Jeder Winkel wird ein Unikat
25.02.2011 | 18:16 Uhr 2011-02-25T18:16:00+0100
Altena.Außen ein Denkmal, innen unverwechselbar einzigartig – so stellen sich alle Beteiligten des Kinoumbaus das Endprodukt vor.
Inhaberin Nicole Güldner holt sich für das Mammutprojekt einen Kino-Innenarchitekten, eine Farbdesignerin, einen Malermeister, einen Metalldesigner und einen Lasertechniker ins Haus. Sie alle sind sich einig: Jeder Winkel wird ein Unikat.
Ralf Otto hat schon vielen Lichtspielhäusern zu neuem Innendekor verholfen. „Aber so was ist mit einem Multiplex natürlich überhaupt nicht vergleichbar“, erklärt der spezialisierte Bauleiter und verweist allein auf die ungewöhnliche Lage inmitten der Netteraner Verkehrsinsel. Mit Ralf Otto besprach Nicole Güldner zunächst das Grundkonzept der Neugestaltung. Jetzt geht es ins Detail: Fest steht ein hochfloriger roter Teppich, der die neuen Bequemsessel umschmeicheln wird.
66 Meter Edelstahl für 73 Beistelltische
Weil die Finanzierung des Umbaus teilweise über Werbepartner in Form von Sesselpatenschaften gestemmt wird, kommen Michael Steinhardt von der Herscheider Firma 2M Systeme und der Altenaer Metalldesigner David Ritz ins Boot: Ritz wird 66 Meter Edelstahl in Beistelltische für 73 Sessel umbauen. Und das so pflegeleicht, dass die Kunden beherzt zugreifen dürfen: „Fingerabdrücke sollen nicht zu sehen sein.“ Genau so geht Ritz vor, wenn er den neuen Edelstahl-Tresen fürs Foyer baut. Alles ist Handarbeit, für die David Ritz rund zwei Monate Arbeitszeit einkalkuliert. Und er muss Platz lassen für die Arbeit von Michael Steinhardt: In dessen Unternehmen 2M Systeme entstehen die gelaserten Firmenlogos im Sicherheitsglas. Die Platten werden in die Tische eingelassen und mit energiesparenden LED-Leuchten angestrahlt. „Das System wird dimmbar sein“, erklärt Steinhardt. Kommen die Kunden in den Saal, dürfen sich die Werbepartner sicher sein, dass ihre Firmenpräsenz strahlt. Bei Filmbeginn, wenn das Saallicht ausgeht, kann vom Vorführraum aus die Tischbeleuchtung so reguliert werden, dass sie nicht stört. Auch die Service-Knöpfe werden eingelassen: Drückt der Kunde, leuchten sie rot auf und geben dem Service-Personal grünes Licht zum Bedienen.
Sicht und Akustik im Vordergrund
Um Farben kümmert sich auch Diplom-Farbdesignerin Doris Wegen, die in der Münsteraner Hauptzentrale der Firma Brilux tätig ist. Sie und Verkaufsberater Tim Kaziskalewicz aus Hagen richteten sich bei der Auswahl von Wandfarben fürs Apollo natürlich nach den Vorstellungen der Chefin: „Mit der Arbeit von Herrn Ritz hat sie einen Bogen zur Drahtstadt Altena geschlagen. Da passt unsere neue Edelstahl-Farbe natürlich gut zu. Der rote Teppich wird mit Brombeer schön zur Geltung gebracht.“
Guido Busch wird als lokaler Malermeister mit den Verfahren Metallico oder Lucato entweder eine Spachtelglättetechnik verwenden oder diverse andere Techniken mischen, um den Wänden neuen Glanz zu verschaffen. Toiletten und Foyer bekommen den neuen Anstrich. Im Saal bleibt es bei einer Stoff-Wandbespannung.
Beim Kino-Umbau sind Sicht- und Akustikverhältnisse zu berücksichtigen. Weil die Filmindustrie immer weniger 35-Millimeter-Kopien auf den Markt bringt, weil die Produktion von Disketten weitaus günstiger geworden ist, hat Nicole Güldner sich mit gemischten Gefühlen auch auf die Umstellung auf Digitalfilm in beiden Kinos eingestellt. Um die Rechneranlagen keiner zu großen Hitze auszusetzen, brauchen die Vorführräume Klimatechnik und vermutlich neue Einspiellöcher.
„Oben will ich auf jeden Fall die 35-Millimeter-Kinomaschine zusätzlich behalten“, erklärt Güldner. „Unten wird das aus Platzgründen nicht möglich sein.“
Die Umstellung auf Digitalfilm allein ist mit 176 000 Euro veranschlagt – Umbau noch nicht inbegriffen. „Aber was nützt mir ein top-renoviertes Kino, wenn bald keine Filme mehr für meine Maschinen hergestellt werden?“
Auch Seniorchefin Christel Güldner wird sich in ihrem Vorführraum umstellen müssen. Zum Spaß hat sie die Pläne vom Umbau 1957 hervorgeholt. Damals gab’s im Altenaer Kino noch die „billigen Plätze“: Die waren aus Holz und wer da drauf saß, kam für eine Mark ins Kino. „ Damals war auch ein Umbau allerdings noch nicht so teuer“, erklärt sie. „Aber genau so aufregend!“
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