Doppelte Einblicke ins Berufsleben
05.10.2010 | 18:06 Uhr 2010-10-05T18:06:00+0200
Altena.Zwei Wochen vor den Herbstferien, zwei Wochen vor den Osterferien – die Richard-Schirrmann-Realschule splittet das Schülerbetriebspraktikum erstmals in zwei Teile. Das macht netto eine Woche Erfahrung im Betrieb mehr und ermöglicht den Schülern doppelt so viele Einblicke in verschiedene Berufssparten.
Für RSR-Lehrerin und Praktikumskoordinatorin Sabine Manzel und die Schüler ist das Neuland. Positive Erfahrungen bei der Beschaffung von Praktikumsplätzen lassen die Pädagogin allerdings frohen Mutes in die Zukunft blicken: „Die Betriebe sind sehr zugänglich für unsere Schüler. Fast alle sind in der Nähe untergekommen, Ausnahme bilden zwei Praktikantinnen bei den Helios-Kliniken in Hagen.“
Wirtschaftsjunioren
als zweiter Partner
Mit ins Boot gekommen als zusätzlicher Schulpartner sind neben Thyssen Krupp VDM nun die Wirtschaftsjunioren. Auch diese guten Kontakte erleichtern die Praktikumskoordination. „Viele Schüler sind pfiffig genug, sich selbst vorzustellen. Viele Betriebe bitten dann um eine schriftliche Bewerbung, manche auch um ein Vorstellungsgespräch. Das sind wertvolle Übungen fürs spätere Berufsleben“, erklärt Sabine Manzel.
Die sammelt gerade Steffen Christ in der physiotherapeutischen Praxis „Altenativ“. Der 14-Jährige hatte schon immer Spaß an Fußmassage. Die Eltern waren dankbare Abnehmer, irgendwann legte sich der Schüler Fachliteratur zu. Nicht nur bei Susanne Maselli stieß er auf offene Ohren, als er sich per Initiativ-Bewerbung in Altenas physiotherapeutischen Praxen vorstellte. „Da hatte ich die Wahl. Altenativ lag für mich aber schließlich am nächsten.“
Steffen Christ mag die Arbeit mit anderen Menschen und agiert gern selbstständig. In kleinen Teilen darf er das schon: Fango-Packungen zum Beispiel im Ofen erhitzen und auf die schmerzenden Körperteile legen. Chefin Susanne Maselli hat ein Auge darauf, dass alles gut klappt. Auch an die Füße der Patienten darf Steffen, um sich in Massage zu üben. „Er ist fleißig und pünktlich. So mag ich Praktikanten!“ lobt die Chefin. Seit vier Jahren nimmt sie Praktikanten an. „Ich habe nur gute Erfahrungen. Es hat sich noch keiner dumm angestellt.“
Steffen Christ fühlt sich wohl, freut sich allerdings auf zwei weitere Praktikumswochen im kommenden Jahr. Auch Berufe wie Heilpraktiker, Elektriker oder Programmierer interessieren ihn. Sollte es später tatsächlich die Physiotherapie werden, hat der 14-Jährige größere Pläne: Meisterbrief und Zusatzqualifikationen, die ihm auch ermöglichen würden, auf einem Schiff anzuheuern. „Arbeiten ist toll. Besser als Schule“, ist seine Bilanz nach anderthalb Praktikumswochen.
Auch Daniel Düllberg ist rundum glücklich bei seinem Ausflug in die Berufswelt: Er ist im KFZ-Fachbetrieb Bräuniger untergekommen und ein Praktikant vom Schlag, wie sich Inhaber Edwin Bräuniger auch seine Azubis wünscht: Fix im Umgang mit Kundschaft und gesegnet mit geschickten Fingern. Weil Technik im Laufe der Jahre eine immer größere Rolle spielte, ist der Beruf des KFZ-Mechanikers vom Ausbildungsmarkt verschwunden. Daniel Düllberg ist Mechatroniker-Praktikant und darf den Kollegen nicht nur über die Schulter schauen, sondern aktiv mitwirken: Öl- und Reifenwechsel, Bremstests, Inspektionen, Reparaturen – der 15-Jährige ist überall dabei. Als begeisterter Hobby-Schrauber im Kart-Bereich hat er bereits etwas Erfahrung. Sein Fazit: „Der Beruf ist was für mich!“ Stimmen Mathe und Physik-Noten und ist ein gutes Gespür für technische Zusammenhänge da, stehen die Chancen auf Ausbildung und berufliche Perspektive gut, weiß Edwin Bräuniger: „Autos werden immer gebraucht. Und auch Leute, die sie reparieren und in Stand halten können.“
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