Ab 2016 Trinkwasser aus der Henne

Meschede..  Ein neues Wasserwerk entsteht unterhalb des Hennedamms. Gestern hat es zum „Tag des Wassers bei Ruhrverband und Hochsauerlandwasser“ erstmals seine Türen geöffnet. Besucher ließen sich halbstündlich von den Wasserexperten über die Baustelle führen. Zu sehen gab es neben Plänen, riesige Behälter und Pumpen, die schon im Herbst 2014 in das Gebäude gebracht worden waren, bevor das Dach geschlossen wurde. „Später hätten wir sie nicht mehr reinbekommen“, sagt Robert Dietrich, Technischer Geschäftsführer der Hochsauerlandwasser (HSW). Die Inbetriebnahme des Wasserwerkes ist für Anfang 2016 geplant.

Wenn das neue Wasserwerk fertig ist, werden einige Gebiete in ihrem Versorgungsgebiet erstmals aufbereitetes Hennewasser nutzen können. Warum war das bisher kein Thema?

Robert Dietrich: Daran gedacht haben sicher auch schon die Generationen vor uns, aber dafür war die Hennetalsperre eigentlich nicht gebaut worden. Sie reguliert den Ruhrabfluss, dient dem Tourismus und dem Hochwasserschutz. Trinkwassergewinnung war lange gar nicht möglich.

Warum hat sich die HSW dafür entschieden, Henneseewasser aufzubereiten?

Grund war ein trockener Sommer im Jahr 2003. Da sind wir bei der Wasserversorgung fast an unsere Grenzen gestoßen und haben uns danach noch mal neu mit der Talsperre beschäftigt.

Was hatte sich bis dahin verändert?

Das Wasser der Talsperre war deutlich sauberer geworden, und wir haben heute bessere technische Möglichkeiten das Talsperrenwasser zu Trinkwasser aufzubereiten. Hinzu kommt, dass es bis vor einigen Jahren noch eine Zellstofffabrik in Wildhausen gab, die zwar eine eigenen Kläranlage hatte, deren gereinigtes Abwasser bei seiner Einleitung in die Ruhr aber trotzdem stark verdünnt werden musste - mit Wasser aus der Talsperre. Nach Schließung der Fabrik wurde der Mindestwasserabfluss der Ruhr im Bewirtschaftungsplan für die Hennetalsperre stark herabgesetzt, so dass der Wasserstand in der Talsperre nicht mehr so starken Schwankungen unterliegt wie früher.

Wie viel Wasser dürfen Sie jetzt entnehmen?

Wir haben eine Genehmigung über die Entnahme von einer Million Kubikmeter Wasser im Jahr - die gesamte Talsperre fasst ca. 39 Millionen Kubikmeter. Täglich dürfen wir maximal 6800 Kubikmeter entnehmen - etwa doppelt so viel Wasser wie das Mescheder Freibad fasst.

Und was filtern Sie heraus?

Sämtliche Feststoffe, aber auch mikrobiologische Partikel wie Keime, Bakterien, Viren, Parasiten. Reste von Pflanzenschutzmitteln haben wir zwar bei unseren Voruntersuchungen nicht festgestellt, aber auch die könnten wir herausfiltern, genauso wie PFT.

PFT ist das Stichwort – dadurch ausgelöst mussten Sie Ihre Wassergewinnungsanlagen auf den Stand der Technik bringen.

Ja, zwei Wasserwerke sind bereits ertüchtigt, eins in Freienohl und eins in Velmede können wir durch den Neubau schließen.

Sie bewegen sich mit ihrem Neubau auf historischem Boden.

Ja, genau an dieser Stelle hat seit 1905 die Mauer der ersten Hennetalsperre gestanden. Sie war allerdings nicht dicht. Das Wasser floss drumherum und drunterher. Deshalb hat man - als in den 50er-Jahren der neue Damm gebaut wurde, den Untergrund verpresst. Wir haben noch alte Entwässerungsstollen gefunden und Zuleitungen, die wahrscheinlich zur alten Leistenfabrik von Julius Lex führten. Der Unternehmer hat schon um 1904 die Wasserkraft zur Energiegewinnung genutzt.