Vorwürfe an ehemalige Vinzenz-Geschäftsführer
28.06.2010 | 14:14 Uhr 2010-06-28T14:14:00+0200
Altena.Hans Wehr, stellvertretender Vorsitzender des St.-Vinzenz-Aufsichtsrats, beschuldigt die frühere Krankenhaus-Geschäftsführung der Untätigkeit und des Missmanagements. Wehr: „Für mich entsteht der Eindruck, dass bewusst auf eine Insolvenz hin gearbeitet wurde.“
Für ihn ist es „offensichtlich“, dass alte Geschäftsführung , die früheren Mitglieder des Aufsichtsrates getäuscht habe. „Anders ist nicht zu erklären, warum die Aufsichtsratsmitglieder bei ihrer Amtsniederlegung die wirtschaftliche Lage des Krankenhauses als überdurchschnittlich gut dargestellt haben.“
Das „Aktionsbündnis Rettet das Altenaer Krankenhaus“ plant weitere Aktionen: Am kommenden Freitag, 2. Juli, wird um 17 Uhr zum Fürbitte-Gebet aufgerufen. Das soll auf dem Bungernplatz laufen, bevor sich eine weitere Menschenkette bilden soll: Die Teilnehmer sollen Banner weiter reichen bis zum Markaner.
Wir veröffentlichen folgend den Wortlaut der Stellungnahme von Hans Wehr:
In vielen Diskussionsbeiträgen zum Thema Krankenhauserhalt wird vom Versagen der Kirche, einzelner Personen und von geänderten gesetzlichen Rahmenbedingungen gesprochen. Niemand hat bisher klar ausgesprochen, was wirklich los ist.
Lassen Sie mich darum kurz die gesetzlichen Rahmenbedingungen zusammenfassen:
Durch das GKV-Gesundheitsreformgesetz 2000 (Gesetz zur Reform der gesetzlichen Krankenversicherung ab dem Jahr 2000) wurde vorgesehen, ab 2003 ein „durchgängiges, leistungsorientiertes und pauschalierendes Vergütungssystem einzuführen“ (§ 17 Abs. 1 KHG). Alle voll- und teilstationären Krankenhausleistungen, mit Ausnahme von psychiatrischen und psychosomatischen Einrichtungen, werden über diagnosebezogene Fallpauschalen (Diagnosis Related Groups – DRGs) vergütet.
Mit der DRG-Einführung verfolgte der Gesetzgeber folgende Ziele:
•Verkürzung der Verweildauern der Patienten im Krankenhaus
•Stabilisierung der Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung
•leistungsbezogene Vergütung der Krankenhäuser
•mehr Transparenz über Leistungen und Kosten der Krankenhäuser
•mehr Wettbewerb der Krankenhäuser untereinander
•Förderung des Strukturwandels
•Umsetzung des Prinzips „Geld folgt Leistung“ bei Strukturveränderungen im Krankenhausbereich und bei Patientenwanderungen zwischen Krankenhäusern
Es gab keinen Grund für ökonomische Betriebsführung
Ganz klar war also, dass dieses Gesetz zunächst einmal zu Kosteneinsparungen führen sollte. Weiter wurde erwartet, dass die Umsetzung eine Verbesserung der Behandlungsqualität bringen sollte. Während die Verbesserung der Behandlungsqualität durch die Ergebnisse verschiedener Untersuchungen erreicht wurde (abschließende Studien fehlen noch), ist das Ziel der Kosteneinsparung verfehlt worden.
Jetzt zurück zu unserem Krankenhaus. Bis zur Einführung der Fallpauschalen konnte ein Krankenhaus keine wirtschaftlichen Probleme bekommen, weil letztlich alle entstandenen Kosten bezahlt wurden. Es gab keinen Grund für eine ökonomische Betriebsführung. Schlimmer noch, gut wirtschaftende Krankenhäuser wurden nicht belohnt.
Die Fallpauschalen bedeuten nun, dass ein Krankenhaus für eine definierte Leistung einen ganz bestimmten Geldbetrag bekommt. Die wirklichen Kosten spielen bei der Vergütung keine Rolle.
Damit sich die Krankenhäuser auf diese Phase vorbereiten konnten, wurde mit der Verabschiedung des Gesetzes eine Übergangsfrist (Konvergenzphase) von fünf Jahren zugestanden. In dieser Zeit konnten die Krankenhäuser die Weichen für ein Überleben stellen. Da auch andere Krankenhäuser die Zeit nicht rechtzeitig genutzt haben oder nutzen konnten, wurde die Frist noch einmal um ein Jahr verlängert. Am 01.01.2010 wurde das Gesetzt nun „scharf“ geschaltet.
