Werksklub mit Lieferproblemen

Leverkusen..  Die Zweifel wachsen, die Qualität ist stark schwankend, der Druck nimmt zu: Bayer 04 Leverkusen ist in Gefahr, aus der Spur zu geraten. Das Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg wird zur Nagelprobe, ob das Ziel Champions League in dieser Saison wieder erreicht werden kann. „Wir sind extrem motiviert und in der Lage, mit einer Topleistung Wolfsburg zu Hause zu schlagen“, sagte der Bayer-Trainer Roger Schmidt.

Die Leverkusener sind in der englischen Woche zum Auftakt der Bundesliga-Rückrunde vom dritten auf den sechsten Platz abgesackt, von den fünf hinter Bayern München liegenden Teams holten sie zusammen mit Schalke die wenigsten Punkte. In fast allen statistischen Werten war Bayer vor einem Jahr mit Trainer Sami Hyypiä besser. Allerdings folgte dann der krasse Einbruch, der in dieser Rückrunde auf keinen Fall eintreten soll.

Viel Fußballwirbel um Nichts

Nach dem Fehlpassfestival beim 0:0 gegen Dortmund, dem 1:0 bei Hertha BSC wurde das ernüchternde 1:2 gegen Bremen am Sonntag zum Augenöffner. Die Mannschaft arbeitet engagiert, aber wegen chronischer Kopflosigkeit bleiben alle offensiven Bemühungen brotlose Kunst. „Wir schießen einfach viel zu wenige Tore, gerade mal zwei in den letzten drei Spielen“, murrte Sportdirektor Rudi Völler zu Wochenanfang. „Es wird Zeit, dass wir unser Spiel in Toren ausdrücken“, erklärte Schmidt am Freitag bei der Pressekonferenz.

Ohne oder mit zu wenigen Toren sind Punkte schwerlich zu holen, um einen der vier Plätze für die Champions League zu holen. Der zunächst spektakulär wirkende Schmidt-Fußball verkommt so zu einer Art Wirbel um Nichts. Zwar spricht der Coach gerne von der Entwicklung, die seine Mannschaft ständig weiterbringe. Aber die Spielweise mit dem kraftraubenden Power-Pressing wirkt meist nur hektisch.

Und am Karnevalssamstag um 15.30 Uhr kommt ausgerechnet die Mannschaft der Stunde in die BayArena. Der VfL Wolfsburg schwingt sich zu der Rolle auf, die die Leverkusener selbst über Jahre einnahmen, nämlich hinter dem FC Bayern als die Nummer zwei des deutschen Fußballs zu gelten – mit dem Unterschied, dass es den „Wölfen“ 2009 gelang, sensationell Deutscher Meister zu werden.

Das Team des Volkswagen-Konzerns mit Trainer Dieter Hecking erlebt aktuell seine beste Phase. Seit acht Spielen sind die Niedersachsen ungeschlagen, mit dem 4:1 gegen die Bayern gelang ihnen ein weltweit beachteter Paukenschlag nach der Winterpause. Seit dem 10. Spieltag nimmt der VfL Platz zwei ein und weist vor dem 21. Spieltag acht Punkte mehr auf als zum gleichen Zeitpunkt seiner Meistersaison. Und Wolfsburg investiert auf dem Transfermarkt so viel, dass nur noch die Bayern mithalten könnten, wenn sie die gleichen Profis wollten. Im vorigen Jahr schnappte der VfL Kevin De Bruyne den Leverkusener vor der Nase weg, weil die VW-Bosse dem Klub finanzielle Mittel zugesteht, die der Bayer-Konzern seiner Fußball-Tochter nicht mehr bewilligt.

Mit elf Assists und acht Toren ist der 23-jährige De Bruyne der Top-Scorer in der Bundesliga und verkörpert nicht nur für den Kicker „Weltklasse“. Und zuletzt ließ Wolfsburg durch den Transfer von Andre Schürrle aufhorchen. 32 Millionen Euro wurden für den Ex-Leverkusener gezahlt, der dann beim 3:0 am vergangenen Samstag gegen Hoffenheim ein starkes Debüt mit zwei Torvorlagen auf den Rasen zauberte. Vor dem Duell spricht also vieles eindeutig für die Norddeutschen.