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Schiedsrichter

Zwanziger macht beim Krisenmanagement keine gute Figur

21.11.2011 | 23:30 Uhr
Zwanziger macht beim Krisenmanagement keine gute Figur
Als Krisenmanager gefordert: DFB-Präsident Theo Zwanziger wirkt momentan nicht immer souverän.Foto: imago

Essen.  DFB-Präsident Theo Zwanziger hat seit längerem alles andere als eine glückliche Hand bei der Bewältigung diversen Krisen, die insbesondere das Schiedsrichterwesen betreffen. Auch nach Babak Rafatis Suizidversuch war wieder einmal niemand schneller – und niemand deutlicher als der 66-Jährige.

Es war der Moment, in dem Theo Zwanziger ungeteilte Zustimmung, Anerkennung, Bewunderung gar genoss: „Fußball ist nicht alles“, sagte Zwanziger mit getragener Stimme. „Denkt nicht nur an den Schein, denkt auch an das, was im Menschen ist, an Zweifel und an Schwächen“, mahnte der heute 66-Jährige.

Es war im November 2009, auf der Trauerfeier nach dem Suizid des Nationaltorwarts Robert Enke, als der Präsident des Deutschen Fußball Bundes DFB zum gefühlten Seelentröster der Nation aufstieg.

Diese öffentliche Wertschätzung behagt dem Mann aus Altendiez am Westerwald. Zwanziger sah sich stets in der Tradition seines Vor-Vorgängers Egidius Braun, der ob seines dem Menschen zugewandten, leicht onkelhaften Stils gern „Pater Braun“ genannt wurde. Es war durchaus liebevoll gemeint. Auch Zwanziger, seit  2006 als Nachfolger des eher schneidigen Gerhard Mayer-Vorfelder im Amt des DFB-Präsidenten, punktete mit seiner öffentlich betont ruhigen Art, in der er im staatstragend-pastoralen Tonfall gegen jeden gesellschaftlichen Missstand seine Stimme erhob. Egal, ob Homophobie,  Depression, Intoleranz, Fremdenfeindlichkeit oder Rassismus – Zwanziger ist stets mittenmang, um das „Kartell der Tabuisierer und Schweiger“ zu zerschlagen, wie er auf der Enke-Trauerfeier forderte.

Mit schnellen Thesen eine Debatte entfacht

Auch nach dem Suizidversuch des Bundesliga-Schiedsrichters Babak Rafati war wieder einmal niemand schneller  – und niemand deutlicher als Theo Zwanziger. Vier Stunden nach dem Vorfall saß Zwanziger in den Katakomben des Kölner Stadions. Es sollte neben echter Bestürzung und Empathie wohl auch Entschlossenheit und Handlungskraft suggerieren. Es wurde ein wunderlicher Auftritt. Er halte es für unangemessen, so Zwanziger, nun  über die Motive des Suizidversuchs zu spekulieren – um sofort über den „hohen Druck im Schiedsrichterwesen, im Leistungssport allgemein“ zu fabulieren. „Wir schaffen es einfach nicht, das Ganze in eine richtige Balance zu bringen.“

Es blieb zwar unklar, wer „wir“ sind und was „das Ganze“ beinhaltet – aber die These stand im Raum. die Debatte war eröffnet. Egal, ob das Motiv Rafatis am Ende, wie vermutet, im Privatbereich liegt oder doch im Fußball begründet ist – Zwanziger zumindest vermittelte wieder einmal das Gefühl, die Mechanismen des Profisports neu erfinden zu müssen. Und im Zweifel auch zu können.

Fall Amerell/Kempter beschäftigt längst die Gerichte

Dabei hat der 66-Jährige seit längerem alles andere als eine glückliche Hand im Management der diversen Krisen, die insbesondere das Schiedsrichterwesen betreffen. In der Affäre um die intime Beziehung des jungen Schiedsrichters Michael Kempter zum damaligen Obmann Manfred Amerell schlug sich Zwanziger vorbehaltlos wie vorschnell auf die Seite Kempters. Eine Schwarz-Weiß-Einschätzung, die der Jurist später revidieren musste; der Fall Amerell/Kempter beschäftigt längst die Gerichte, zudem überwarf sich Zwanziger in dieser Causa mit seinem Vize Rainer Koch. Es knirscht hörbar im Gebälk des Verbands. 

Als der Spiegel“ jüngst über die Ermittlungen der Steuerbehörden gegen insgesamt 70 ehemalige und aktuelle Schiedsrichter berichtete, die sich die Prämien des Weltverbandes Fifa auf Auslandskonten überweisen ließen, um so der Steuer zu entgehen, brauchte es nicht lange, ehe Zwanziger seine Haltung entwickelt hatte. So groß wäre die Sache nicht, versicherte der DFB-Präsident nach Befragung der Unparteiischen durchaus gelassen. Dabei gestand er zugleich, die Akten der Behörden nicht zu kennen – für einen Volljuristen ein durchaus erstaunlicher Vorgriff auf die Ermittlungsarbeit der staatlichen Stellen.

