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Warum die goldene Generation des DFB langsam verblasst

29.06.2012 | 23:29 Uhr
DFB-Kapitän Philipp Lahm im EM-Halbfinale gegen Italien.Foto: Reuters / Thomas Bohlen

Warschau.  Berechenbar verliert die einst "golden" genannte Generation des deutschen Fußballs wichtige Spiele - wie 2012 das EM-Halbfinale gegen Italien. „Es gibt nun mal keine Garantie für den Titel“, sagt Philipp Lahm, der Kapitän der Nationalmannschaft.

Auf den verwaisten Rängen des Warschauer Nationalstadions wird schon der Unrat zusammengekehrt, fleißige Menschen pflegen liebevoll den ramponierten Rasen. Es ist weit nach Mitternacht, als Philipp Lahm in das gleißend helle Licht tritt, das seinen Weg hinaus aus dem Stadion ausleuchtet. Immerhin: Das Schrillen einer Sirene im Erdgeschoss der Arena ist verstummt. Es wirkte wie die Titelmelodie dieses Auszugs der deutschen Nationalmannschaft aus der EM.

Lahm sieht niedergeschlagen aus, seine Augen sind gerötet. Er ist nicht der Einzige, dem dieses 1:2 im Halbfinale gegen Italien schwer an die Substanz geht. Thomas Müller und Mario Gomez weinten noch auf dem Platz bittere Tränen der Enttäuschung. „Es gibt nun mal keine Garantie für den Titel“, sagt Lahm. Er ist der Kapitän der Mannschaft. Er ist seit Jahren eine ihrer wichtigsten Figuren. So wie auch Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski. Sie alle debütierten 2004, sie alle ließen die Fußball-Nation spätestens ab der WM 2006 vom ganz großen Wurf träumen.

Zweifel sind angebracht

Sie sind die Frontfiguren der einst golden genannten Generation. Doch erneut langte es für sie nicht zum Titel. Im kommenden Jahr wird Philipp Lahm 30 Jahre alt. Die Alarmglocken dieser Generation klingen wie die Sirene im Stadion. Und die Öffentlichkeit beginnt sich nicht erst jetzt zu fragen, wie golden eine Generation sein kann, wenn sie sehr zuverlässig die entscheidenden Spiele verliert.

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Das EM-Zeugnis für die DFB-Spieler

Im Halbfinale gab es das Aus für das Team von Bundestrainer Joachim Löw: So präsentierten sich die DFB-Spieler bei der EM in Polen und der Ukraine - unser EM-Zeugnis. Von den Klassenstrebern zu den Sitzenbleibern.

„Ich habe gehört, dass Deutschland noch nie gegen Italien gewonnen hat, also kann es nicht nur an unserer Generation liegen“, sagt Lahm. Wieder ist die Mannschaft gescheitert, wieder mal vollkommen verdient, weil der Gegner besser, schneller, cleverer, gewillter war. Wie 2006 im WM-Halbfinale, wie 2008 im Finale, wie 2010 im Halbfinale. Reichlich Blech für die Hoffnungsträger von einst.

Um sie und Miroslav Klose (34) sowie Per Mertesacker (27) sollte Großes aufgebaut werden. Manche Spiele waren bezaubernd schön, aber im entscheidenden Moment fehlt das, was Größe ausmacht. Mag sein, dass es Pech ist, dass die aussichtsreichste Schaffensperiode dieser Generation mit der Ära der scheinbar unschlagbaren Spanier zusammenfällt. Dennoch sind Zweifel am Ausmaß der Außergewöhnlichkeit angebracht.

Stimmen
In der Kabine der Nationalelf flossen nach EM-Aus die Tränen

Enttäuschung in der Kabine der Nationalmannschaft nach dem EM-Aus im Halbfinale: "Die Spieler lassen die Köpfe hängen, keiner spricht ein Wort", sagte Bundestrainer Joachim Löw. Wir haben die Stimmen zum Spiel gesammelt.

