Barrierefrei beginnt am Bordstein
22.02.2012 | 19:43 Uhr 2012-02-22T19:43:00+0100
Altena.Die Nachbarschaft am Knerling sieht sich selbst als starke Gemeinschaft, die einander helfend zur Hand geht und für die ein stetiges Miteinander zum guten Ton gehört. Darüber, dass man auch im Alter nicht die über Jahre gewachsenen Kontakte zu seinen Nachbarn missen wollen würde, waren sich am Dienstag auch die 30 Besucher der Knerling-Baugespräche einig. Im Rahmen der Knerling-Woche hatte seitens der Stadtverwaltung Anette Wesemann Anwohner und mehrere Fachleute zu einem vermittelnden Dialog mit dem Themenschwerpunkt „Das Älterwerden in den eigenen vier Wänden“ in den Generationentreff eingeladen.
Für einen Rollator sind viele Türen zu schmal
Moderiert und dokumentiert wurde die Veranstaltung durch David Froessler, den Projektleiter der Innovationsagentur Stadtumbau NRW, der vermittelnd zwischen den Fachleuten und den Bewohnern Ideen für eine mögliche Umsetzung der angeregten Bau – und Umbaumaßnahmen sammelte. Vorwiegend beschäftige sich die große Runde mit den Möglichkeiten des barrierefreien Wohnens am Knerling. Vor allem auch zahlreiche Altbauten im Besitz der Altenaer Baugesellschaft entsprächen im Innenbereich nicht mehr der vorgeschriebenen DIN-Norm, wie Bauingenieur Melchior Ossenberg- Engels und Architekt Ronald Voss darstellten. Gemäß dem Falle, dass einer der Bewohner in der Zukunft einen Rollator benötige, so wären einzelne Türen und Rahmen in vielen der Wohnungen nicht für solcherlei Anforderungen ausgelegt und würden nicht die geforderte Mindestbreite von 80 cm aufweisen. Umbaumaßnahmen in diesem Bereich kalkulierten die Fachmänner pro Tür mit Kosten von ca. 1000 Euro und weiteren nicht näher benannten Folgeinvestitionen. Man gab den Anwohnern auch zu bedenken, dass zumeist ein Totalumbau des Eigenheimes oder der Mietwohnungen nicht immer die Ideallösung bieten könne. „Barrierefreies Wohnen beginnt schließlich schon beim Bordstein vor der Haustür“, mahnte Ossenberg-Engels.
Bedarf muss früh erkannt werden
Einzig und allein beim rechtzeitigen Erkennen von Bedarfsfällen, sei eine kostengünstigste Lösung im Rahmen der Möglichkeiten gegeben. Seitens der Altenaer Baugesellschaft konnten von Kornelia Schneider (Bereich Vermietungen und Service Knerling, Pragpaul und Nette) und Geschäftsführer Joachim Effertz auch anschauliche Ergebnisse ähnlicher Umbaumaßnahmen dargelegt werden. So etwa Parterrewohnungen am Pragpaul und am Breitenhagen, die bereits barrierefrei umgestaltet werden konnten. Überhaupt seien die Kosten für notwendige Umgestaltungen von Etagenwohnungen schwer im Vorfeld zu beziffern, wie Joachim Effertz darlegte. Um im Schoße der vertrauten Nachbarschaft möglichst uneingeschränkt älter zu werden, unterbreitete David Froessler den Vorschlag, dass man Planungen ins Augen fassen könnte, die vorsehen, dass hauptsächlich Parterrewohnungen barrierefrei ausgebaut werden würden, die den älteren Mietern der Baugesellschaft zur Verfügung stehen könnten. „Wenn in einem Zeitfenster mit zehn Jahren Vorlauf ein rechtzeitiges Interesse der Kunden bestehe, wäre eine solche Realisierung im Rahmen der Möglichkeiten“, so Effertz.
Über Treppenliftlösungen und weitere Altershilfen informierte im Baugespräch auch ein Kiersper Unternehmer, der sich mit seiner Firma auf eine Produktpalette für das barrierefreie Wohnen spezialisiert hat.
0mitdiskutieren