhe zu schießen, sobald das Gewicht abgenommen wurde.
Aus diesen 2000 Metern Tiefe wurde nach Informationen unserer Zeitung einmalig 55 Grad heißes Wasser nach oben gepumpt – das war deutlich kühler, als man sich für einen wirtschaftlichen Betrieb erhofft hatte. Seitdem ruht auch die Baustelle in Aachen. Wahrscheinlich blickt man dort jetzt wieder nach Arnsberg, wo der nächste Versuch beginnen soll.
Entgangener Gewinn
In den vergangenen Monaten hatten sich Experten mit verschiedenen Rohrherstellern beraten, Berechnungen angestellt und Werkstoffe getestet. Favorisiert wird jetzt offenbar ein Fiberglas-Werkstoff. Ob der genommen werden soll und, wenn ja, von welchem Anbieter, darüber werden Stadtwerke und Daldrup AG jetzt abstimmen müssen. „Wir sehen dem weiteren Verlauf sehr positiv entgegen“, sagt Andreas Tönies, Vorstand der Daldrup AG. Und auch Ulrich Midderhoff, Geschäftsführer der Stadtwerke, will Optimismus verbreiten: „Der zweite Versuch wird funktionieren“, sagt er. „Ich gehe nicht davon aus, dass es vergleichbare Probleme geben wird wie in Aachen. Wir hatten das erste Rohr schließlich schon mal bis auf 2800 Meter hinab gedrückt.“
Bis es dann zerbrach.
Was passiert, wenn der zweite Versuch wieder scheitert? „Die Frage stellt sich nicht“, sagt Midderhoff. So wie er die Antwort auf die hypothetische Frage nach einem „Plan B“ schuldig bleibt, so gibt der Stadtwerke-Chef auch keine Auskunft zu finanziellen Fragen: Vertragsangelegenheiten seien nicht öffentlich.
Nur soviel: Die Firma Daldrup werde nach Baufortschritt bezahlt, und man liege im Kostenrahmen. Der beträgt 3,35 Millionen Euro. „Wir gehen nicht von einer Überschreitung aus.“
Wie hoch der entgangene Gewinn ist, weil die Stadtwerke schon seit Jahren keine Wärme an das NASS verkaufen können, sagt Midderhoff nicht. Ebenso schweigt er auf die Frage, wer das Risiko trägt, wenn es doch wegen neuer Rohrmaterialien oder neuer Probleme beim zweiten Rohrversuch deutlich teurer wird.
Die Firma Daldrup allein will das Risiko nicht tragen. „Das Risiko“, sagt Daldrup-Vorstand Andreas Tönies, „das Risiko trägt das Projektteam.“ Und da sind die Stadtwerke mit dabei.

14:35
@10: Die öffentliche Hand muss Rahmenbedingungen schaffen, damit Unternehmer innovativ forschen und Projekte zur Marktreife führen können (von mir aus auch eine gewisse Zeit subventioniert). Nicht Marktreife Produkte mit Steuergeldern einkaufen ist Steuergeldverschwendung. Da sieht man mal wieder wie teuer 9.-Klässler sind, die in einer Stadtverwaltung mit Führungsaufgaben betraut werden.
12:50
Solche Äußerrungen und so ein Gedankengut von einem Stadtbediensteten sind ein Schlag ins Gesicht von jedem Ehrenämtler oder Brunnensponsor. Allein diese hochnäsige Aussage zu Plan B und diese Absprechen von Transparenz zeigt die ganze Arroganz Steuergeldempfängern. So kommt dann auch unter anderem die immer wieder als Entschuldigung vorgeschobene Demographie und dann als Folge Stuttgart 21 zu Stande.
Es wird Zeit den Landesrechnungshof mal Einzuschalten und passende Personalentscheidungen zu treffen. Man kann nur hoffen das WR und WP weiter informieren können, und nicht kalt gestellt werden.
21:00
HALLLOOOOOO???
