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Kiels Rekord für die Handball-Ewigkeit

03.06.2012 | 15:06 Uhr
Kiels Rekord für die Handball-Ewigkeit
Der Kieler Daniel Narcisse tanzt mit der Meisterschale vor seinen Teamkollegen.Foto: Getty Images

Kiel.   Der THW gewinnt auch das letzte Saisonspiel der Handball-Bundesliga gegen Gummersbach und beendet die Spielzeit mit 68:0 Punkten

Die ersten, die sich per Autokorso dem Rathaus zu Kiel näherten, waren Kapitän Marcus Ahlm und Filip Jicha. Viele Fans am Straßenrand streichelten die goldene Trophäe, die der THW Kiel vor acht Tagen in der Champions League gewonnen hatte und die nun Ahlm ihnen entgegenstreckte, als sei es etwas Heiliges, eine Reliquie. Alle Handballprofis trugen, als sich den Weg durch die jubelnde Menge bahnten, einen Fliegeroverall. „Überflieger“, stand auf den angenähten Abzeichen. „Ich kann immer noch nicht glauben, dass wir das geschafft haben“, sagte THW-Trainer Alfred Gislason.

Schon vor dem Schlusspfiff beim 39:29-Sieg am letzten Spieltag gegen den VfL Gummersbach, als sich die Kieler mit vielen technischen Tricks erneut als Harlem Globetrotters des Handballs präsentiert hatten, musste Gislason immer wieder den Kopf schütteln. 34 Siege in 34 Spielen , diesen Rekord hatten viele Experten in der besten Liga der Welt für unmöglich gehalten. „Das kann niemand mehr übertreffen“, sagte Gislason. „Das ist eine Sensation“, jubelte Linkshänder Kim Andersson, der als bester Profi der Saison ausgezeichnet worden war. Zumal die perfekte Saison in der Bundesliga noch mit Titeln im DHB-Pokal und in der Champions League veredelt worden war.

Nur eine Niederlage in der Champions League

57 Pflichtspiele hat der Rekordmeister in dieser Saison bestritten. National gab es nur Siege. Allein in der Champions League leistete sich der THW gegen Montpellier eine Heimniederlage (23:24) und drei Remis auswärts (in Leon, Kopenhagen und Zagreb). „Es ist mental eine enorme Belastung, alle drei Tage ein Spiel zu bestreiten“, sagt Gislason.

Für eine Party nach dem finalen Sieg freilich reichten noch die Ressourcen. Nach dem Korso ließen sich die Handballheroen von 20 000 Fans auf dem Balkon des Rathauses und auf einer Musikbühne feiern. Auch das Zusammenspiel mit den Fans grenzt an Perfektion. „Das sind keine Legionäre, diese Handballer nehmen die Fans und die Stadt in die Arme“, lobte der zukünftige Ministerpräsident Torsten Albig, während die Spieler auf dem Balkon die historische Saison zelebrierten: „Das ist Liebe.“

Das Erfolgsgeheimnis liegt im Zwischenmenschlichen

Nicht nur deutsche THW-Profis wie Dominik Klein oder Christian Zeitz wissen die Fachkenntnis der Kieler Fans zu schätzen, noch mehr die Spieler aus Tschechien (Filip Jicha), Serbien (Momir Ilic), Schweden (Henrik Lundström, Marcus Ahlm, Andreas Palicka), Frankreich (Thierry Omeyer, Daniel Narcisse) oder Island (Aron Palmarsson).

Natürlich hat der Superstars gespickte Kader, der „immer neugierig ist, sich handballerisch zu verbessern“ (Trainer Gislason) eine enorme Qualität. Das vielleicht größte Erfolgsgeheimnis dieses Ensembles aber besteht im täglichen Umgang. Wie sie miteinander umgehen, ist ungewöhnlich im Profisport, wirkt wie das realisierte Ideal der „elf Freunde“, die Fußballbundestrainer Sepp Herberger propagierte. Mit Andersson, Lundström, Dragicevic, Kubes und Reichmann werden fünf Profis diese außergewöhnliche Mannschaft verlassen. „Dieser Tag ist für uns auch traurig“, sagte Jicha. Er bedauerte, dass seine Tochter nun nicht mehr mit dem Nachwuchs von Lundström spielen könne. Und deshalb versprach er im gleichen Atemzug, so oft wie möglich die Familie Lundström in Göteborg zu besuchen. Gute Freunde kann eben niemand trennen.

Erik Eggers



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