Und nun also der Fall Rafati , in dem Zwanziger wieder vor allen anderen wissen wollte, was nun zu tun sei. Was davon am Ende übrig bleibt, ist dann ohnehin eine andere Frage. Und zudem nicht so öffentlichkeitswirksam. Der frühere St.-Pauli-Profi Andreas Biermann, der sich unmittelbar nach dem Enke-Tod öffentlich zu seinen Depressionen und einem Suizidversuch  bekannte, sagte Anfang 2011 zum Umgang des DFB:  „Ich wurde mit kompletter Ignoranz behandelt. Bis heute hat sich niemand bei mir gemeldet.“

Dirk Graalmann



Kommentare
22.11.2011
14:17
Zwanziger
von heidimaus | #8

Ob Herr Zwanziger bei dem Interview eine gute oder weniger gute Figur abgibt ist doch völlig egal.
Für dieses Interview, kurz nach dem Suizidversuch von Rafati gegeben, stand er doch ganz offensichtlich unter einer großen Betroffenheit. Ihm das hier vorzuhalten ist völlig absurd. Man kann ihm vieles vorwerfen, aber nicht dieses Interview.
Für mich sind die Medien, ob elektronische oder Printmedien mit dieser ganzen impertinenten Berichterstattung, nicht ohne Schuld an dem Dilemma, in dem die Schiedsrichter stecken. Da wird eine 1/1000 Sekunde zu Rate gezogen, um ein eventuelles Abseits dem Schiedsrichter anlasten zu können. Da sitzen diese sogenannten „ Experten“ ( aus Film u. Fernsehen) anderntags zusammen und suchen bei einem Herrn W . ,Moderator bei Sport1 , per extremer Zeitlupe nach weiteren Fehlleistungen, die selbstverständlich nur der Schiri zu verantworten hat. Und wenn nichts nachzuweisen ist,( weil auch nichts war!!) wie in dem Fall Götze, wo ein Moderator der seichtesten Unterhaltungskost ein Handspiel gesehen haben will und ein Wontara begierig darauf anspringt, statt ihm gehörig auf die Finger zu klopfen, frage ich mich jedenfalls, was ein Herr Dr. Zwanziger dafür kann, dass die Schiedsrichter in der Beurteilung ihrer Wahrnehmungen eines „ Vergehens“ so im Blickpunkt stehen.

Moderatoren und Journalisten, die sich mit dem Thema Sport befassen, sollten vorher gut überlegen und vor allen Dingen auch mal selbst recherchieren, als ungefiltert alles zu übernehmen, was der Boulevard vorgibt. Und diese subjektive Beurteilung der einzelnen Spieler und des Schiedsrichters mit Schulnoten sollte ganz wegfallen.
Glück auf!

1 Antwort
Rolle fragwürdig
von micha005 | #8-1

Liebe heidimaus,
ich sehe die Sache anders.
1. die Rolle der Medien: Es muss Journalisten und auch "Herrn W." gestattet sein, auf Fehlentscheidungen hinzuweisen. Jeder Mensch weiß, dass Schiedsrichter einen schwierigen, mitunter nicht fehlerfrei zu leistenden Job machen. Trotzdem darf man auf Fehlentscheidungen hinweisen. Warum auch nicht?
2. Die Rolle des DFB-Präsidenten: Das sehe ich, gerade bei dieser Pressekonferenz, ganz anders. Natürlich, er war bestürzt. Das will ich ihm auch nicht absprechen. Trotzdem: Es waren Stunden vergangen, nachdem er von dem Suizidversuch erfahren hatte. Genug Zeit, mit der PR-Maschinerie des größten Sport-Einzelverbandes der Welt, eine entsprechende Medienstrategie abzusprechen. Und was maßt er sich dann an? Setzt sich vor die Presse und gibt Details der Tat preis! Ungeheuerlich!!! Es geht, besonders während der Ermittlungen, niemanden (außer Polizei, Angehörigen, Ermittlern, etc.) etwas an, ob das Opfer in der Badewanne saß und blutüberströmt war, ob es einen geheimnisvollen Notizzettel gibt usw. Wenn überhaupt, wäre es Sache der Behörden oder der Familie, diese Sachen zu veröffentlichen. Aber sicher nicht die Sache eines Verbandsfunktionärs!!!
Ich teile die Einschätzungen von Herrn Graalmann. Es war nicht das erste Mal, dass der DFB-Präsident eine schlechte Figur macht (Amerell, Hoyzer usw.), aber - für mich - die schlechteste, die ich seit langem mitbekommen habe!

22.11.2011
13:13
Peinlichkeit trifft Peinlichkeit
von dummmberger | #7

Was wollen Sie eigentlich sagen?
Was ist das für ein Sammelsurium von Gedanken? Die Steueraffäre war nun eindeutig nicht der Grund, warum also sollte man in dem Zusammenhang darüber schreiben?
Steigende Kriminalität nach Öffnung der Grenzen? Was hat das mit dem Fall zu tun?

