Willi & Jule

Willi Kronhardt von Energie Cottbus war unter den Fußballern DER Pionier in Sachen Liebesbotschaften. Im DFB-Pokal-Halbfinale 1997 war es, als er gegen Karlsruhe das entscheidende Tor erzielte, sein Trikot lüftete und ein T-Shirt präsentierte, auf dem in großen Lettern „Jule“ stand. In den folgenden Tagen und Wochen waren die Zeitungen voll von romantischen Geschichten über den Kicker und seine Angebetete.

Die Aktion Kronhardts fand schnell Nachahmer auf der ganzen Welt. Neben Liebesschwüren trugen die Fußballer aber schon bald auch religiöse, politische oder kommerzielle Aussagen spazieren. Und zwar so lange, bis sich die FIFA irgendwann genötigt sah, diese Botschaften zu untersagen.

Auch deswegen hat sich unter den Profis inzwischen die Mode durchgesetzt, die Namen von Kindern, Frauen, Freundinnen, dem Schoßhund oder wem auch immer auf den Schuhen zu tragen. So wie es Bastian Schweinsteiger macht, auf dessen Treter neuerdings eine serbische Fahne sowie der Schriftzug „dušo“ aufgenäht sind. Das ist serbisch, bedeutet Liebling und ist ein Gruß an Tennis-Spielerin Ana Ivanovic, seine neue Freundin.

Übrigens: Während die modernen Spielerfrauen vermutlich schwer beleidigt sind, wenn ihre Namen nicht auf den Schuhen des Gatten verewigt sind, soll Jule damals alles andere als begeistert gewesen sein vom textilen Gruß Willi Kronhardts, weshalb sie ihn auch schon bald vor die Tür setzte. Hoffen wir, dass unserem Schweini dieses Schicksal erspart bleibt.