Wolfsburg schockiert Bayern mit 4:1

Wolfsburg..  Bevor es um die profanen Dinge des Bundesligabetriebs ging, stand zunächst das Gedenken an Junior Malanda im Mittelpunkt. Der Belgier war vor drei Wochen bei einem Verkehrsunfall tödlich verunglückt, und weil er ein besonders lebensfroher Mensch war, wie sie in Wolfsburg sagen, sollte ihm auch auf eine besondere Weise gedacht werden. Vielleicht sogar so, wie er sich das gewünscht hätte. Statt zu schweigen klatschten die Zuschauer kurz vor dem Anpfiff genauso wie die Spieler eine Minute lang für Malanda, erst dann wurde ihm kurz still gedacht. Es war ein außergewöhnlicher Moment.

Anschließend geriet der Rückrundenauftakt auch sportlich besonders: Mit 4:1 (2:0) gewann der VfL Wolfsburg das spektakuläre Spitzenspiel am Freitagabend gegen den FC Bayern – das war die erste Niederlage in dieser Saison für die Münchener, die in der gesamten Hinrunde nur vier Gegentore kassiert hatten und nun vier an einem Abend einstecken mussten.

Die ersten beiden Treffer erzielte Bas Dost (4./45.+2), Kevin De Bruyne erhöhte kurz nach dem Wechsel gar auf 3:0 (53.), ehe Juan Bernat verkürzte (55.) und erneut De Brunye traf (73.). Was für ein Spiel des VfL an einem Tag, an dem auch noch bekannt wurde, dass für den Transfer von André Schürrle vom FC Chelsea nur noch Details geklärt werden müssen – es geht offenbar vor allem um die genaue Höhe der Ablösesumme. Der Weltmeister und der VfL sind sich längst einig.

„Wir haben heute die Gunst der Stunde genutzt“, sagte der hocherfreute VfL-Geschäftsführer Klaus Allofs nach dem 4:1-Triumph. „Es ist uns gelungen, in den richtigen Momenten die Tore zu erzielen.“

Das Spiel begann schon so, wie es sich die Wolfsburger gewünscht hatten. Nicht verkrampft oder gehemmt durch Malandas Schicksalsschlag, sondern nach vorne orientiert, mit Mut und Zuversicht. Und gleich die erste Aktion, die sich dafür anbot, nutzte die Mannschaft von Trainer Dieter Hecking in fast schon meisterhafter Ausführung. Maximilian Arnold eröffnete den Konter, und Dost schob am Ende mit Bedacht und Präzision gegen die Laufrichtung von Nationaltorwart Manuel Neuer ein. Ein Tor nach einem Gegenzug wie gemalt für all jene Optimisten, die im Titelrennen doch noch auf ein Fünkchen Spannung hoffen.

Die Münchener kamen nicht richtig in Tritt, die Pausenführung des VfL war verdient. Bas Dost hatte mit einem Traumtor kurz vor dem Halbzeitpfiff auf 2:0 erhöht.

Auch Bundestrainer Joachim Löw bewunderte auf der Tribüne den bemerkenswerten Auftritt des Tabellenzweiten gegen den Ersten. „Die Bayern haben ihren Rhythmus nicht gefunden, aber Wolfsburg macht es auch gut“, befand Löw in der Pause und fragte: „Wenn nicht Wolfsburg, wer dann?“

Bayern-Trainer Pep Guardiola war der Unmut deutlich anzumerken. Immer häufiger tigerte der 44-Jährige durch seine Coachingzone und versuchte, seine Elf zu ordnen. Doch auch der Katalane konnte die erste Saisonniederlage nicht verhindern. „Wir müssen uns alle an die eigene Nase fassen“, sagte Bayerns Nationalspieler Jerome Boateng selbstkritisch. „Vielleicht war es der richtige Zeitpunkt, um wieder wach zu werden.“ Am nächsten Dienstag müsse das Team „direkt antworten“. Dann heißt der Gegner in München Schalke 04.