Bitte nochmal sortieren.

2 Antworten
Ist dieses nicht ein wenig kulant der Naivität wegen ???
von Steiniger_Weg | #7-1

Er wurde als schlechterster Schiri gewählt, von der Steueraffäre sind Schiris betroffen, die nicht nur in Deutschland - sondern auch viele Freundschaftspiele im Ausland gepfiffen haben. .....

Ist dieses nicht ein wenig kulant der Naivität wegen ???
von dummmberger | #7-2

???????????????????????

22.11.2011
12:40
Peinlichkeit trifft Peinlichkeit
von Steiniger_Weg | #6

Liebe Leser, nachdem ich vom Suizid-Versuch von Babak R. erfahren hatte meinte ich den Grund sofort zu Wissen. Mein erster Gedanke war die Steueraffäre der deutschen Schiedsrichter. Das wird nicht nur bei mir der Fall gewesen sein. Zur meiner Überraschung las ich davon nichts. Obwohl doch ein eindeutiges Motiv?! Zwanni redet alles schön, er sollte wesentlich resuluter zu Werke gehen. Ein Weichei? Sicherlich!

Redet einer von der steigenden Kriminalität nach der Öffnung der Grenzen? Es gibt klare Hinweise, doch immer schön unter dem Teppich!

Wir wählen den schlechtestens Schiedsrichter! Wir? Die Spieler! Wählen wir auch den schlechtesten Torhüter, den größten Chancentod, den Brutalsten, den Linkesten??

Nene, fair ist anders!

Welchen Schaupielern ist der Schiedsrichter ausgesetzt: Der Ball geht ins Seitenaus, 22 Spieler + Trainer und Betreuer reklamieren die Entscheidung für sich. Die Peinlichkeit mancher Spieler hat keinerlei Grenzen. Arm hoch, Gesicht festhalten obwohl sie gar nicht getroffen wurden. Die einstudierten Fallsituationen der Profis sind schon schauspielerische Leistungen.

Wir sehen dann bei sky nach 12 Wiederholungen, eine Fehlantscheidung. Im Stadion gröhlt das Volk gegen den Schiedsrichter. Hat sich da schon einmal ein Fan gefragt was er aus 100 Meter Entfernung gesehen hat. Ein hoher Prozentsatz der Spieler versucht den Schiri zu täuschen.

Sonntag im Doppelpass, Gastgeber Herr Wontorra, " Das muss der Schiri doch gesehen haben" , NEIN, das geht nicht! Keiner von den 23 Akteuren seht dermaßen unter Dauerdruck. Spieler können abtauchen, um die nächste Täuschung vorzubereiten.

Noch einmal: Schiris wollen teilhaben am Wohlstand der Profis.

22.11.2011
12:15
dieser sogenannte
von butcher99 | #5

Herr hat bisher zu keinem Thema eine gute "Figur" abgegeben. Das ist aber typisch für inhaltslose Dampfplauderei.

22.11.2011
10:39
Zwanziger einfach nur peinlich
von Nanor | #4

Ich fand die PK nicht nur peinlich, sondern auch unverantwortlich. Wer hat Herrn Zwanziger eigentlich das Recht gegeben, über rein private Angelegenheiten des Rafati öffentlich zu plaudern? Zudem halte ich die Art und Weise groß und breit über Suizide zu diskutieren mehr als fraglich. Es ist nämlich keine heroische Tat, sondern oft diffusen Motiven von Verzweiflung bis hin zu gekränkter Selbstherrlichkeit oder krankhafter Depression geschuldet. Das sind allesamt private Angelegenheiten und haben in einer öffentlichen Diskussion nicht zu suchen, es sei denn, die direkt Betroffenen meinen darüber öffentlich reden zu müssen. Selbst dann interessiert es mich nicht! Ich will nicht andauernd mit dem privaten Müll von angeblich "öffentlichen" Personen zugemüllt werden. Es gibt wahrlich wichtigeres in dieser Welt!

22.11.2011
10:28
.
von ollig | #3

Falscher Fuffziger!

22.11.2011
08:46
PK
von Erbeck1 | #2

Ich fand die PK in Köln nach wie vor nicht so Kritikwürdig wie hier bewertet . Es war sehr kurz nach dem Vorfall und da ist nicht jedes Wort in seiner Tragweite so 100-tig abgewogen . Herr Graalmann pflückt das doch nur auseinander und will bereits im Vorfeld negativ berichten . Die Betroffenheit von Dr. Zwanziger war spürbar und für eine endgültige Bewertung sollte man ihm auch etwas Zeit lassen . Der Journalist will aber umgehende Stellungnahmen haben , damit er sie später zerpflücken kann - das ist miser Stil !

22.11.2011
08:16
.
von hoert_hoert | #1

Theo Zwanziger macht bei nichts eine gute Figur, sei es bei den Hoffenheimer Klangfestspielen oder bei dem peinlichen Ultra-Aktionismus. Aussitzen oder blinder Aktionismus. Dazwischen gibt es nichts!

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