„In Altena ist sechs Jahre lang nichts passiert“
In Altena ist in diesen sechs Jahren nichts passiert. Die jetzt für alle erkennbare finanzielle Notlage kann weder der Kirche noch dem Gesetzgeber angelastet werden. Wenn in mehr als sechs Jahren weder Spezialisierungen noch Kooperationen eingeleitet wurden, kann man nur von grobem Missmanagement sprechen. Für mich entsteht der Eindruck, dass – warum auch immer - gezielt und bewusst auf eine Insolvenz hin gearbeitet wurde. Offensichtlich hat die alte Geschäftsführung es sogar verstanden, die Mitglieder des damaligen Aufsichtsrates zu täuschen. Anders ist nicht zu erklären, warum die Aufsichtsratsmitglieder bei ihrer Amtsniederlegung in verschiedenen Presseerklärungen die wirtschaftliche Lage des Krankenhauses als überdurchschnittlich gut dargestellt haben.
Ich muss einfach noch einmal erwähnen, dass wir, der neue Aufsichtsrat, sprichwörtlich vom „Donner“ gerührt wurden, als die von der alten Geschäftsführung bestellte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft uns die Ergebnisse für das Jahr 2008 mit einem Minus von 442.774,44 € vorstellte. Schriftlich und mündlich wurden wir darauf hingewiesen, dass schon absehbar sei, dass für 2009 kein uneingeschränkter Prüfvermerk mehr erteilt würde und dass im Jahr 2010 mit einem Defizit von zwei Millionen € zu rechnen wäre. Das liegt daran, dass wir pro Patientenaufenthalt im Schnitt rund 600.-- € mehr Kosten haben, als wir erstattet bekommen.
Die neue Geschäftsführung hat sofort Sparmaßnahmen eingeleitet und umgesetzt. Dennoch werden wir in diesem Jahr mit einem Verlust von ca. 1.200.000.-- € rechnen müssen. Mit Sparmaßnahmen allein ist unser Krankenhaus aber nicht zu retten. Bei einer Belegung von deutlich unter 50% in den letzten Jahren kann nicht wirtschaftlich und gleichzeitig patientenorientiert gearbeitet werden. Wichtig ist, dass die anderen 50% der vorhandenen Räume möglichst so genutzt werden, dass eine Kostendeckung erreicht wird.
„Wir nehmen jede Unterstützung an“
Die inzwischen geprüften und verhandelten Modelle wurden am Samstag bereits in der Pressemitteilung des Bischofs aufgelistet und müssen hier nicht wiederholt werden. Auch die Einwände und Absagen der Kostenträger und möglichen Kooperationspartner ergaben sich aus der genannten Pressemitteilung. Ich versichere, dass es Ziel von Geschäftsführung und Aufsichtsrat ist, unser Krankenhaus mit möglichst breitem Leistungsangebot zu erhalten. Wir nehmen jede Unterstützung an, die uns auf diesem Weg weiterbringt. Es gibt noch keine Beschlüsse!
Das Schlimmste für die nächsten Wochen wäre, wenn durch die vielen - gut gemeinten - Briefe, Artikel und Äußerungen die Verunsicherung steigen würde und so eine noch stärkere Patientenorientierung in andere Krankenhäuser erfolgte.
11:23
Bleibt ruhig.
14:07
Es ist schon unverfroren was sich derzeit Geschäftsführung, Pfarrer und Aufsichtsrat nun Leisten, wo ist denn die angekündigte Offenheit und die Dialogbereitschaft. Es scheint doch so, dass man seine Hausaufgaben doch nicht so gründlich gemacht hat, ansonsten kann man sicherlich doch seien Position vertreten und Erleutern.
Anscheinend ist man nicht willens oder in der Lage in einer Ratssitzungen die Fakten auf den Tisch zu legen, da wundert sich der Bürger nur noch und kann der ganzen Sache nur mit Kopfschütteln folgen, den unabhängig von den Kirchsteuern sind Steuern und Zuschüsse aller Steuerzahler in das Krankenhaus geflossen!
Dass in den letzten Jahren nichts passiert ist zeigt mal wieder dass nun Leute in den Aufsichtsrat entsendet wurden, die entweder in den vergangenen Jahren nicht in Altena waren völlig notwendige Vorkenntnisse nun Entscheidungen treffen wollen/können. Der Aufbau eines Ärztehauses mit verschiedenen Fachbereichen scheint da völlig in Vergessenheit geraten zu sein. Eigentlich schon recht beschämend, wenn man sich vorstellt muss das auf diesen uninformierten Grundlagen Entscheidungen getroffen werden da darf man sich über das derzeitige Verhalten nicht wundern.
