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1000 Spinnen auf dem Dachboden

18.01.2008 | 20:20 Uhr

Neheim. Spinnen auf dem Dachboden sind für Hans-Werner Auer ganz normal: Der 43-Jährige züchtet die haarigen Achtbeiner, dazu noch Tausendfüßler und Skorpione. Jetzt hat er ein Buch über sein "Berufshobby" geschrieben.

"Da, ihre Zähne sind gut einen Zentimeter lang": Zwischen Daumen und Zeigefinger hält Hans-Werner Auer eine handtellergroße Theraphosa blondi am Leib fest - die größte Vogelspinnenart der Welt. Ihr Biss schmerze gewaltig, sagt Auer, aber schlimmer als zwei Wespenstiche sei das Gift nicht. Er dreht das Tier auf den Rücken und hebt die spitzen Fangzähne mit einer Pinzette an. Sie blitzen im Licht. Das Tier strampelt mit den haarigen Beinchen und faucht leise. Als Wiedergutmachung legt Auer ihr eine lebendige Kakerlake mit in die feucht-warme Plastikbox.

Spinnen wie die "blondi" holt Auer manchmal auch direkt von zuhause ab - aus Südamerika. Erst im September war er in Guyana, kurz davor bei einem Exportpartner in Peru. "Wir gehen mit Dorfbewohnern in den Urwald und sammeln ein paar Spinnen ein", erklärt Auer. Er zeigt seinem Partner, wie die Wunschtiere aussehen sollten - und nach ein paar Wochen kommt per Post eine Kiste: 500 Vogelspinnen auf einen Schlag.

In Plastikdosen, auf denen manchmal noch ein "Haribo"-Aufkleber prangt und die er vom Kiosk an der Ecke abgestaubt hat, züchtet Auer Nachwuchs heran. Aus einem Kokon krabbeln später 1000 Babyspinnen - während Auers eigener Nachwuchs auf der selben Etage im Nachbarzimmer wohnt. Ein Problem? "Meine Töchter sind mit den Spinnen großgeworden", wiegelt Auer ab. Auch die Miteigentümerin des Hauses, die in der Wohnung unten wohnt, hat sich an den Gedanken gewöhnt. Passieren könne ohnehin nichts, beruhigt Auer: "Wenn mal ein Tier entwischt, dann find ich's wieder oder es geht in der Kälte ein." Außerdem seien sie so gefährlich nun auch nicht.

Angefangen hat seine "spinnerte" Leidenschaft 1988. Damals habe er nebenberuflich Wellensittiche gezüchtet und bei einem Kundenbesuch im Zoohandel eine Vogelspinne entdeckt. "Die hab' ich sofort mitgenommen, für 15 Mark", erinnert er sich. Nach kurzer Zeit war sein neues Haustier tot. "Ich hatte ja keine Ahnung, wie man Spinnen hält, und hab mir sofort ein neues Pärchen geholt. Bücher gab's damals ja noch nicht."

Heute ist das anders - und Auer nicht unschuldig daran: Im Auftrag eines Verlags, der auf Bücher über exotische Tiere spezialisiert ist, hat er einen Ratgeber über die Zucht und Pflege der zwei größten Vogelspinnenarten geschrieben. Im März kommt das Buch in den Handel.

Leben könne er von seiner Zucht zwar nicht - dafür sei sie zu klein. Aber das Gewerbe sei ein guter Zuverdienst zu seiner Heimarbeit für Trilux. "Aber selbst, wenn sie mir einen Vollzeitjob anböten, würde ich ihn nicht annehmen", meint er voller Überzeugung. "Meine Spinnen geb' ich niemals auf."

Von Katrin Figge

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