Zu gewöhnlich sind die Leistungen von Lukas Podolski , wenn es wirklich darauf ankommt. Gegen Italien tauchte er vollkommen ab, aus München flüchtete er, weil er Köln vermisste. Nun versucht er nach dem Abstieg mit dem FC seiner Karriere bei Arsenal London noch Blattgold zu verleihen. Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger haben mit den Bayern nationale Trophäen angehäuft, die für zwei Karrieren reichen würden. Doch alle internationalen Titel tragen bei ihnen das Wort Vize als Vorsilbe. Zwei verlorene Finals in der Champions League sind unter Erfolge aufgelistet.

„Das ist Sport. Ich bin Realist. Mal gewinnt man, mal verliert man“, sagt Lahm in Warschau. Aber was ist, wenn es immer die anderen sind, die am Ende gewinnen? Wie viel Zufall kann das sein? Wie viel Pech?

Der Bayern-Infekt

Mit dem FC Bayern haben der Kapitän und der Vize-Kapitän den Pfad des Erfolgs schon länger verlassen. So pflanzten sie der Nationalelf nicht – wie es früher der Fall war – das Bayern-Gen des Siegesgewissen ein, sondern übertrugen eine Art Bayern-Infekt. Denn das Italien-Spiel war ein Abbild der letzten beiden Münchner Saisons: uninspiriert, fehlerhaft und nur bis zu einem bestimmten Punkt erfolgreich. Sieben Münchner standen in der Anfangself. Darunter der malade Schweinsteiger, dessen Äußerung („Mein Knöchel macht mir Sorge“) rückblickend als missachteter Hilferuf verstanden werden kann; der stromlinienförmige Lahm, der den Weg zum 0:2 ebnete und die größte Chance zum frühen Anschlusstreffer vergab; der leidenschaftslose Toni Kroos , dessen Spiel genau ein einziges Tempo vorsieht; der abgemeldete Mario Gomez, der ohne eigenes Tor keine Bereicherung ist.

Männer, die den Unterschied ausmachen, waren nicht zu erkennen, schon gar nicht aus der Mitte derer, die einst eine Verheißung für die Zukunft waren. „Ich denke“, sagt Philipp Lahm, „dass sich einiges entwickelt hat in unserer Mannschaft und dass es sehr gut aussieht in unserer Zukunft.“

Ein Satz, der als Lob taugt für die Khediras, Özils und Götzes. Ein Satz, der aber auch ein Mahnmal sein könnte. Ein Mahnmal für das langsame Verblassen einer goldenen Generation.

Deutschlands Trauerspiel

Daniel Berg



Kommentare
03.07.2012
09:03
Warum die goldene Generation des DFB langsam verblasst
von Daywalker09 | #37

All die Messis,Ronaldos und wie sie alle heißen und weiterhin Ballzaubern haben auch klein angefangen und sind zu dem geworden was sie heute darstellen. Ich finde, hier verblasst gar nichts. Die Elf hatte Startschwierigkeiten und rumpelte bis ins Halbfinale. Ältere Generationen schafften es teilweise noch nicht mal dahin. Ausserdem...die Taktik kann noch so gut oder weniger gut ausgetüftelt sein..: Die Tore schießt nicht der Trainer.
Es gibt nun mal Spiele, wo man kopfschüttelnd einfach dem berühmten Satz eines deutschen Spielers Recht gibt: Haste ******* am Fuß haste ******* am Fuß.

