Warum Russland mit Respekt und Skepsis zur EM fährt

Andrej Arschawin (rechts) setzt auf die Teamstärke der Russen: „Wir haben den Vorteil, dass wir uns alle gut kennen und eingespielt sind", sagt der Spielmacher der „Sbornaja“.
Andrej Arschawin (rechts) setzt auf die Teamstärke der Russen: „Wir haben den Vorteil, dass wir uns alle gut kennen und eingespielt sind", sagt der Spielmacher der „Sbornaja“.
Was wir bereits wissen
Medien und Fans sind skeptisch ob der Leistungsstärke der „Sbornaja“. Zwar hat sich die Mannschaft seit der glanzvollen Euro vor vier Jahren kaum verändert, doch genau hierin sehen Kritiker das Problem. Die Spieler sind vier Jahre älter und nicht mehr so spritzig wie noch bei der EM-Endrunde 2008.

Moskau/Berlin.. Verhalten fiel der Jubel in Russland bei der Gruppenauslosung zur Europameisterschaft in Polen und der Ukraine aus. Mit Polen, Tschechien und Griechenland blieben dem Team von Trainer Dick Advocaat „Hammerlose“ zwar erspart, doch von einer Favoritenrolle will niemand so recht etwas wissen. Der ehemalige Stuttgarter Stürmer Pawel Pogrebnjak sieht sein Land „sogar im Nachteil“, da mit Polen einer der Gastgeber in der Gruppe steht. Auch Sturmkollege Aleksandr Kerschakow sieht in Polen „den schwersten Kontrahenten", zollt aber auch Tschechien und Griechenland jede Menge Respekt.

EM 2012 Medien und Fans sind skeptisch ob der Leistungsstärke der „Sbornaja“. Zwar hat sich die Mannschaft seit der glanzvollen Euro vor vier Jahren kaum verändert, doch genau hierin sehen Kritiker das Problem. Die Spieler sind vier Jahre älter und bei weitem nicht mehr so spritzig wie noch bei der EM-Endrunde in Österreich und der Schweiz. Zudem würde im Viertelfinale mit Deutschland, Niederlande, Dänemark oder Portugal ein Teilnehmer der „Todesgruppe" B auf Russland warten.

Andrej Arschawin setzt ganz auf die Teamstärke der Russen: „Wir haben den Vorteil, dass wir uns alle gut kennen und eingespielt sind", sagte der Spielmacher unlängst in einem Interview mit der Uefa. Und Advocaat, der das Traineramt von seinem niederländischen Landsmann Guus Hiddink nach der missglückten Qualifikation für die WM in Südafrika 2010 übernahm, ist ein exzellenter Kenner des russischen Fußballs. Gewann der 64-Jährige doch als Trainer von Zenit St. Petersburg den Uefa Cup 2008.

Advocaats angekündigter Abschied

Doch egal, wie das Turnier für die Russen endet - Trainer Advocaat hat bereits seinen Rücktritt nach der EM angekündigt. Der Niederländer wechselt in seine Heimat zum PSV Eindhoven. Unstimmigkeiten mit Verbandspräsident Sergej Fursenko sollen der Grund für die bevorstehende Trennung sein. Alles andere als optimale Voraussetzungen für eine ungestörte Vorbereitung. [kein Linktext vorhanden]

Den bisher einzigen Titel feierte das heutige Russland bei der EM-Premiere 1960, damals noch als Teil der Sowjetunion (UdSSR). Die Finalrunde wurde mit nur vier Mannschaften in Frankreich ausgetragen. 2:1 nach Verlängerung gegen Jugoslawien endete das Finale. Der berühmteste Spieler stand damals im Tor - der legendäre Lew Jaschin. Es folgten noch drei Vize-Europameistertitel. 1964 unterlag man Gastgeber Spanien mit 1:2, 1972 gab es in Belgien ein 0:3 gegen Deutschland und 1988 in Deutschland ein 0:2 gegen die Niederlande.

Russland glänzte bei der EM 2008

Nach der Auflösung der Sowjetunion im Jahr 1991 wurde Russland nach der EM 1992 Mitglied des Fußball-Weltverbandes Fifa. Nach zunächst durchwachsenen Vorstellungen bei Welt- und Europameisterschaften kam die Wende vor vier Jahren. Mit einer glänzend aufgelegten Mannschaft um die später ins All-Star-Team gewählten Juri Schirkow, Roman Pawljutschenko und Arschawin scheiterte Russland 2008 erst im Halbfinale am späteren Turniersieger Spanien.

Russlands Weg zur EM 2012 verlief problemlos. Sieben Siege, zwei Remis und eine Niederlage bedeuteten den souveränen Sieg in Gruppe B. Von daher ist es gar nicht so überheblich, wenn Advocaat nun sogar vom Finale spricht. Ein Endspiel in Kiew wäre ein großer Erfolg für Russland - und sicher auch ein Stück weit Genugtuung für den mit dem Verband zerstrittenen Advocaat. (dapd)