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Eine Polemik

Warum der Sport nicht mehr zum Vorbild taugt

23.12.2013 | 18:56 Uhr
Warum der Sport nicht mehr zum Vorbild taugt
Ein Prozess wegen Steuerhinterziehung? Bayern-Prüsident Uli Hoeneß lässt sich davon nicht irritieren und hält eine Ansprache an die Mannschaft nach dem Sieg bei der Klub-WM in Marokko.Foto: Lars Baron/ getty

Essen.   Gewalt, Korruption, Steuerhinterziehung, Prostitution, fehlende Moral, Doping - der Sport ist dabei, seine Vorbildrolle für die Gesellschaft zu verspielen. Von Alfons Hörmann, über Uli Hoeneß bis hin zu Franck Ribery und den Machenschaften der Fifa. Eine Polemik.

Die Moral verlässt gerade den Sport wie man einen Raum verlässt. Sie knipst einfach das Licht aus und geht.

So hat sie es Anfang Dezember gemacht, als die Mitglieder des Deutschen Olympischen Sportbundes Alfons Hörmann mit 94,6 Prozent zum Präsidenten des deutschen Sports wählten. Drei Tage später eröffnete die Staatsanwaltschaft ein Verfahren gegen Hörmann. Es geht um Verstöße gegen das Kartellrecht aus der Zeit, als der 53-Jährige noch Chef eines Dachziegelunternehmens war.

Der juristische Streit gegen mehrere Beteiligte läuft seit Jahren, insgesamt geht es um Bußgelder in Höhe von 188 Millionen Euro.

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Noch einmal: Bußgelder in Höhe von 188 Millionen Euro. Die Mitglieder des Deutschen Olympischen Sportbundes wussten davon, sie wählten Hörmann trotzdem.

Demnach funktioniert der komplette Sport so wie der Profi-Fußball. Dort ist Uli Hoeneß Präsident des FC Bayern München. Er hat in einer Selbstanzeige Anfang des Jahres zugegeben, Steuern im großen Stil hinterzogen zu haben. Mit der Selbstanzeige hat Hoeneß sofort drei Millionen Euro Geldbuße überwiesen. Ein Haftbefehl wurde gegen eine Millionen-Kaution ausgesetzt. Vor Gericht wird es nun im Jahr 2014 darum gehen, ob Hoeneß trotz der Selbstanzeige möglicherweise ins Gefängnis muss.

Drei Kandidaten, zwei Prozesse

Auf der Jahreshauptversammlung des FC Bayern München spielte das alles keine negative Rolle, die Menschen jubelten ihrem Präsidenten zu. Hoeneß weinte vor Rührung und leitet den Weltfußball-Konzern nun mal eben weiter.

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Womit wir beim Weltfußball wären. Im Januar wird der Titel „Weltfußballer des Jahres“ vergeben. Drei Kandidaten stehen zur Wahl: Cristiano Ronaldo (Real Madrid), Lionel Messi (FC Barcelona) und Franck Ribery (Bayern München).

Zwei davon haben in Prozessen mit dem Gericht zu tun. Messi soll mit seinem Vater rund vier Millionen Steuern hinterzogen haben, Ribery ließ zu seinem Geburtstag eine minderjährige Prostituierte aus Frankreich einfliegen.

Ein Weltfußballer sollte auch abseits des Rasens ein Vorbild für Kinder sein? Ach was, ist doch egal!

Eine Einstellung, die Fußball-Funktionäre vorleben: Sie vergaben die WM 2022 nach Katar. Unsinnig genug, das größte Turnier der Erde bei 50 Grad Hitze auszutragen. Doch die Öl- und Gasmilliardäre des Emirats garantieren den Profit.

Also schaut der Weltfußball-Verband Fifa auf den Stadion-Baustellen nicht so genau hin. Arbeiter aus dem Ausland werden in Katar wie Sklaven gehalten und verrecken unter übelsten Lebensbedingungen. Konsequenz der Fifa: Sie denkt vorsichtig über eine Verlegung der WM nach. Nicht raus aus Katar, sondern vielleicht vom Sommer in den Winter.

Zwangsumsiedlung? Na und?

Aber im Winter ist es auch nicht besser. In sechs Wochen trifft sich die Jugend der Welt in Sotschi zu den Olympischen Winterspielen. 50 Milliarden Euro hat Russland verbaut, um die Schnee-Spiele in einem Sommer-Badeort unter Palmen zu installieren; massenweise Zwangsumsiedlungen der Bürger von Sotschi inklusive. Na und? Die Bühne ist bereitet, um den Präsidenten Wladimir Putin als Helden des Sports zu feiern.

Viel Gerede, wenig Inhalt

Bundespräsident Joachim Gauck will nicht nach Sotschi reisen. Warum? Das hat er noch nicht so ganz genau erklärt. Mit dieser Ungenauigkeit hält er es wie die Politiker der Großen Koalition, die in den Regierungs-Verhandlungen auch über ein neues Anti-Doping-Gesetz sprachen. Viele Gerede, wenig Inhalt. Fakt ist: Es gibt bisher nicht einen konkreten Punkt, mit dem die deutsche Politik gegen den Betrug im Sport vorgehen will.

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Eigentlich zum Weglaufen, aber das Zurückziehen auf die Tribünen der Fußball-Bundesliga ist auch nicht die Lösung. Dort greift die Seuche der Bengalos immer weiter um sich, und beim Bundesliga-Derby Schalke gegen Dortmund flogen die Raketen sogar bis in den Familienblock.

Also eine Flucht ins Ausland? Vielleicht zu den US-Footballprofis aus der NFL? Dort haben sie schließlich die Angriffe mit dem Helm voran verboten. Die Panzerknacker aus den NFL-Abwehrreihen sind schließlich so gemein, dass nicht einmal ihr eigener Schatten gerne bei ihnen bleibt. Bei den Brutalo-Attacken gab es zu viele Kopfverletzungen. Die Regeländerung war eine gute Idee – mit fatalen Folgen. Die Abräumer gehen nun auf die Beine der Angreifer. Es gab noch nie so viele Beinbrüche und Kreuzbandrisse wie heute.

In solchen Momenten fragte der Schriftsteller Erich Kästner gerne: „Wo bleibt das Positive?“

Man weiß es nicht. Die Aussicht auf eine Rückbesinnung im Sport auf traditionelle Werte erscheint leider nur so wahrscheinlich wie die Aussicht auf Weltfrieden.

Ralf Birkhan

Kommentare
26.12.2013
10:03
Warum der Sport nicht mehr zum Vorbild taugt
von wasserstelle | #3

Wie auch ????
Bei Straftätern wie Höneß, Rummelfliege und einen nichts sehenden Beckenbauer !!!!

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2013-12-23 18:56
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