Weltmeister enttäuscht

Kaiserslautern..  Es war etwas faul zuletzt im „Weltmeischterland”, das hat Joachim Löw ganz genau verspürt. Die „högschde Alarmstufe” auszurufen, wäre nach den wenig schmeichelhaften Ergebnissen seit dem WM-Titel einige Eskalationsstufen zu hoch gegriffen. Dennoch sah der Bundestrainer vor dem Testspiel am Mittwochabend gegen Australien die Notwendigkeit, eine klare Leistungssteigerung seiner Herren Kicker einzufordern, um die EM-Endrunde 2016 in Frankreich sicher zu erreichen. Wieder eine Einheit zu werden, sei das vorrangige Ziel. Die Partie gegen die „Socceroos” hat nicht entschieden zu diesem Prozess beigetragen: In Kaiserslautern gab es ein enttäuschendes 2:2 (1:1), Lukas Podolski sorgte nach dem Führungstreffer von Marco Reus für das Remis.

Schweigeminute vor der Partie

Der Flugzeugabsturz in den französischen Alpen mit vielen Todesopfern hat im ganzen Land große Betroffenheit erzeugt. Auch die DFB-Auswahl gedachte vor dem Test der Verunglückten, Benedikt Höwedes hielt dabei ein Schild mit der Aufschrift „Haltern trauert” vor sich. Der Schalker stammt wie auch der frühere Nationalspieler Christoph Metzelder aus der Stadt am Nordrand des Ruhrgebiets, aus der 16 Schüler und zwei Lehrerinnen bei der Tragödie verstarben.

Löw entschied sich, einige Stammkräfte für das EM-Quali-Spiel am Sonntag (18 Uhr/RTL) in Georgien zu schonen. So blieben Bastian Schweinsteiger, Thomas Müller, Jerome Boateng, Toni Kroos und Mats Hummels 90 Minuten auf der Bank. Für Schwein­steiger trug Sami Khedira die Kapitänsbinde am Arm, der am Rande der Begegnung seinen Abschied zum Saisonende bei Real Madrid angekündigt hat.

Der Bundestrainer experimentierte mit den Rückkehrern Reus, Gündogan und Badstuber sowie Startelf-Debütant Jonas Hector nicht nur personell, sondern auch taktisch mit einer Dreierkette, zunächst bestehend aus Badstuber, Höwedes und Mustafi. Löw wird diese Idee, die er schon zum Abschluss des vergangenen Jahres beim 1:0 in Spanien ausprobiert hatte, nach diesem weitgehend missglückten Auftritt nicht gleich wieder verwerfen. Die Australier deckten aber schon immer wieder die Schwächen der Dreierkette auf, wenn der Ball im Mittelfeld verloren geht. Mathew Leckie, der für den FC Ingolstadt in der 2. Liga stürmt, tanzte so nach schnellem Umschalten Höwedes aus, konnte Manuel-Neuer-Ersatz Ron-Robert Zieler aber nicht überwinden.

Unerklärliche technische Fehler

Erst nach einer Viertelstunde bekam der Weltmeister Ordnung in die Partie. Stand Marco Reus erst noch beim vermeintlichen 1:0 im Abseits (16.), traf der Dortmunder eine Zeigerumdrehung später nach starker Vorbereitung Khediras mit der Fußspitze zur deutschen Führung. Dass der Stürmer hernach noch das 2:0 (23.) liegen ließ, bestraften die „Aussies” noch vor der Pause: Bei der Flanke von Nathan Burns kam Hector zu spät gegen James Troisi, der zum 1:1-Ausgleich (40.) in die Maschen köpfte.

Nach der Pause verschlimmerte sich gar der Eindruck des Weltmeisters. Unerklärliche technische Fehler bei nahezu allen Spielern brachten die Abwehr immer wieder in Gefahr. Nach einem Foul von Gündogan an Troisi schlenzte Australiens Kapitän Mile Jedinak den Freistoß zum 1:2 (50.) aus deutscher Sicht ins Tor. Zieler, der später einige Unsicherheiten zeigte, kam zu spät. Auch mit den inzwischen eingewechselten André Schürrle, Max Kruse oder Lukas Podolski erfuhr die deutsche Offensive kaum Aufschwung. Als Karim Bellarabi aus halbrechter Position abschloss (62.), sah es das einzige Mal nach dem Seitenwechsel nach gutem Fußball bei der Löw-Elf aus. Immerhin traf Podolski noch nach Vorarbeit von Schürrle zum 2:2 (81.). Was bleibt nach diesen 90 Minuten auf dem Betzenberg, ist klar: jede Menge Arbeit für Joachim Löw und den Weltmeister.