Was an dieser Tour de France haarsträubend ist

Fast wie immer gilt: Nicht alles rund um die Tour de France erscheint sauber zu sein.
Fast wie immer gilt: Nicht alles rund um die Tour de France erscheint sauber zu sein.
Foto: Deep Silver/Koch Media
Was wir bereits wissen
Doping - na und? Während das Tour-Comeback der ARD als konsequent bezeichnet werden darf, ist das Verhalten eines deutschen Team-Sponsors haarsträubend. Ein Kommentar.

Essen.. Tour de Farce, Spritzen-Tour, krumme Tour: Die Wortbilder sind verbraucht – aber die schon oft totgesagte Tour de France rollt ungebremst weiter. Diesmal auch wieder mit dem Segen der ARD, die nach dreijähriger Abstinenz wieder täglich live berichtet. Aus Sicht des Senders nur konsequent. Können doch so viele Koch-, Quiz- und Talkshows gar nicht produziert werden, um die Programmlücken für den Fall zu schließen, nur noch unverdächtige Sportarten im Fernsehen zu übertragen.

Dass die ARD ihr Comeback mit einem Wandel im Profiradsport begründet – geschenkt. Zwar waren bei der Tour 2014 tatsächlich sämtliche 719 Dopingproben „unauffällig“. Aber, und das ist auch schon der größte „Fortschritt“ in der Doping-Diskussion: Wer lässt sich heute noch durch solche Statistiken für dumm verkaufen?

Selbstreinigungskräfte im Sport? Fehlanzeige

Tour de France Pünktlich zum Tour-Start hat der Mainzer Doping-Experte Perikles Simon denn auch enthüllt, dass „Unmengen“ neuer Präparate auf dem Markt seien. Er hätte auch sagen können: Der Anti-Doping-Kampf ist mit den Mitteln des Kontrollsystems nicht mehr zu gewinnen. Dazu passt, dass die prominentesten Betrüger – siehe Lance Armstrong – nicht durch die Sportgerichtsbarkeit überführt worden sind.

Wer auf die Selbstreinigungskräfte im Sport gesetzt hat, ist längst desillusioniert. Nicht minder deprimierend: die Reaktion der Gesellschaft. Wie sonst könnte ein Bielefelder Kosmetik-Konzern glänzende Geschäfte mit der Verharmlosung von Doping machen? Zum Tour-Start verkündete der Sponsor, der sich – Gipfel des Zynismus – in ein Rad-Team eingekauft hat, er werde aus Rücksicht gegenüber dem Sport in den nächsten drei Wochen auf die Schaltung seines überaus erfolgreichen Shampoo-Werbespots „Doping für die Haare. Nur für die Haare“ verzichten. Haarsträubend!