Zu starr

Drei der in diesem Winter bislang ausgetragenen vier Rennen im Intercontinental-Cup gewann Jacqueline Lölling. Einzig der Auftakt misslang der Siegerländerin - mit Platz zwei. Kurzum: Die 19-Jährige dominiert die zweite Liga im Skeleton. Nun holte sich die Athletin der RSG Hochsauerland auf ihrer Heimbahn in Winterberg auch noch den Titel bei der deutschen Meisterschaft.

Im Weltcup starten darf sie dennoch nicht. Und an der Heim-WM an der Kappe darf sie nur teilnehmen, wenn sie bei der Juniorinnen-WM in Altenberg Ende Januar ihren Titel verteidigt.

Komisch? Komisch.

Lölling leidet derzeit unter dem missratenen Auftritt der deutschen Skeletonis bei den Olympischen Spielen in Sotschi. Denn anschließend reformierte der Bob- und Schlittenverband für Deutschland seine Nominierungskriterien und führte unter anderem eine Startnorm ein, welche Athleten zwingend erfüllen müssen, wenn sie im Weltcup starten möchten.

Sinn macht diese Startnorm. Wer zu Beginn der Hatz durch den Eiskanal nicht schon wertvolle Hundertstel gegenüber der Konkurrenz verliert, besitzt die besten Chancen auf einen Podestplatz und damit auf Medaillen bei Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen. Besonders darauf, auf Edelmetall in Pyeongchang 2018, haben es die deutschen Trainer und Verantwortlichen abgesehen. Außerdem nahmen sie der Nominierungspraxis den faden Beigeschmack der Vetternwirtschaft.

Jacqueline Lölling erfüllte die Startnorm bislang nicht. Ebenso wie dies Alexander Gassner vom BSC Winterberg nicht gelang. Den Titel bei der deutschen Meisterschaft holten beide dennoch. Denn sie kompensierten ihren langsameren Start mit brillanten Fahrleistungen in der Eisrinne.

So sinnvoll und langfristig gedacht die zwingende Erfüllung der Startnorm ist, so unverständlich ist die offensichtlich nicht vorhandene Möglichkeit, vereinzelt Ausnahmen zu gestatten. Weder bei den Damen noch bei den Herren zeigten alle drei deutschen Weltcup-Starter bislang so überragende Leistungen, dass ein Wechsel auf Position drei unvorstellbar wäre.

Besonders Jacqueline Lölling verdient eine Nominierung in die deutsche Weltcup-Mannschaft. Zumal sie mit ihren 19 Jahren zu den Talenten gehört, die es mit Blick auf die Zukunft zu fördern gilt.