Zurück im Sportlerleben

Oberhof..  Um 15.39 Uhr hatte Tina Bachmann es geschafft. Zwei Jahre nach ihrem letzten Auftritt im Weltcup schob sich die hochgewachsene Frau aus dem Erzgebirge über den Zielstrich. Nach 7,5 Sprint-Kilometern, die sie in gut 25 Minuten zurückgelegt, dabei sieben von zehn Schüssen ins Schwarze gesetzt und beim Sieg der Tschechin Veronika Vitkova mit Startnummer 88 im 98er-Feld am Ende Rang 47 belegt hatte. Doch all diese Zahlen waren nebensächlich an diesem windigen Nachmittag. Vor allem für die zweimalige Staffelweltmeisterin Tina Bachmann – die heilfroh war, sich überhaupt wieder unter die besten Skijäger auf diesem Globus gemischt zu haben.

27 Stunden zuvor stand die 28-Jährige dick eingepackt im neuen, gut beheizten Multifunktionsgebäude am Rennsteig. Auf dem Kopf trug sie eine Wollpudelmütze, der weiße Schal lag fest verschlungen um ihren Hals. Trotz der Wärme. Es sah aus, als wolle sich Tina Bachmann vor der Welt verstecken. In Wirklichkeit aber ist es so, dass sie sich gerade wieder herauswagt auf die großen Bühnen ihres Sports.

Dass sie es auf dem Weg dorthin aus dem tiefsten Loch in ihrer Karriere geschafft hat, dabei half der WM-Zweiten im Einzel von 2011 eine gehörige Portion Trotz. „So, wie ich vor zwei Jahren von der Biathlonbühne abgetreten bin, wollte ich meine Karriere nicht beenden. Ich habe mir gesagt: ‚Da ist noch etwas‘“, blickt Bachmann zurück. Zu Beginn des vorletzten Winters waren ihre Leistungen in den Keller gesackt, im Januar 2013 flog die ehrgeizige, zu Übertraining neigende Athletin aus dem Weltcup-Team. „Danach hat es noch ein halbes Jahr gedauert, bis mir klar geworden ist, was eigentlich los war.“

Bachmann hatte Probleme mit der Schilddrüse, kämpfte mit Burn-out-Symtomen. Ende Januar 2014 ging sie für drei Monate in eine Klinik. Sie habe erkannt, wie wichtig es ist, die Zeichen ernst zu nehmen, die der eigene Körper aussendet. Nun gehe es ihr gut, erzählt die gebürtige Schmiedebergerin – und betont: „Ich bin stolz auf die Entwicklung, die ich in den letzten elfeinhalb Monaten genommen habe.“ In den elfeinhalb Monaten, seit die ausgebrannte Sportlerin entschied, sich in professionelle Behandlung zu begeben.

„In den drei Monaten in der Klinik habe ich wirklich an mir gearbeitet. Ich habe gelernt, Dinge zu erkennen und gegenzusteuern“, betont Bachmann, die am Freitag in ihr zweites Leben als Leistungssportlerin gestartet ist. „Ich bin sehr dankbar, wieder dabei zu sein. Ich erlebe jetzt alles viel tiefer und bewusster als früher“, sagt die Frau, die schon als Dreijährige mit dem Skilaufen begann – und aus ihrem Dasein in der Biathlon-Spitze gelernt hat: „Ich habe dem Ganzen zu viel Raum gegeben.“

Im Alltag sucht Tina Bachmann, die sich ihre Rückkehr ins Weltcup-Team durch – trotz starker Leistungsschwankungen – das eine oder andere gute Resultat im zweitklassigen IBU-Cup verdiente, inzwischen gezielt nach Menschen, die mit der Skijägerei nichts am Hut und ganz andere Sorgen haben als sie. „Es ist nur Sport. Und es gibt Menschen, denen geht es viel schlechter“, hämmert sie sich stets ein – und äußerte nach ihrem Comeback nun recht bescheidene, aber dennoch eindeutige Pläne.

„Ich war vorher so nervös – als wäre es mein allererstes Rennen. Aber ich mach‘ auf jeden Fall weiter. Und für mich ist klar das Ziel, dass ich weiter im Weltcup laufe“, betonte Tina Bachmann. Ob dieser Wunsch definitiv in Erfüllung geht, wollte ihr Cheftrainer Gerald Hönig nach dem Oberhofer Sprint allerdings nicht versprechen.