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Kohlschreiber lässt Bayern-Frust bei Mannschafts-WM raus

20.05.2012 | 19:44 Uhr
Kohlschreiber lässt Bayern-Frust bei Mannschafts-WM raus
Mit Wut im Bauch: Philipp Kohlschreiber ließ dem Russen Alex Bogomolow keine Chance.Foto: imago

Düsseldorf.  Zum Auftakt des World Team Cups ließ der Augsburger Philipp Kohlschreiber seinem Gegner keine Chance - und verarbeitete so die Niederlage der Bayern im Champions League-Finale auf seine ganz persönliche Art.

Die Nacht war kurz, an Schlaf war kaum zu denken, und doch war Philipp Kohlschreiber zum Auftakt der Mannschafts-WM in Düsseldorf in Top-Form. Nur 53 Minuten brauchte der Augsburger, um Titelverteidiger Deutschland gegen Russland mit 1:0 in Führung zu bringen. 6:0, 6:2 gewann er gegen Alex Bogomolow und verarbeitete damit eine Niederlage, die mit Tennis so gar nichts zu tun hatte.

„Ich hatte eine sehr schlechte Nacht mit Schweißausbrüchen“, sagte der bekennende Bayern-Fan. Die Champions-League-Niederlage seiner Lieblings-Fußballer gegen den FC Chelsea hatte Spuren hinterlassen. „Beim Frühstück hatten wir alle Augenringe“, erzählte Kohlschreiber und gab damit Einblick in die Gemütslage der deutschen Tennis-Herren.

Frustabbau gegen Bogomolow

Wie Kohlschreiber kommen seine Teamkollegen Florian Mayer, Philipp Petzschner (beide Bayreuth) und Christopher Kas (Trostberg) aus Bayern. Im Team schauten sie sich die brutale Bayern-Niederlage im Elfmeterschießen an und schlichen kurz vor Mitternacht deutlich gezeichnet auf ihre Zimmer. „Jeder hat versucht, das Erlebnis für sich zu verarbeiten“, sagte Kohlschreiber.

Er selbst betrieb wenige Stunden später Frustabbau an seinem bemitleidenswerten Gegner Bogomolow. Kohlschreiber dominierte die Begegnung mit dem Weltranglisten-44. nach Belieben und gab erst nach einer halben Stunde das erste Spiel ab. „Das war eine Top-Leistung“, sagte der 28-Jährige.

Thema Kühnen wird „langweilig“

Mit dem Auftaktsieg beim 35. Power Horse World Team Cup im Düsseldorfer Rochusclub sollen auch endlich die Trainer-Diskussionen verstummen. Das wünscht sich zumindest Kohlschreiber. „Mir wird das Thema Patrik Kühnen zu langweilig. Jeder hat die Unstimmigkeiten beim Davis Cup in Bamberg mitbekommen. Wir haben das intern ausgeräumt“, sagte Kohlschreiber: „Als die Entscheidung gegen Patrik fiel, war das allerdings noch nicht der Fall.“

Damals wirkte die 1:4-Niederlage gegen Argentinien mit all ihren unschönen Begleiterscheinungen noch nach. Kohlschreiber hatte krank abgesagt und war nicht in Bamberg erschienen. „Ich habe mich nicht optimal verhalten“, sagte Kohlschreiber: „Aber auch von Patrik war nicht alles super.“ Stand heute sei alles wieder beim Alten: „Das Relegationsspiel gegen Australien bestreiten wir auf jeden Fall wieder mit Patrik.“

Kohlschreiber „wiedererstarkt“

Bei der Mannschafts-WM ist allerdings Tobias Summerer, Privat-Trainer von Florian Mayer, für die deutsche Mannschaft verantwortlich. Auf der Bank neben Kohlschreiber saß zum Auftakt dessen Coach Stefan Eriksson. Nach seiner Rückkehr zur TennisBase in Oberhaching ist der Schwede wieder wichtigster Ansprechpartner für Kohlschreiber, und die Zusammenarbeit trägt Früchte. Nach einem schwachen Jahr 2011 ist der Einzug unter die besten 20 der Welt zum Greifen nah - zum ersten Mal in Kohlschreibers Karriere.

Mit dem Turniersieg in München vor zwei Wochen hat sich Kohlschreiber bis auf Platz 24 vorgespielt und hat nach dem Erstrundenaus im vergangenen Jahr bei den French Open in Paris (27. Mai bis 10. Juni) kaum Punkte zu verteidigen. „Ich fühle mich wiedererstarkt“, sagte Kohlschreiber nach dem Sieg über Bogomolow: „Ich habe eine gute Aura auf dem Platz.“

Mayer kann am Montag nachlegen

Kohlschreiber ist auch wieder die deutsche Nummer eins, das ist ihm wichtig, auch wenn er es nie zugeben würde. Er spürt die Verantwortung und war erleichtert, trotz der „schlimmen Nacht“ vorgelegt zu haben. Mit der Führung im Rücken kann der Weltranglisten-28. Mayer am Montag den Sieg gegen Russland perfekt machen.

Den ersten Sieg in Düsseldorf feierte Vorjahresfinalist Argentinien. Dank der Erfolge von Leonardo Mayer gegen Ryan Harrison und Carlos Berlocq gegen Andy Roddick liegen die Südamerikaner bereits uneinholbar in Führung. (sid)

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