30.06.2012
19:28
Warum die goldene Generation des DFB langsam verblasst
von Rentner4rr | #36

Kretshe hatRecht da spielen Männer gegen Kinder
lächerliche vorstellund der Deutschen Elf
was wollen die bei der WM in Brasilien
mit Löw und diese Rumpelstilzchen Truppe
gibt es die nächsten 10 Jahre keinen Titelfür
für diese Goldene Generation

1 Antwort
Warum die goldene Generation des DFB langsam verblasst
von suedjuergen | #36-1

wenn wir auf deine bayern verzichten klappt das aber doch

30.06.2012
17:21
Warum die goldene Generation des DFB langsam verblasst
von DaDU | #35

Diese Mannschaft und dieser Trainer werden keinen Titel meht holen. Die Erwartungshaltung ist viel zu groß. Wir haben viele schöne Spiele in den letzte Jahren mitfeiern dürfen, und andere eben verloren. Was solls? Erzwingen kann man einen Titel nicht! Es ist Fußball und der lebt nun mal von den Geschichten, dass Deutschland Italien nicht schlagen kann, die Engländer keine Elfmeter schießen können oder die spanische Nationalmannschaftl völlig bedeutungslos war. Und jetzt spielen die Spanier Weltklassefußball seit 6 Jahren. Also abwarten, es regelt sich alles!

30.06.2012
15:18
Warum die goldene Generation des DFB langsam verblasst
von S04CKS | #34

Jetzt fehlt nur noch einer, der das 1 und 2.Gebot aus dem heiligen Buch des Fußballgottes zitiert, die da heißen :

Macht euch die Titel untertan, denn ich gab euch das Spielermaterial

und

Deutschland muss, als gelobtes Land des Fußballs, mindestens alle 16 Jahre einen Meistertitel erwerben.

So sei es!



Das 04. Gebot erwähne ich jetzt hier lieber nicht. (Das betrifft Schalke und die Meisterschaft) ;-)

30.06.2012
15:01
Wer wird denn gleich in die Luft gehen...
von creck | #33

@pesato:
Wenn die Spieler der deutschen Nationalmannschaft Ihre neunmalklugen Ratschläge beherzigen, dann werden wir spätestens 2014 Fußball-Weltmeister.
Weltmeister im schlechten Verlieren scheinen wir ja bereits jetzt zu sein. Gemeinsam übrigens mit den Holländern. Nur haben die auch einen Grund dafür.

30.06.2012
14:32
Warum die goldene Generation des DFB langsam verblasst!!!Macht’s doch mal umsonst!!
von PESATO | #32

5.Wo bleibt die Selbstverständlichkeit?
"Steht der Event-Tourismus des DFB noch in einer vernünftigen Relation oder heben die Spieler inzwischen schon ein wenig ab?", fragt sich Eurosport-Experte Thomas Berthold, Weltmeister von 1990.
Den ausufernden Materialismus als Hauptgrund für das Scheitern am eigenen Anspruch auszumachen wäre eine Respektlosigkeit gegenüber Italien. Allerdings sollte man sich für die Zukunft schon einmal Gedanken darüber machen, ob weniger nicht auch mehr sein kann: mehr Konzentration auf das Wesentliche, mehr Motivation durch Aussicht auf Anerkennung bei sportlichem Erfolg, mehr Selbstverständlichkeit.
An die Mannschaft um Fritz Walter, Helmut Rahn und Toni Turek erinnern wir uns noch heute. Sie haben etwas unvergessliches Hinterlassen und wurden dafür mit historischer Unsterblichkeit belohnt.
Ist das denn nicht genug?
Fazit zum 22. Tag: Für 2014 sollte ein Lederkoffer reichen...
Bis morgen!
ZITAT:Michael

30.06.2012
14:30
Warum die goldene Generation des DFB langsam verblasst!!!Macht’s doch mal umsonst!!
von PESATO | #31

4.In einer sachwerteorientierten Alltagswelt wird dieses Bewusstsein aber scheinbar mit allerlei luxuriösem Ramsch zugemüllt und von Privilegien überlagert, bei denen nur der überzeugteste Asket in jungen Jahren noch die Bodenhaftung bewahrt. Laptop, Smartphone und Digicam als Begrüßungsgeschenk auf dem Danziger Hotelzimmer sind da nur Peanuts. Ebenso wie kostenlose Designer-Klamotten, limitierte Edel-Uhren oder nachgeschmissene Oberklasse-Autos.
Man stelle sich mal die Wirkung in der Öffentlichkeit vor, wenn eine deutsche Mannschaft geschlossen auf Prämien verzichten und stattdessen erklären würde: "Lasst stecken, wir wollen nur den Titel." Und DFB würde die Erlöse und Einnahmen an bedürftige Stellen weiterleiten, an den Amateurfußball, an Fanprojekte, an Schulen. Was für eine wunderbare Synergie! Und leider auch nur Wunschdenken...

