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Was Jogi von Franz lernen kann

11.09.2012 | 19:01 Uhr
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Essen.  Bundestrainer Joachim Löw ist in keiner beneidenswerten Lage. Selbst wenn die WM-Qualifikation glatt laufen sollte, wird seine Arbeit so lange von Zweifeln begleitet werden, bis er den ersten Titel geholt hat. Ein Kommentar

In der Diskussion um eine Spielidee, manche sprechen gar von Spielphilosophie, gilt immer noch das unschlagbare Wort des Fußball-Weisen Franz Beckenbauer: „Wenn ich Visionen habe, gehe ich zum Arzt.“ Dahinter steckt das Unverständnis für den Trend, jede Taktik, ja, jeden Spielzug zu verwissenschaftlichen. Die inzwischen legendäre Aufforderung des damaligen DFB-Teamchefs an seine Mannschaft vor dem WM-Finale 1990 „Geht’s raus und spielt’s Fußball“ hat nichts von ihrem Charme verloren.

Daran zu erinnern, lohnt sich gerade heute, da seit dem ernüchternden Halbfinal-Aus der DFB-Auswahl bei der EM gegen Italien Systemkritik auch im deutschen Fußball Hochkonjunktur hat. Obwohl inzwischen noch nichts Nennenswertes passiert ist (das Testspiel gegen Argentinien und das erste WM-Qualifikationsspiel gegen die Färoer taugen nicht als Maßstab), beschleicht einen das Gefühl: in Fußball-Deutschland breitet sich fast schon Panik aus.

Klar, eine Mannschaft, die bei vier großen Turnieren nach viel versprechenden Auftritten jeweils den letzten Schritt verstolperte, muss sich zwar inklusive des Trainerteams hinterfragen lassen. Deshalb gleich alles auf den Kopf zu stellen, ist dennoch ebenso wenig angebracht, wie den nächsten Qualifikationsgegner Österreich – bei allem Respekt – zu einer Übergröße aufzubauen.

Es ist schon bemerkenswert, dass Joachim Löw letztlich durch eine einzige Niederlage (eben gegen Italien), die konkret an seinen Maßnahmen festzumachen ist, seinen über Jahre erworbenen Kredit fast schon aufgebraucht sieht. Wobei die unlängst zu lesende Einschätzung, Löw werde „in den kommenden zwei Jahren unter genauer Beobachtung“ stehen, wie eine unfreiwillig komische Untertreibung anmutet. Steht doch der Fußball-Bundestrainer bei jedem Spiel auf dem Prüfstand.

Löws Dilemma: Selbst wenn er die WM-Qualifikation ähnlich erfolgreich bestreitet wie die letzte, ungeschlagen überstandene, EM-Qualifikation, kann keine Entwarnung gegeben werden. Seine Arbeit wird erfahrungsgemäß so lange von Zweifel begleitet sein, bis er endlich den ersten Titel holt. Mit welchem System und welchen Spielern, ist dabei am Ende, so heftig jetzt auch darüber debattiert werden mag, völlig unerheblich.

Sowohl Löw als auch den Spielern wie Fans ist auf dem Weg dorthin ein Schuss jener Gelassenheit zu wünschen, die den großen Philosophen Franz B. auszeichnet, der in einem seiner weniger populären Zitate erkannte: „Erfolg ist ein scheues Reh. Der Wind muss stimmen, die Witterung, die Sterne und der Mond.“

Reinhard Schüssler

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