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Note 5 für „Essen wie bei Muttern”

18.02.2010 | 22:27 Uhr
Note 5 für „Essen wie bei Muttern”

Altena. In der Villa Borbet und im Kohlberghaus leben 93 psychisch kranke oder geistig behinderte Bewohner.

Dort sind diese äußerst hilfsbedürftigen Menschen aber bestenfalls mittelmäßig untergebracht – zumindest nach dem Urteil der Prüfer des sogenannten „Pflege-TÜVs”. Gegen diese Bewertung, die auf der Internetseite www.pflegelotse.de erläutert ist, wehrt sich nun die Einrichtung. Es ist ein ungewöhnlicher Fall, bei dem das bundesweit einheitliche Test-Schema zumindest teilweise in Frage gestellt wird.

Zweite Prüfung soll

Klarheit schaffen

„Wir werden das so nicht akzeptieren”, sagt Jörg-Martin Ihde von der Kunz & Ihde GbR, die beide Häuser in Altena betreibt, zur Gesamtnote 3,4. Deshalb will er eine zweite Prüfung beantragen, die in solch strittigen Fällen möglich ist. An der durchwachsenen Note stört ihn , dass sie ausgerechnet durch ein „Mangelhaft” im Bereich „Soziale Betreuung” zustande kommt. „Das gibt unseren Alltag überhaupt nicht wieder”, so Ihde, „Betreuung in allen möglichen Formen ist unsere Stärke.”

Laut Pflege-TÜV hapert es z. B. bei der Kontaktpflege zu Angehörigen. Folglich gab es in diesem Punkt die mieseste Note überhaupt – 5,0. Doch offenbar hat die Sache einen Haken: „Die meisten unserer Bewohner haben keine Angehörigen, sondern werden von gesetzlich bestellten Betreuern vertreten”, erklärt Heimleiter Torsten Severing.

Es gibt einige solch praktischer Beispiele dafür, dass der gängige Fragen-Katalog auf die Villa Borbet und das Kohlberghaus nicht passt. Mehr als ein Viertel der insgesamt 64 Fragen ließen die Prüfer in diesem Altenaer Fall sogar völlig unbeantwortet – Note 0.

Dazu gehörten allein zehn Fragen zum Umgang mit Demenzkranken. „Solche Leute haben wir halt nicht”, sagt Heimleiter Severing. Aus demselben Grund gab es die „0” u.a. auch für Fragen nach fachgerechtem Umgang mit Patienten, die an Wunden durch Bettlägerigkeit oder an chronischen Schmerzen leiden.

Fragen-Katalog passt

an vielen Stellen nicht

Entwickelt wurde dieses Prüfkonzept eigentlich für klassische Altenpflegeheime. Die über sie veröffentlichten Qualitätsberichte sollen Laien helfen, einen guten Heimplatz für einen Angehörigen zu finden, damit der in Wohnortnähe einen angenehmen Lebensabend verbringt. Dagegen bekommen die spezialisierten Ihde-Häuser ihre ausschließlich psychisch kranken und geistig behinderten Bewohner von Fachkliniken aus ganz NRW zugewiesen. Und bei einem Durchschnittsalter von 45 Jahren gelten diese Leute nicht gerade als Senioren.

An vielen Stellen des Prüfberichts verweisen die Ihde-Verantwortlichen auf die besonderen Verhältnisse bei der Pflege von psychisch Kranken und geistig Behinderten. So kamen die Gutachter zum Beispiel zu dem Ergebnis, dass die Zahn- und Körperpflege nicht den individuellen Gewohnheiten der Bewohner entspreche – Note 5,0.

„Hygiene ist ein heikles Thema”, berichtet Heimleiter Severing aus dem Alltag. Die Bereitschaft zum Duschen und Zähne putzen schwanke bei jedem Bewohner, und zwar täglich. Das sei typisch für psychisch Kranke und geistig Behinderte. Was wiederum heißt: „Man muss die Leute ständig zur Hygiene motvieren, man kann sie aber nicht dazu zwingen”, so Severing.

Die Prüfer kritisierten auch, dass sich die Essens-Portionen nicht nach individuellen Wünschen der Bewohner richteten. Zumindest fanden sie keine Aufzeichnungen zu angebotenen Portions-Größen. „Bei uns gibt es ein Buffet”, erklärt Torsten Severing, „da nimmt sich jeder so viel, wie er möchte – das ist wie bei Muttern.”

Thomas Urban

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Kommentare
19.02.2010
17:41
Note 5 für „Essen wie bei Muttern”
von Udo Winter | #1

Wer diese beiden Einrichtungen mit normalen Altenpflegeheimen vergleicht ist nur Dumm. Ich habe Hochachtung vor dem was dort geleistet wird! Ich kann nur jedem Skeptiker mal einen Besuch in den Häusern empfehlen!

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