Wo Kirche gut tut und auch schmerzt
07.02.2012 | 19:52 Uhr 2012-02-07T19:52:00+0100
Altena. Es geht um Kirche und ihre Zukunft. Am Dialogforum im Bistum Essen. nehmen aus Altena Pfarrer Ulrich Schmalenbach, Petra Herr, Christiane Frebel und Stefan Kemper teil.
Zahlreiche Autos mit Fisch am Kofferraum stehen im Parkhaus der Messe Essen an. Die Sonne scheint, Fahnen flattern im Wind und rund 300 Menschen treffen sich im Congress Center West. Eigentlich ist der Tag zu schön, um ihn in einer Congresshalle zu verbringen, doch die Menschen wollen miteinander ins Gespräch kommen. Es handelt sich um die Auftaktveranstaltung des Dialogprozesses im Bistum Essen. Es geht um Kirche und ihre Zukunft. Am Dialogforum nehmen aus Altena Pfarrer Ulrich Schmalenbach, Petra Herr, Christiane Frebel und Stefan Kemper teil.
Eine schwere Bürde im Gepäck
Die Stimmung unter den Menschen ist hoffnungsvoll, obwohl sie eine schwer Bürde im Gepäck haben: Umstrukturierung, Zusammenlegungen von Gemeinden, Schließung von Kirchen, Hierarchie und Macht, Missbrauch, fehlende Glaubwürdigkeit, fehlende Jugend und und und. Das, und noch vieles mehr, könnte im Dialog Thema werden.
Die Teilnehmer sind Priester, pastorale Mitarbeiter, Vertreter von Gremien und Verbänden. Sie erzählen von sich, von ihrem Glauben und warum sie heute Christ bzw. Christin sind; erzählen von besonderen Menschen und besonderen Momenten in ihrem Leben, die dazu führen oder führten, dass sie Christus nachfolgen und in dieser Kirche ihr Christsein leben. Erst im kleinen Kreis, dann aber auch allen anderen. Bewegende Momente.
In einer weiteren Einheit gibt es die „Lauschende Runde“. Zwei Stunden sind angesetzt für die Fragestellung: „Wenn ich an mein christliches Leben im Bistum heute denke: Was macht mir dann Freude und stärkt mich, was macht mich traurig und schmerzt mich?“ Jede Stellungnahme bleibt für sich stehen und wird nicht kommentiert. Und die Menschen sind persönlich. Sie sprechen von ihren Verletzungen durch die Umstrukturierung, von ihren Verletzungen durch den Widerspruch von offizieller kirchlicher Praxis und Seelsorge vor Ort; von ihren Verletzungen durch Kirchenrecht und kirchliche Lehre.
Aber es werden auch ermutigende Beispiele für Seelsorge und Caritas deutlich. Die Umstrukturierung ist nicht das Ende; sie bietet Chancen für Neues. Der Bischof hört zu und wirkt nachdenklich.
Zu viele Menschen sind außen vor
In der Reflektion wird die Hoffnung der Menschen deutlich, die sich in der großen Offenheit der Menschen an diesem Tag festmacht. Es wird jedoch auch schon deutlich, dass es im nächsten Dialog-Forum mit dem Thema „In unserem Bistum zu Hause und lebendige Kirche sein“, vermutlich nicht mehr so einmütig zugehen wird. Wer fühlt sich denn in unserem Bistum und unserer Kirche zu Hause? Eine berechtigte Frage, denn zu viele Menschen stehen außen vor und wundern sich.
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