Hier kommt's auf jede Stimme an
25.08.2009 | 16:25 Uhr 2009-08-25T16:25:00+0200
Altena. Der Breitenhagen wählt zwar wie bisher in der Grundschule; doch ein Drittel der Stimmen zählt mit im neuen Wahlbezirk 13 am Drescheider Berg.
Nur der Wahlbezirk 14 ist ein reiner Breitenhagener Bezirk. Mit dieser Wahl muss sich erstmals die so genannte „Städtische Rahmede" mit zwei Direktkandidaten begnügen. Zumindest im unteren Bezirk kommt es auf jede einzelne Stimme an.
Am Drescheider Berg hatte sich der SPD-Kandidat Reiner Kemmerling bei früheren Wahlen die Hacken abgelaufen. 1999 fehlten ihm fünf Stimmen hinter dem CDU-Konkurrenten. Wäre sein Bezirk 2004 nicht um den Lennestein erweitert worden, hätte er es beim letzten Mal geschafft. Doch der stärker besiedelte Lennestein wählte Sonja Reckschmidt (damals noch Meyer). Die Differenz frustrierte den Genossen: Vier Stimmen fehlten ihm.
Nun schneiderten die Wahlplaner erneut neue Grenzen. Jetzt will sich Kemmerling gegen eine Berufs-Breitenhagenerin durchsetzen: Gudrun Hein, Vorsitzende der StR-Turner, blickte vor fünf Jahren auf eine satte Mehrheit zurück: 52,7 % wählten die CDU. Allerdings zählt der Drescheid mehr Wahlberechtigte. Es wird spannend.
Ebenfalls gerade fünf Stimmen fehlten vor fünf Jahren dem SPD-Kandidaten am oberen Breitenhagen. Arno Spilker verlor seinen Bezirk und tritt diesmal nicht mehr an. Er überlässt den einstigen SPD-Bezirk dem Neuling Martin Müller. Der arbeitet, genauso wie CDU-Kandidat Wolfgang Simon, in der Versicherungsbranche. Nun wird sich zeigen, was der Bekanntheitsgrad des 1. Stellvertretenden Bürgermeisters (und ehemaligen StR-Vorsitzenden) ausmacht.
Ein unwägbarer Faktor für alle Kandidaten: der erhebliche Leerstand am Breitenhagen. Besonders an der Wilhelmstraße gähnen leere Fenster den Passanten an. Über ein Viertel der Menschen zog in den letzten fünf Jahren von der Wilhelmstraße weg.
Die im Einheitsstil nach dem 2. Weltkrieg erbauten Häuser bieten wenig Anreiz. Dazu kommt eine hohe Fluktuation bedingt durch die meist kleinen Wohnungen. Die Altenaer Baugesellschaft steuert massiv gegen: Sie legt Wohnungen sogar etagenübergreifend zusammen, hat in den letzten zwölf Monaten komplette Häuser abgerissen und schafft Grünflächen, Parkplätze sowie Spiel- und Begegnungsflächen.
Umfangreiche Modernisierungsprojekte reduzieren Nebenkosten oder schaffen – beispielsweise durch Balkone – neue Lebensqualität. Das soll die verbleibenden Mieter halten oder sogar neue locken.
Der Breitenhagen genießt keinen guten Ruf, obwohl es Grundschule und Kindergarten gibt. Und der TV Städtisch Rahmede in der einzigen vereinseigenen Halle Altenas ein gutes Sportangebot macht. Geschäfte konnten sich bis auf den Schlecker nicht mehr halten am Breitenhagen. Doch dafür gibt es den Netto unten im Tal. Von dieser Möglichkeit profitiert auch der Drescheider Berg, der an der Hauptstraße sogar noch ein Ergänzungsangebot „direkt um die Ecke" vorfindet: von Angelshop und Orgelschule bis zum Gebrauchtwaren-Kaufhaus. Förderschule und Kindergarten liegen dort noch näher. Bloß die Kirche hat sich von beiden Berghängen der Städtischen Rahmede verabschiedet – abgesehen von den beiden Kindergärten und dem katholischen Friedhof.
0mitdiskutieren