Warum Skispringen den Hype von einst nicht zwingend braucht

Strahlender Sieger: Richard Freitag nach seinem Triumph in Innsbruck.
Strahlender Sieger: Richard Freitag nach seinem Triumph in Innsbruck.
Foto: Getty Images
Was wir bereits wissen
Skispringer Richard Freitag siegt beim dritten Springen der Vierschanzen-Tournee. Bis zur Euphorie ist es aber noch ein weiter Weg. Ein Kommentar.

Essen.. Der Sieg in der Gesamtwertung der Vierschanzen-Tournee ist für Richard Freitag ungefähr so weit weg wie die Deutsche Fußball-Meisterschaft für Borussia Dortmund. Aber trotzdem: Natürlich Kompliment an den Skispringer aus Aue! Er hat sich nach dem Auftakt-Desaster der ersten beiden Springen geschüttelt, hat sich aufgerappelt und am Sonntag das dritte Springen der Tournee in Innsbruck gewonnen. Ein goldener Freitag an einem Sonntag.

Wer diese Leistung noch nicht so richtig einordnen kann: Es war der erste deutsche Sieg auf der Tournee seit zwölf Jahren. Damals hieß der Sieger noch Sven Hannawald.

Es war eine andere Zeit, das Skispringen hatte einen ganz anderen Stellenwert und elektrisierte mit seinen Helden Martin Schmitt und Sven Hannawald eine ganze Nation.

Skispringen-Hype ist lange vorbei

Vierschanzentournee Hannawald war 2001/2002 der erste Springer, der alle vier Wettbewerbe der Tournee hintereinander gewinnen konnte. Er ist bis heute der einzige geblieben, dem dieses Kunststück gelungen ist. In den Auslaufzonen der Skischanzen standen damals Fans aus jeder Altersgruppe. RTL übertrug mit Günther Jauch als Moderator, und Mädchen hielten Plakate in die Luft mit der Aufschrift: „Hanni, ich will ein Kind von dir!“

Dieser Hype ist vorbei. Hannawald und Schmitt haben abgedankt, doch dank der Einnahmen aus den Fernseh-Übertragungen haben die Skispringer weiterhin gute Trainingsbedingungen und halten den Kontakt zur Weltspitze.

Bengalos sind beim Skispringen kein Aufreger

Nur die große Aufgeregtheit hat sich eben gelegt. Erkennen lässt sich das zum Beispiel am Umgang mit dem Bengalischen Feuer, das am Sonntag mitten unter den Zuschauern aufflammte. Im Fußball wären sofort wieder die Innenminister alarmiert, die Sicherheitsdiskussion würde erneut beginnen.

In Innsbruck hatten die Fans dagegen einfach nur Spaß, auch mit Bengalischem Feuer. Manchmal kann es also auch schön sein, wenn alles etwas tiefer gehängt wird. Und dem tollen Sieg von Richard Freitag tut das überhaupt keinen Abbruch.