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Kultur

Ein Spiel mit Witz und Geschichte

08.05.2011 | 00:00 Uhr
Ein Spiel mit Witz und Geschichte
Carsten Wolfewicz hat große Puppen gebastelt für ein spektakuläres Historienspiel.

Altena.Seit zweieinhalb Jahren sorgt Carsten Wolfewicz gut gelaunt für Ordnung in Altenas bester Stube. Der Kulturschaffende sieht und nutzt die banale Hausmeister-Arbeit in der Burg Holtzbrinck als kreative „Auszeit“.

Eine Viertelmillion Gäste kennen den hageren Mann aus dem Burgrestaurant. Die Höfische Tafel dort „holte in 20 Jahren mehr Besucher nach Altena als die Mittelaltermärkte“. Wolfewicz nimmt die sagenhafte Zeit der Burgen sehr ernst. Er fasst auch seine Auftritte im Festsaal so auf: „Wenn andere die Sauflatte reichten, geben wir in Sachen Kultur noch einmal richtig Gas.“ Obwohl er gerne lacht. Mittelalter- das ist sein Thema. Dann sprudelt es nur so aus. Referenzen hat er viele für Events, die der Zeit der Ritter und holden Burgfräuleins den Boden huldigen.

Altena hat Potenzial, Einzigartiges zu bieten

Doch so ganz richtig überzeugt ist er nicht mehr von Mittelalter-Spektakeln. „Zu inflationär.“ Das Mittelalter-Fest im Sommer sei gut für Altena. Doch 30000 Besucher an einem Wochenende, das könne Altena und der hiesige Handel doch überhaupt nicht ausreichend abschöpfen. Eine Stadt brauche ein Alleinstellungsmerkmal und Regelmäßigkeit. Potenzial gebe es in Altena noch genug zu zünden, findet Wolfewicz.

Dabei erweist er sich in seinen Visionen auch so flexibel, dass er sich den Hindernissen und Gegebenheiten anpasst.

Als er in die Burg Holtzbrinck zog, steckte nur die Handpuppe von Holtzbrinck im Gepäck. Inzwischen ist das Ensemble der Gipsköpfe fast vollständig. Wolfewicz will keine zweite Augsburger Puppenkiste, aber an deren Erfolg anknüpfen. Altena stecke mit seiner für diese Verhältnisse einzigartigen Museenlandschaft so voller Bezüge.

Alles auf einmal zu erleben, vom Höhlenbären auf der Burg bis zum Teesieb im Deutschen Drahtmuseum, damit sei der normale Tourist überfordert. Wenn der demnächst nach seiner abenteuerreichen Fahrt mit dem Erlebnis-Aufzug und der Fülle von Eindrücken aus dem Burgmuseum nach Hause fahre, dann müsse er schon über den nächsten Besuch denken. Wolfewicz: „Aber der darf nicht erst in einem Jahr möglich sein, sondern zum Beispiel jeden 2. Mittwoch im Monat.“

In einem solchen Rhythmus ließe sich etwas in der Burgstadt installieren, „das es nirgendwo anders gibt.“

Kein neues Museum, keine Stätte des Wissens, nein: „Ich will Spaß an Geschichte vermitteln. Die Zuschauer sollen nachher mit Bauchschmerzen vor Lachen nach Hause fahren.“ Humor ist für Wolfewicz „eine der schärfsten Waffen“.

Und so hat er das alte Mittelalter-Gewand abgestreift und sich aufgemacht in neue Epochen.

Dabei will er aus der biederen „Vorhang-auf-Tritratullala-Mentalität“ ausbrechen. Ihm schwebt ein Mitten-Drin-Theater vor, eine 360-Grad-Rundum-Bühne mitten im Publikum, wie ein Schiff. Hinter den Bühnenwänden können drei „sportliche Akteure“ dann seine Geschichte erzählen.

Der Hof der Burg Altena böte etwa eine solche Möglichkeit, dank Leerrohr, einer solchen Rundum-Bühne Strom zuzuführen. Doch auch den kleinen Vorhof der Burg Holtzbrinck hält er fürs Erste geeignet für solche Aufführungen vor vielleicht 50, 60 Zuschauern.

Die Größe seiner Puppen „erzielt Reichweite“, wie er es formuliert.

Wolfewicz wagt den Spagat: Kinder zum Lachen zu bringen und Bildungsbürgern geistreiche Gedankenblitze zu liefern – etwa, wenn er süffisante Anspielungen auf das „Ei des Kolumbus“ macht. Auch der Entdecker Amerikas segelt übrigens auf seiner drei Meter langen Santa-Maria durch das epochale Stück.

Apollos Lachen schallt durch die Bürgerburg

Ein halbes Jahr Vorlaufzeit brauche er, wenn die Rahmenbedingungen feststehen, schätzt Wolfewicz. Vielleicht könnte er mit ins Krämerdorf gehen. Wolfewicz ist für alles offen. Und nutzt während dessen jede freie Minute, weiter an Fähren und Schiffen, Gipsköpfen und Drehbuch zu feilen. Also nicht wundern, wenn abends zu später Stunde Apollos Lachen durch den Von-Holtzbrinck’schen Burghof schallt...

Christof Hüls

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Kommentare
08.05.2011
13:09
Ein Spiel mit Witz und Geschichte
von altenativlos | #1

auch zu diesem Thema hatte- Altena-innovativ- einen Beitrag beigesteuert. Schwimmende B(u)ühnendie vom Ufer aus von den Zuschauern(hörern) gut einseh(hör)bar. Wäre man diesem Vorschlag nur ein wenig weit gefolgt, hätte man zumindest auf der linken Lenneseite die Quader, treppenförmig aufgeschichtet, um so den Theater-Effekt zu erzielen. Die Bühne hätte eine große Fläche und Platz für Zuschauer wäre ausreichend vorhanden gewesen.Schade, aber auf einen Planungsfehler mehr oder weniger, schaut man in Altena ja nicht mehr so genau!!

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