Wie Bundestrainer Joachim Löw über Weihnachten denkt
23.12.2011 | 23:50 Uhr 2011-12-23T23:50:18+0100
Frankfurt. Im Interview mit DerWesten spricht Bundestrainer Joachim Löw über Egoismus, Bescheidenheit, Respekt, Dauerdruck, die eigene Schwäche – und Weihnachten. "Das bedeutet für mich: ein wenig Ruhe, Familie, die Tradition", sagte Löw.
Die Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes in Frankfurt. Joachim Löw fährt mit dem Taxi vor. Es wird ein Stresstag für den Bundestrainer werden. Es soll der letzte Stresstag in diesem Jahr für ihn sein. Fernsehsender, Radiosender, Zeitungen. Alle wollen sie etwas von Löw. Deshalb wird dieses Gespräch mit einer Ermahnung von Nationalelf-Sprecher Harald Stenger enden: „Ich weiß, dass der Jogi noch gerne weiter reden würde. Aber die Zeit drängt.“
Sie waren Messdiener, Herr Löw. Was bedeutet Ihnen heute Weihnachten?
Joachim Löw: Weihnachten bedeutet für mich: ein wenig Ruhe, Familie, die Tradition.
Gehen Sie in die Kirche?
Löw: Ja. An Heiligabend ja. Wir gehen an Weihnachten gerne mit der Familie in die Kirche.
Sie haben die Ruhe betont. Ist es am Heiligen Abend ruhig bei Ihnen zu Hause?
Löw: Ein Großteil der Familie wird da sein. Dieser private Kreis bedeutet für mich Ruhe.
Fragt Sie denn niemand, wie es um die Nationalelf steht?
Löw: Nein, das Thema ist dann relativ außen vor.
Um Sie auf die Mannschaft anzusprechen: Ist das Kommunizieren, ist die Fähigkeit zur Kommunikation ein Auswahlkriterium für Sie?
Löw: Es ist auch ein Auswahlkriterium. Als Trainer fragt man sich ja auch: Wie verhalten sich Spieler innerhalb eines Teams? Eine Mannschaftszusammensetzung ist heutzutage vielleicht viel wichtiger als je zuvor. Und für das Team gibt es natürlich gewisse Werte, die zu beachten sind. Respekt. Toleranz. Disziplin. Verlässlichkeit. Seriosität. Bescheidenheit. Konzentrationsfähigkeit.
Lassen Sie Ausnahmen zu, wenn die fußballerische Klasse stimmt?
Löw: Natürlich ist in erster Linie entscheidend: Können die Spieler das umsetzen, was der Trainer will? Aber gerade, wenn es in die Richtung eines Turniers wie der Europameisterschaft geht, dann fragt man sich auch: Welche Spieler können Energie geben? Welche Spieler sind frusttolerant, wenn sie mal nicht spielen? Welche Spieler können Konkurrenzkampf fördern, welche ihm standhalten? Und: Welche Spieler sind vielleicht von zu viel Egoismus geprägt? All das ist sehr wichtig. Besonders, wenn 60 bis 70 Menschen acht Wochen lang auf einem sehr engem Raum zusammen sind.
Wie viel Egoismus verträgt ein Team?
Löw: Das ist schwer zu beantworten. Das hängt von der individuellen Klasse ab.
Also muss der Egoist richtig gut sein.
Löw: Selbstverständlich. Als Trainer muss man aber auch erkennen: Wann überwiegt der Egoismus und wo sind die Grenzen? Teamgeist steht für mich über allem.

12:04
wen interessiert eigentlich dieses geseiere ???
14:25
Wenn der Bundestrainer in seinen Auswahlkriterien den Begriffen Respekt und Disziplin eine solch große Gewichtung zuspricht, stellt sich doch die Frage, warum Lukas Podolski nach der Ohrfeige an Michael Ballack noch in der Nationalmannschaft spielt!