Wie sich Abraham in Szene setzt

Berlin..  Den Satz des Tages sprach Ulli Wegner. „Ich habe keinen Plan B, ich bin froh, wenn ich einen Plan A habe“, sagte der 72 Jahre alte Trainer-Routinier mit Blick auf die anstehende freiwillige Titelverteidigung von WBO-Weltmeister Arthur Abraham gegen den Engländer Paul Smith. Dabei wird das Duell der Supermittelgewichtler am Samstag in Berlin von Abrahams Arbeitgeber Team Sauerland und dessen neuem TV-Partner Sat.1 (ab 22.30 Uhr auf Sendung) als Aufbruch in eine neue Box-Ära angekündigt.

Allen Beteuerungen zum Trotz basiert die neue Ära derzeit noch auf lediglich einem „alten“ Boxer – eben auf Abraham, der einen Tag vor dem Kampf 35 Jahre alt geworden ist. Nur „König Arthur“ taugt momentan zur Frontfigur in einem Boxstall, in dem mit Jürgen Brähmer und Yoan Pablo Hernandez zwar zwei weitere boxerisch ausgezeichnete Champions unter Vertrag stehen, denen aber die Ausstrahlung eines Abrahams fehlt.

Die zweite Auflage des Kampfes

Und so verwundert auch nicht, dass Trainer Wegner beim obligatorischen Ballyhoo vor einem Titelkampf fast schon beschwörend hinzufügte: „Der Ring ist Arthurs roter Teppich. Arthur trägt eine Verantwortung – da muss er jetzt durch. Arthur muss siegen.“

Und nicht nur das, er muss auch populärer werden. Dafür ließ er sich vor dem anstehenden Kampf in einem Foto-Shooting sogar mit Stacheldraht umwickeln, ließ sich Wunden aufschminken und als Kämpfer portraitieren, der den Schmerz besiegen kann.

Dazu ist Abraham gegen Smith nicht nur ein richtungsweisender Kampf, er ist auch eine jener Merkwürdigkeiten, die es im Profiboxen gibt. Das erste Duell, am 27. September 2014 in Kiel, hatte der 32-jährige Smith verloren. Die britische Seite sah das anders. Und schon nach überraschend kurzer Zeit waren sich alle über die Zweitauflage einig. Einzig vernünftige Begründung: Eine Zweitauflage ist für alle Seiten finanziell interessant, das Motto „Tag der Abrechnung“ taugt zum Einstieg von Sat.1, und Smith wird als zwar präsentabel, aber zugleich als verhältnismäßig ungefährlich angesehen. Nur so macht die Revanche mit Blick auf die Zukunft auch einen Sinn.

Denn bei den Münchner Fernsehschaffenden und dem Berliner Boxstall liegen Pläne in der Schublade, die mittelfristig tatsächlich in eine neu Ära führen können. Sat.1-Sportchef Alexander Rösner beschrieb den Weg dahin. „Es ist uns gelungen, neben der Zusammenarbeit mit dem Sauerland-Team auch noch mit dem Magdeburger SES Stall (dort steht Abrahams Pflichtherausforderer Robert Stieglitz unter Vertrag, d. Red.) und mit den Amerikanern von K2 zu kooperieren.“ Für K2, also der Firma der Klitschko-Brüder, boxt beispielsweise auch der Russe Gennady Golovkin. Dessen WM-Kampf am Samstag in Monte Carlo werden die Sat.1-Zuschauer live im Anschluss an Abraham-Smith sehen können.

Robert Stieglitz wartet schon

Für Kalle Sauerland, Sohn von Teamchef Wilfried Sauerland, ist der neue Fernseh-Sender eine willkommene Herausforderung. „Wir haben in Deutschland 13 Boxer unter Vertrag, in England sind es zwei, dazu kommen 15 bis 20 in Skandinavien. Boxen ist eine spektakuläre Sportart, Boxen ist eine gute Show und beidem wollen wir gerecht werden“, so der 37-Jährige.

Das Ressort Spektakel fällt zu Beginn Abraham zu. Und, ganz Medienprofi, wählte der Titelverteidiger seine Worte klar und eindeutig: „Ich bin nur für die guten Leistungen im Ring zuständig. Die werde ich bringen, dieses Mal wird es brutal.“ Eine erfolgreiche Titelverteidigung von Abraham vorausgesetzt, steht die Pflichtverteidigung des Titels gegen Robert Stieglitz, 33, aus Magdeburg an. Es wäre bereits das vierte Aufeinandertreffen der beiden Profis.