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Trainingslager - Wenn die Bundesliga auf Reisen geht

01.01.2013 | 21:17 Uhr
Trainingslager - Wenn die Bundesliga auf Reisen geht
Schmucker Anblick: Das Trainingsgelände der Aspire Academy in Doha (Katar).Foto: dpa

Essen.   Alle 18 Erstliga-Klubs beziehen in diesen Tagen ihr Trainingslager in der Fremde. Bayern München und den FC Schalke 04 beispielsweise zieht es in die arabische Wüste nach Katar, fünf weitere Bundesligisten, darunter Meister Dortmund, residieren in Spanien.

Früher ist auch nicht immer alles glatt gegangen. Zum Beispiel auf Schalke, Mitte der 90-er Jahre: Da mussten die Königsblauen einmal ihr halbes Wintertrainingslager in der Lobby eines spanischen Hotels absolvieren, weil man auf den Rasenplätzen ebenso gut hätte Gummiboote zu Wasser lassen können – so sehr hatte es geregnet. Oder, ganz krass, das Abenteuer von Hansa Rostock im Januar 2008: Da hing der damalige Bundesligist drei Tage in Teheran fest, weil ein Schneesturm den Weiterflug nach Dubai verhinderte.

Es läuft eben nicht immer alles wie geschmiert, wenn die Bundesliga auf Reisen geht: Und trotzdem zieht es auch in diesem Winter alle 18 Klubs zum Trainingslager in den Süden.

Gladbach als Botschafter

In diesen Tagen schwärmen sie der Reihe nach aus: Sei es, um einfach nur unter vermeintlich besseren Wetterbedingungen die Vorbereitung auf die Rückrunde zu absolvieren. Sei es, weil sie eingeladen worden sind auf einen Trip in die Wüste. Oder sei es, weil sie in hoch offizieller Mission unterwegs sind: Borussia Mönchengladbach fliegt nämlich als Botschafter des deutschen Fußballs in die Vereinigten Arabischen Emirate und rührt in Dubai die Werbetrommel für die Bundesliga.

Angekurbelt werden soll damit die internationale Vermarktung der Liga. Für die Borussia laut Geschäftsführer Stephan Schippers eine „Freude“ und eine „Herausforderung“. Natürlich.

Vor einigen Jahren waren die Winter-Trainingslager etwas aus der Mode gekommen. Manche Trainer hielten es damals für ratsam, sich im Januar lieber in der Heimat vorzubereiten, notfalls auch auf Schnee und Eis – weil man ja schließlich zu Beginn der Rückrunde auch damit rechnen müsste.

Doch dieses Argument gilt spätestens als überholt, seit es überall Rasenheizungen gibt. Und wer trotzdem heute noch dem Trip in den Süden eher skeptisch gegenüber steht, der wird mehr oder weniger von der Masse mitgerissen. Der Mainzer Trainer Thomas Tuchel ist so einer. Eigentlich hält er die Vorbereitungsphase für zu kurz, um ein Trainingslager zu absolvieren – die Arbeit könne man genauso gut zu Hause erledigen. Dass seine Mainzer trotzdem nach Spanien fliegen, hat nur einen Grund: Zu Hause gibt es um diese Jahreszeit kaum Testspiel-Gegner – die sind nämlich alle ausgeflogen.

Der BVB reist wieder nach La Manga

Für gleich fünf Bundesligisten ist Spanien das gelobte Winter-Land – auch für Borussia Dortmund. Der Meister fliegt nach La Manga, wo schon im Vorjahr die Basis für eine grandiose Rückrunde gelegt wurde. Ebenfalls fünf Klubs zieht es ins türkische Belek, drei an die portugiesische Algarve. Der Rest nimmt ein paar Flugstunden mehr in Kauf und hat Tickets nach Dubai, Abu Dhabi oder Doha gelöst. Und manche Vereine treffen sich dann sogar mitten in der Wüste.

Die Reiseziele der Bundesligisten.

Wie Bayern München und Schalke 04, die wie im Vorjahr in Doha/ Katar zu Gast sind. Am 8. Januar bestreiten die beiden Bundesligisten in der Wüste sogar ein Testspiel gegeneinander. „Normalerweise“, sagt Bayerns Trainer Jupp Heynckes, „fliege ich nicht gerne fünf oder sechs Stunden ins Trainingslager. Aber Katar, das lohnt sich . Das Klima, das Hotel, das Essen, die Trainingsplätze – besser geht’s nicht.“

Schalke ist mit der „Aspire Academy for Sports Excellence“ sogar eine Partnerschaft eingegangen. Und natürlich gibt’s bei der Gelegenheit auch ein Wiedersehen mit Senor Raúl, der ja jetzt seine Brötchen in Katar verdient.

Die Kontrolle verloren

Katar ist ein schönes Land mit eigenen Sitten – Alkohol gibt es zum Beispiel nur wenig. Es ist also kaum damit zu rechnen, dass es so zugeht wie vor ein paar Jahren, als Borussia Mönchengladbach einmal in Spanien zu Gast war und der damalige Ersatztorwart Darius Kampa nach einem feuchtfröhlichen Abend die Kontrolle über sich verlor: Er torkelte ins Nachbarhotel, wo der VfL Bochum residierte, konnte in der Lobby nicht mehr an sich halten – und fiel dem damaligen Bochumer Trainer Peter Neururer in die Arme: „Du bist überhaupt der beste Trainer. Aber einen besoffenen Torwart kannst du wohl auch nicht gebrauchen?“

Es ist wahrlich nicht immer alles glatt gegangen. Dann, wenn die Bundesliga auf Reisen ging.

Manfred Hendriock

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2013-01-01 21:17
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