30.06.2012
14:29
Warum die goldene Generation des DFB langsam verblasst!!!Macht’s doch mal umsonst!!
von PESATO | #30

3.Wofür das alles?
Schließlich muss man schon einmal die Frage stellen, warum es für den Erfolg im Nationaltrikot überhaupt einen finanziellen Anreiz geben muss. Das ist schwer vermittelbar. In den Länderauswahlen kickt eine Fußball-Elite, die sich ihre Arbeit in den Klubs ohnehin schon fürstlich entlohnen lässt.
Da sollte es für den Zeitraum von vier Wochen doch mal möglich sein, sich einfach nur mit sportlichen Zielen zu motivieren sowie dem Bewusstsein um die Bedeutung dieses Trikots. Prämien gab es beim DFB zwar schon immer, doch bis auf vereinzelte Ausnahmen waren sich die Adler-Träger ihrer Verantwortung bewusst, die mit der ehrvollen Auszeichnung einer Nominierung einherging. Sieger-Mentalität lässt sich hier nicht erkaufen.

30.06.2012
14:28
Warum die goldene Generation des DFB langsam verblasst
von PESATO | #29

2.Das deutsche Gemüt ist ohnehin sehr empfänglich für die traditionelle Neid-Debatte. Mit Leidenschaft und höchstem Einsatz wird dann auf die "Luxus-Versager" eingeprügelt. Die Spieler werden als ein Haufen verzogener Lümmel dargestellt, die den Stolz der Fans besser treten als den Ball.
In der oberflächlichen Wahrnehmung mag das stimmen. Aber letztlich fängt der Fisch am Kopf zu stinken an. FIFA, UEFA und auch die nationalen Verbände haben über Jahre hinweg akribisch daran gearbeitet, den Fußball zu entwurzeln, um ihn in den Garten Eden der Turbo-Kommerzialisierung zu verpflanzen.
Für die Fans ist der Fußball eine heilige Kuh. Für die Verbände ebenfalls. Aber nur, weil man sie scheinbar endlos melken kann. Bei Großturnieren wie Welt- und Europameisterschaften bestätigt sich das in einer erschreckend dreisten Offenheit. Die Prämienzahlungen sind da aus ökonomischer Sicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Aus Sicht der Fans aber bringt dieser Tropfen das Fass zum Überlaufen.

30.06.2012
14:27
Warum die goldene Generation des DFB langsam verblasst!!!Macht’s doch mal umsonst!!
von PESATO | #28

1.Allein die Vorstellung hat schon reichlich Charme.
Die Gesichter unserer Nationalkicker wären definitiv Bilder für die Ewigkeit!
Ich denke gerade dran, wie es wäre, wenn man dem aktuellen Team die Erfolgsprämie der deutschen Weltmeister von 1954 aushändigen würde.
Wie groß wäre wohl die Freude von Özil, Schweinsteiger, Boateng und Co. über einen nagelneuen Schwarz-Weiß-Fernseher? Dazu noch ein schickes Lederköfferchen und einen schnittigen Motorroller für die Heimfahrt aus Warschau.
Natürlich hinkt der Vergleich. Immerhin haben die Jungs damals in Bern Monsieur Jules Rimet in handlichem Format mit nach Hause gebracht. Für das Halbfinal-Aus bei einer EM kassieren die deutschen Fußballer nun 58 Jahre später 100.000 Euro.
Den Stolz der Fans mit Füßen getreten
"Danke für nix!", denken sich jetzt nicht wenige.
Zitat:Michael

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