Es geht -nicht nur- um Rentabilität sondern um das Voranbringen von regenerativen Energien!!!! Was ist an dem Satz so schwer zu verstehen? Die öffentliche Hand muss da Vorbild sein und vorangehen!
20:49
Arnsberg ist Pleite, hat 290 Mio. Schulden und so eine Graupe von den Stadtwerken will über so ein Projekt entscheiden. Das kann und darf nicht wahr sein. Es wird Zeit der Regierungspräsident oder der Bund der Steuerzahler diese Sache mal Anschaut.
17:12
Alle Entscheidungsträger ,bei solch einem Projekt, müssten im Falle des Versagens mit ihrem Kapital haften. Dann möchte ich mal sehen ob die noch so mit dem Geld fremder Leute umgehen würden.
13:39
Mal einen Gang zurückschalten: das ganze ist ein öffentlich gefördertes Pilotprojekt zur Nutzung regenerativer Energien. Natürlich werden da Steuergelder eingesetzt, aber mit vollem Wissen und absichtlich! Es geht -auch- darum diese Technologie voranzubringen, dafür gibt es ja die Landeszuschüsse. Da wird nicht nur das Geld der Arnsberger eingesetzt, deshalb den Ball mal ein wenig flacher halten. Das es Probleme geben kann muss man bei neuen Technologien in Kauf nehmen. Mich stört einzig und allein das für sehr viel Geld die Solequelle gefördert wird, der ökonomische Nutzen scheint mir aufgrund der Kosten nicht gegeben. Jetzt gibts im NASS eigene Sole und keine importierte - und? Hat schon jemand den Unterschied gemerkt oder sind deswegen mehr Besucher im Bad?
09:44
@ #4
Korrekt ausgedrückt heisst das: Rechtlich selbständige Einheit mit gleichem Gesellschafter- und Geschäftsführerhintergrund ...
Logisch dass das alles zusammenhängt und bewußt untransparent gehalten wird.
22:03
3,35 Mio. eingehalten??? Nie im Leben! Das ist jetzt schon teurer... und wir zahlen alle mit. Aber den Bürgern eine vernünftige Auskunft geben? Wofür! Wir sollen doch nur zahlen und keine Fragen stellen.
In der freien Wirtschaft überlebt man in Führungspositionen nicht lange, wenn man keine Ahnung hat und auch keine Leistung bringt. Bei unserer Stadtverwaltung (und auch Stadtwerken) ist das natürlich anders. Da werden diese Leute mit durchgezogen. Woanders hätten sie längst Ihre Tasche packen können. Das ist übrigens auch Steuerverschwendung!
21:17
#1 von olliver-b
Das Nass hat nichts mit der Bohrung zu tun. Das Projekt gehört den Stadtwerken.
Die verkaufen die Wärme ans Nass, wenn die irgendwann mal kommt.
Das hat nichts mit den Eintrittspeisen des Nass zu tun.
18:49
Mir wäre beim Lesen des Artikels fast die Zeitung aus der Hand gefallen. Da wird unser aller Geld verbraten, einen Plan B oder irgend welche Bedenken hat dieser Stadtwerkechef nicht. So etwas gibt es eigentlich nur in Burkina Faso oder sonstwo im Urwald. Weit gefehlt, das passiert hier bei uns in Arnsberg und es muß einem ja angst und bange werden, wie diletantisch gehandelt wird. Gibt es keine Verträge, die zur Absicherung der Stadt/Satdtwerke und somit unserer Gelder dienen? Oder hat der Stadtwerkechef daran nicht gedacht, weil ihm Fa. Daldrup versprochen hat, es würde alles klappen? Man sollte einem Seniortrainer den Job geben, das wäre preiswerter und mit Sicherheit erfolgversprechender. Wenn es auf dem Gebiet der Stadtwerke auch Preise zu vergeben gibt, dann sollte sich Arnsberg mal ganz schnell bewerben.