16-Jähriger hisst die weiße Flagge

Sundern..  Viele Dokumente sind in den vergangenen Wochen an die Redaktion herangetragen worden. Eines lieferte Rudolf Müller aus Sundern, einen kleinen Film, der die Amerikaner beim Vormarsch auf Westenfeld zeigt. Müller, der zum Kriegsende 12 Jahre war, hat viel gesammelt. Vor allem aber hat er aufgeschrieben, was er in den Tagen vor Kriegsende erlebt hat.

„Man sah den Tod nicht wirklich als 12-Jähriger“, sagt Müller. Und dennoch erzählt sein Tagebuch dauernd davon, am Ende sind es 26 Zivilisten und Soldaten nur in Sundern. Der traurige Höhepunkt war heute vor 70 Jahren: Durch Sundern zogen deutsche Soldaten auf der Suche nach Zivilkleidung. Das Sauerland war umschlossen. Am 10. April gab es mehrmals Fliegeralarme, im Keller des Bekleidungshauses Bürmanns befanden sich 80 Menschen. „Das ganze Haus erbebte“, hat der spätere Bürgermeister Franz Josef Tigges notiert. Trotz drei Volltreffern auf das Haus, das in die Hauptstraße kippte, hielt die Bodendecke. Getroffen wurden an diesem Tag auch der Hof Knapstein neben der Johannes-Kirche, die weiße Schule, der hintere Teil der Johannes-Kirche, die Häuser Bürmann, Scheffer-Frohnen, Biggeleben, Müller-Hültefunken, Scheffer-Großmann und der Hof Schmitz-Hermes.

26 Tote in Sundern

In seinen Aufzeichnungen erwähnt Rudolf Müller den Oberleutnant Kösterbeck (Stadtkommandant) lobend: „Er wollte Sundern kampflos übergeben.“ Das wird Feldmarschall Model gesteckt, der ein Exekutionskommando schickt, das aber das Ziel, die Mühlenstraße, nicht erreicht. Überall hängen da schon weiße Fahnen: Eine, an der Kirche, hat Paul Biggeleben (16), angebracht. Am 12. April ist der Krieg in Sundern beendet.