12:09
Wer jetzt noch immer fröhlich seine Kirchensteuer bezahlt und keine Konsequenz daraus zieht, lebt genauso mit einer Doppelmoral wie die Katholische Kirche und deren lachende Gesichter. Wie armselig doch diese selbstgefälligen Heilige sind, fällt denen nicht einmal auf. Da sieht man doch, ein starken Glauben hilft. Amen
08:15
Muß man da was in die Schuhe schieben? Es ist doch offensichtlich, dass die neue GF z.B. die Kooperation mit Plettenberg absichtlich vernichtet und die Mitarbeiter im Haus auf den Baum gejagt hat! Aber vielleicht ist der Ansatz ja doch richtig - wenn man nur einmal in der Woche, trotz dieser mickrigen Probleme, als Geschäftsführerin in Altena ist, ist man auch nur zu 20% verantwortlich ?!
Diese Begründung ist sehr katholisch. Das sagte ja auch kürzlich der Bistumssprecher. Mit 5% sind wir eigentlich an gar nix beteiligt, erst recht nicht schuld und schon gar für nix verantwortlich. No comment!
07:56
Ich muss Herrn Wehr Recht geben. Meiner Meinung nach war in Altena jahrelang eine unfähige Geschäftsführung am Werk. Ich habe den Eindruck, dass jetzt von einigen in Altena versucht wird, das Ergebnis dieser Unfähigkeit der neuen Geschäftsführung in die Schuhe zu schieben.
07:48
„Hier hängt mein Herz dran” sagt Hans Wehr zu seinem Schwimmbad in Nachrodt. Herr Wehr, könnten sie sich (in einer ähnlich schwierigen Lage) auch für unser Krankenhaus einsetzen, statt den Totengräber, auf Geheiß aus Köln, zu spielen ?
07:05
Moment, der Pfarrer, das Bistum Essen und die Cellitinnen aus Köln haben Gas gegeben und das Haus an die Wand genagelt! Sie wollten den Plan der alten Geschäftsführung und des alten Aufsichtsrates nicht. Zu wenig katholisch! Sie haben neun Monate mit Ankündigungen rumgedocktert, die Intensivstation verlegt (macht man das, wenn man keine Aussicht mehr hat?) und sind gescheitert. Gescheitert wegen Arroganz und Selbstüberschätzung. Neun verlorene Monate!
06:36
Und trotz dieser Kooperationen hat die ehemalige Geschäftsführung das Krankenhaus vor die Wand gefahren. Diese Kooperationen konnten das Haus auch nicht mehrt retten. War wohl das nicht ausreichende Rezept.
22:59
Ich habe mal ganz schwer meine Zweifel, ob H.-J.G und andere wirklich Altenaer sind. Mir scheint, dass in diesem Forum noch mancher Wuppertaler versucht, warum auch immer sein Mütchen an Herrn Kaufmann zu kühlen. Aber das ist nicht unsere Baustelle.
Die Stellungnahme von Herrn Wehr ist - mit Verlaub gesagt - an Dummheit kaum zu überbieten. Er schreibt wörtlich:
Wenn in mehr als sechs Jahren weder Spezialisierungen noch Kooperationen eingeleitet wurden, kann man nur von grobem Missmanagement sprechen
Zu Kooperationen in der Ära Kaufmann/Bieding fallen mir aus dem Stegreif ein: Bau Ärztehaus mit Ankopplung niedergelassener Ärzte ans St. Vinzenz. // minimalinvasive Gynälologie mit St. Vinzenz verzahnt // Lennetz // Kooperation Plettenberg // Verbindung St. Vinzenz mit einer radiologischen Praxis.
(mag sein, dass es noch ein paar Punkte mehr gibt)
Wenigstens zwei dieser Kooperationen (nämlich das Lennetz und die mit Plettenberg) wurden von der katholischen Kirche GEZIELT zerstört. Ohne Angabe von Gründen. Und Herr Wehr hat fröhlich mitgemacht. Deswegen sind seine Ausführungen einfach nur dreist.
B.
22:32
Bravo Herr Wehr, endlich jemand, der Klartext redet. Leider wurden die wahren Totengräber des St. Vinzenz um Jahre zu spät herausgeworfen.