Wenn Fußball zur Nebensache wird

Berlin..  Simon Terodde kennt den Verein, der heutige Bochumer hat noch in der vergangenen Saison für Union Berlin gespielt. Auch er war ergriffen. „Da merkt man, dass der Fußball zur Nebensache wird. Das war ein Gänsehaut-Moment im Stadion. Ich glaube, dass das Benny auch viel Kraft gibt“, sagte der Angreifer nach einem Fußballspiel, das kein normales Spiel war. Bochum verlor es mit 1:2. Der Start in die Rückrunde der zweiten Liga war misslungen. Aber an diesem Tag wusste jeder, dass es deutlich wichtigere Dinge gibt im Leben.

Denn Union-Profi Benjamin Köhler konnte die Partie nicht bestreiten. Kürzlich wurde ein bösartiger Tumor im Lymphsystem festgestellt. Krebs. Er saß auf der Tribüne, als die Kollegen - in Wissenheit des Schiedsrichters - in der siebten Minute ihr Fußball-Spiel unterbrachen. Sie streiften sich Trikots mit Köhlers Nummer 7 über, die Zuschauer zeigten ein Transparent mit der Aufschrift: „7 - eine Zahl für Zuversicht und Glück“. Spieler, Trainer und das Betreuerteam entrollten am Ende ein Banner: „Eisern bleiben Benny“. Köhler konnte seine Tränen nicht verbergen. „Das Spiel war nicht ganz einfach für uns. Die Aktion war gelungen und notwendig. Wir wollten dies unbedingt so, damit Benny sieht, wie wir zu ihm stehen“, sagte Unions Vizekapitän Christopher Trimmel. Der Verein hatte direkt nach der Diagnose Köhlers Vertrag bis 2016 verlängert. „Wir sind vielleicht in der Tabelle nicht top“, sagt Trainer Norbert Düwel, „aber was hier zwischenmenschlich passiert, da sind wir Champions League.“

Sportlich lief es an diesem emotionalen Tag für die Gastgeber ebenfalls rund. Dabei war den Bochumern beim Debüt des neuen Trainers Gertjan Verbeek („Ich bin enttäuscht, weil wir nicht mehr in der Lage waren zu agieren“) die präzise Arbeit in der Vorbereitung durchaus anzusehen; das Positionsspiel stimmte, die Abwehr rückte weit auf und eroberte früh den Ball. Bochum dominierte die Partie lange. Das Konzept schien aufzugehen, als die Bochumer im Anschluss an eine Ecke Selim Gündüz freispielten und der 20-Jährige, dessen Stern nach zwei Kreuzbandrissen jetzt doch aufzugehen scheint, mit Augenmaß zum 1:0 für die Gäste traf. Es war das erste Zweitliga-Tor für den Nachwuchsmann.

Solidarität der Mitspieler

Doch die Freude währte nicht lang. Der eingewechselte Martin Kobylanski und Damir Kreilach drehten mit ihren Treffern ein Spiel, in dem die Sieger nicht wirklich überzeugten. Benjamin Köhler wird das nicht gestört haben, er freute sich nicht nur über die Solidarität seiner Mitspieler, sondern auch über drei Punkte.