Der Herr der Bürsten und Besen
10.04.2008 | 20:31 Uhr 2008-04-10T20:31:00+0200
Altena. Helmut Schneppers Bürsten und Besen sind kleine Kunstwerke. Man säubert damit Hände und Nägel, kehrt Böden, fängt den feinen Staub ein oder verstreicht Fett in der Backform. Letzeres Utensil heißt Butterbürste.
Seit zehn Jahren übt der 52-Jährige den seltenen Beruf des Bürsten- und Besenmachers aus. Zudem ist der Mann aus Breckerfeld auch ein versierter Stuhl- und Rahmenflechter. Eigentlich ist Helmut Schnepper gelernter Zahntechniker. Wegen eines Augenleidens musste er umschulen. Das hat er nicht bereut. „Ich liebe meinen Beruf”, sagt Helmut Schnepper. Er möchte das alte Handwerk bewahren und es überliefern. Ehefrau Elke hat er's schon beigebracht. Anderen Menschen zeigt er seine handwerklichen Fähigkeiten auf den verschiedensten Märkten. Jetzt kommen auch Altenaer in den Genuss einen Bürstenbinder-Lektion. In der historischen Mückenburg, am Fuße des Burg-Bergs und direkt neben dem Drahtmuseum, haben Elke und Helmut Schnepper eine Schauwerkstatt installiert. Zunächst will das Breckerfelder Ehepaar die Räume im schönen alten Haus bis Oktober nutzen. Dort haben sie in Regalen ihr erstaunlich breit sortiertes Angebot übersichtlich ausgebreitet. Es gibt Besen und Bürsten in allen Größen, mit Mustern und ganz erstaunlichen Formen. Einer sieht aus wie ein plattgeklopfter Flügel. Mit dem kann man noch hervorragend den Staub hinterm Schrank oder dem Regal entfernen. Es gibt ein putziges Exemplar, das sinnigerweise Pilzkopf genannt wird, oder eines, das der Form eines Schiffes ähnelt. Es sind Gegenstände, auf die schon die Großmütter schwörten. Und es sind langelebige Exemplare. „Manchmal kommen Menschen zu mir, die sagen, dass sie noch eine Bürste aus dem Familienerbe in Benutzung haben”, lächelt Helmut Schnepper.
Manche Feger halten nahezu ewig
Altes Handwerk neu belebt soll's zunächst bis Oktober in der Mückenburg, Fritz-Thomee-Straße 8, geben.
Dort verkaufen der Bürstenmacher sowie Stuhl- und Rahmenflechter Helmut Schnepper aus Breckerfeld nicht nur seine Waren, er will den Besuchern auch zeigen, wie er das macht. Zurzeit hat er samstags und sonntags sowie feiertags von 14.30 bis 18 Uhr geöffnet. Geplant ist, in den Monaten Juni, Juli und August auch dienstags, mittwochs und donnerstags zu öffnen. Zudem möchte Schnepper Führungen für Gruppen anbieten, denen er sein Handwerk erläutern möchte. Informationen unter 0 23 38/ 21 97 oder www.altes-handwerk-live.de (elo)
Doch hinter seinem Lächeln verbirgt sich auch eine gewisse Resignation. Denn die Besen und Bürsten, die er seit zehn Jahren herstellt, sind so robust, dass sie nahezu ewig halten. Das kann einem Handwerksmann nicht wirklich behagen. Denn schließlich leben die Schneppers vom Handwerk des Bürstenmachens. Deswegen können in der Schauwerkstatt in der Mückenburg auch die Produkte erworben werden. Und kleine Geschichten von der legendären Frau (Elfriede) Suppe aus Soest oder über die Herkunft der einzelnen Materialien gibt's auch. Helmut Schneppers zweites Standbein ist das des Stuhl- und Rahmenflechters. Auch das ist ein äußerst rarer Berufsstand, dessen Geschick aber nach wie vor gefragt ist. Wer das Sonnengeflecht des Chippendale-Tisches oder Sessels erneuern muss, wer schadhaftes Geflecht an seinen Esszimmertischen zu beklagen hat, der nimmt gerne die Dienste des Fachmanns Schnepper in Anspruch.
Ziegenhaar bindet auch feinsten Staub
Der versteht sich natürlich auch auf kunstvollen Sichtschutz für alte Heizkörper. Und wer dabei entdeckt, dass die voller Staub sind, für den gibt's den passenden Putzer. Schnepper verwendet für Naturmaterialien. Wenn's um Staub geht, ist Ziegenhaar unschlagbar. Es hat einen hohen Haarfettgehalt und bindet den Staub prima. Und wenn das gute Stück mal selbst verschmutzt ist, dann raten Schneppers zu reiner Schmierseife. Auch Rosshaar, chinesische Schweineborsten oder mexianische Wurzeln verarbeitet Schnepper zu nützlichen und bewährten Haushaltshelfern. Verbindendes Element ist feiner Draht. Damit befestigt der Handwerker Haar und Borsten auf dem Holz. „Da passen wir wirklich gut in die Drahtstadt Altena”, lächeln die Schneppers.
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