Watzke droht der Mannschaft

La Manga..  Das Leben an diesem Ort könnte wirklich wunderbar sein. Die Sonne scheint warm auf die Terrasse in der ersten Etage. Von dort hat man einen traumhaften Blick über das Grün eines Golfplatzes, über die Landschaft in La Manga, dem Ort, an dem sich Borussia Dortmund zum vierten Mal in Serie auf die Rückrunde der Fußball-Bundesliga vorbereitet. Nur eben dieses Mal unter völlig anderen Vorzeichen.

Drinnen scheint die Sonne nicht. Dort sitzt Hans-Joachim Watzke im Vereins-Jogginganzug. Seit Dienstag befindet sich der BVB-Geschäftsführer vor Ort. Was er von der Mannschaft in der Rückrunde sehen will, sagt er deutlich: „Das Ziel für die Rückrunde lautet: Klassenerhalt. Alle anderen Dinge, die in manchen Köpfen außerhalb unserer Mannschaft vielleicht noch herumspuken, zählen nicht. Ich erwarte den Klassenerhalt, und zwar in einer Art und Weise, die man als Leistung bewerten kann. Und keinen Nichtabstieg, weil zwei oder drei Mannschaften noch schlechter waren als wir.“ Keine Mannschaft in der Bundesliga-Tabelle hat mehr Niederlagen als der BVB, nur Freiburg liegt dahinter – punktgleich.

Das beschwert die Gemüter. Gewiss, es gibt im Leben weit größere Sorgen als die, die ein Tabellenstand verursachen kann. Doch es ist eine schwere Zeit, die Gedanken im schwarz-gelben Reich sind nicht mehr länger rosa-rot, sondern grau. Sie kreisen um die Gegenwart, um die Zukunft. „Wenn man jeden Stein umgedreht hat und dann fünf Köpfe rollen sehen möchte, ist das dann der Beweis dafür, dass man akribisch analysiert hat?“, fragt Watzke. Es ist eine rhetorische Frage, weil der BVB-Boss weiß, dass die richtige Antwort auf die Situation nicht zwingend die ist, die halbe Mannschaft auszutauschen. 12,5-Millionen-Mann Kevin Kampl ist neu dabei. Kommt noch ein Spieler? „Es ist wenig wahrscheinlich, aber auch nicht komplett unmöglich.“

Spätestens im Sommer aber könnte es gravierende personelle Veränderungen geben. Denn mutmaßlich wird sich der BVB nicht für das europäische Geschäft qualifizieren. „Der Spieler“, sagt Watzke dazu, „ der sich jetzt oder im Sommer zu uns bekennt, weil er bleibt oder neu dazukommt, der hat vielleicht auch eine Mentalität, die wir in dieser Phase brauchen. Im Gegensatz zu denen, die nur auf der Euphoriewelle surfen, die durch uns oben ankommen oder oben bleiben wollen. Sollte es diese bei uns geben, ist es vielleicht gar nicht schlecht, wenn der eine oder andere davon verschwindet.“

Die Botschaft wird den möglichen Empfänger erreichen. Ein explosiver Satz. Ein Sprengsatz.