Gedrückte Stimmung in der Nette
09.12.2011 | 00:00 Uhr 2011-12-09T00:00:00+0100
Altena.An der Richard-Schirrmann-Realschule herrscht Verbitterung: Der Plan der Kommunalpolitiker, die Schule zugunsten einer interkommunalen Sekundarschule schrittweise abzuschaffen, drückt auf die Stimmung. „Es ist nicht nötig, unsere Schule aufzulösen – zumindest nicht jetzt“, meint Matthias Palla, Vorsitzender der Schulpflegschaft.
Palla ist in seiner Funktion Sprecher von 320 Realschuleltern. Die Realschule, so sein Eindruck, werde wegen der stark sinkenden Schülerzahlen der Hauptschulen unnötig geopfert. Er betont: Ihm gehe es nicht darum, die Sekundarschule zu kritisieren, sondern vor allem um ein Plädoyer für eine funktionierende Altenaer Realschule.
In der Kritik steht vor allem die Art und Weise, wie die örtliche Schulpolitik in den vergangenen Wochen betrieben wurde. Da ist von „Basta-Politik“ die Rede; durch die Vorgabe, dass die Sekundarschule schon im kommenden Schuljahr starten soll, fühlen sich Betroffene übergangen.
Als die Pläne für die Sekundarschule auf interner politischer Ebene längst abgestimmt waren, warben Anfang Oktober Mitglieder des Realschul-Fördervereins noch an einem Stand auf dem AlWeWo-Flohmarkt für „ihre“ Schule. „Wir haben uns unheimlich reingehängt“, berichtet Gisela Ossenberg, stellvertretende Vorsitzende der Schulpflegschaft. Wenige Tage später habe sie aus der Zeitung von den Sekundarschul-Plänen erfahren – und der damit verbundenen Auflösung der Schirrmann-Realschule. „Das war wie ein Schlag ins Gesicht“, so Gisela Ossenberg.
Palla und Ossenberg werfen den Kommunalpolitikern vor, dass diese gar nicht oder viel zu wenig über Alternativen zum beschlossenen Schulkonzept nachgedacht hätten. Eine Möglichkeit aus ihrer Sicht: Die Schirrmann-Realschule bleibt bestehen; gleichzeitig werden die Hauptschule Rahmede und die Hauptschule Nachrodt zusammengelegt – beispielsweise im dafür sehr zentral gelegenen leeren Schulgebäude am Knerling.
„Wir haben in dieser Stadt keine Lobby“, klagt Heribert Hertel, Leiter der Richard-Schirrmann-Realschule. An der Schule selbst herrsche das harmonische Selbstverständnis einer „Schulgemeinde“.
Hertel kritisiert, dass sich Schulleiter-Kollegen mit politischem Mandat explizit für die Sekundarschule ausgesprochen hätten. „Da hätte ich mir mehr Neutralität gewünscht“, sagt er. Zwar nennt er keinen Namen, doch offensichtlich ist das u.a. an den Nachrodter UWG-Kommunalpolitiker Johannes Illerhaus gerichtet. Illerhaus ist gleichzeitig Leiter der Grundschule Nachrodt und kommissarischer Leiter der Grundschule Wiblingwerde. Er hatte beispielsweise bei der gut besuchten Eltern-Info in der Burg Holtzbrinck nachdrücklich für die Sekundarschule geworben.
Gestern wurde die Richard-Schirrmann-Realschule bei einem Festakt in Hagen mit dem Berufswahlsiegel ausgezeichnet. Das Siegel bekam die Schule für das Netzwerk mit heimischen Unternehmen, das sie in jahrelanger Arbeit geknüpft hat, um ihren Schülern bei der Berufsfindung zu helfen. „Jetzt ernten wir die Früchte für unsere Arbeit – und die Schule wird aufgelöst“, beschreibt Anja Schaube, die zum Team der Berufsorientierungslehrer gehört, die Gemütslage.
Sicher ist: Kinder, die heute in die Klasse 5 der Richard-Schirrmann-Realschule gehen, werden dort bis zur 10. Klasse als Realschüler unterrichtet – wie bisher.
Wenn im Februar mindestens 75 Eltern ihre Kinder für eine neue Sekundarschule anmelden, läuft die Altenaer Realschule schrittweise aus. Dann würden immer weniger Lehrer aus dem eingespielten Kollegium benötigt. Mögliche Probleme bei diesem Prozess will der Schulpflegschafts-Vorsitzende Matthias Palla nicht akzeptieren: „Wir werden einfordern, dass es bis zum Schluss normal weitergeht.“
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