Weltmeisterlich zugeschlagen

Wolfsburg..  Mit dem geplanten 30-Millionen-Euro-Transfer von Weltmeister André Schürrle untermauert der VfL Wolfsburg seinen Angriff auf den FC Bayern. Für den teuersten Neuzugang der Klubgeschichte und die höchste Winter-Investition eines Fußball-Bundesligisten ignoriert die Volkswagen-Tochter sogar die laufenden Untersuchungen der Uefa-Finanzkon­trolleure. „Dass es toll wäre und wir uns bemüht haben, ist jetzt raus“, verkündete Sportchef Klaus Allofs am Freitag im ARD-Morgenmagazin zur bevorstehenden spektakulären Verpflichtung des 24-Jährigen vom FC Chelsea.

Vor dem Spitzenspiel des Tabellenzweiten gegen Spitzenreiter Bayern München zum Rückrundenauftakt am Freitagabend (Ergebnis stand bei Redaktionsschluss dieser Zeitungsausgabe nicht fest) gab es allerdings noch keinen endgültigen Vollzug. „Es gibt noch einige Klippen zu umfahren“, sagte Al­lofs und meinte wohl auch das Feilschen um die Ablöse, die nach Informationen der „Wolfsburger Allgemeinen Zeitung“ bei 32 Millionen Euro aus fixer Summe und Nachzahlungen liegen soll. Der Klub wollte dies weder bestätigen noch dementieren.

Nach Medienangaben soll der 24 Jahre alte Offensivspieler, der es seit 2013 in London nicht zur Stammkraft geschafft hatte, einen Vertrag bis 2019 erhalten. In jedem Fall wäre die Schürrle-Verpflichtung nach den gut 20 Millionen Euro, die Wolfsburg vor einem Jahr für Kevin De Bruyne ebenfalls an Chelsea überwies, der Rekordtransfer des Klubs, bei dem Geld dank des großzügigen Eigners VW offenbar nach wie vor keine Rolle spielt. „Wir müssen davon wegkommen, dass man beim VfL immer vom Geldausgeben spricht“, hatte Trainer Dieter Hecking kürzlich erst gesagt: „Die Mannschaft, die so zusammengestellt ist, ist gut und ausreichend, um unsere Ziele am Ende der Saison zu erreichen.“

Diese Sätze fielen auch vor dem Hintergrund der Fragen, die die Uefa hinsichtlich des Financial Fairplays an den VW-Klub hatte. Wegen des besonderen Modells in Wolfsburg war der VfL nach der Europacup-Rückkehr ins Visier der Kontrolleure der Europäischen Fußball-Union geraten. Wohl auch deshalb hatte sich der Tabellenzweite, der nur ein halbes Jahr vor der Verpflichtung De Bruynes noch gut 16 Millionen Euro für Bayerns Luiz Gustavo ausgegeben hatte, in dieser Saison bislang auf dem Transfermarkt zurückgehalten. Man müsse auch an Financial Fairplay denken, hatte Allofs im Sommer betont, als er auf neue Spieler angesprochen worden war. Die Ausgaben von rund acht Millionen Euro fielen da moderat aus.

Erst zum Wochenbeginn hatte Allofs weitere Millionen-Investitionen vom Ausgang der Uefa-Untersuchungen abhängig gemacht. „Ob wir das können, wird auch von den Statuten abhängen“, hatte Allofs dem „Kicker“ auf die Frage gesagt, wie ernsthaft ein Angriff auf den FC Bayern verfolgt werden könne.

Seit der aktuellen Saison gilt die Regel, dass Bilanz-Verluste für 2011/12 und 2012/13 gemeinsam nicht 45 Millionen Euro übersteigen dürfen. Dieses Limit gilt auch zusammengenommen für die vergangene und die laufende Saison. Von 2015 bis 2018 ist dann nur ein Verlust von 30 Millionen Euro erlaubt. Allein das Transferdefizit dürfte beim VfL in dieser Saison nach dem Schürrle-Transfer bei rund 35 Millionen Euro liegen.