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Warum der BVB kein Paradies für junge Spieler mehr ist

05.08.2014 | 11:47 Uhr
Warum der BVB kein Paradies für junge Spieler mehr ist
Leonardo Bittencourt (l.) und Moritz Leitner schafften den Durchbruch beim BVB nicht.Foto: imago

Bad Ragaz.  Mit jungen Spielern und ohne große Stars stürmte Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund 2011 zum Meistertitel. Inzwischen sind die Ansprüche beim BVB gestiegen, Nachwuchsspielern fällt es dadurch schwerer, Fuß zu fassen - das muss auch Jonas Hofmann erleben.

Ein Jahr ist es her, da gastierte Borussia Dortmund in der ersten DFB-Pokalrunde beim SV Wilhelmshaven. Der Favorit tat sich schwer gegen den Viertligisten, lange stand es 0:0. Trainer Jürgen Klopp reagierte, er wechselte den damals 19-jährigen Marvin Ducksch und den zwei Jahre älteren Jonas Hofmann ein. Ducksch bereitete den Führungstreffer vor und traf dann selbst, Hofmann legte zwei Tore auf - beide wurden als Gewinner der Vorbereitung gefeiert, als weitere Beispiele für den erfolgreichen Jugendtrend beim BVB.

Der war zwei Jahre zuvor mit der jüngsten Meistermannschaft zum Bundesligatitel gestürmt, zwischen 22,8 und 23,8 Jahren schwankte damals der Altersschnitt. Und nun rückten mit Hofmann und Ducksch die Vertreter einer neuen Generation nach. Dortmund schien ein Paradies für junge Spieler.

Ins BVB-Trainingslager nach Bad Ragaz allerdings ist Marvin Ducksch nicht mitgereist. Er wurde an den Bundesliga-Aufsteiger SC Paderborn verliehen, um Spielpraxis zu sammeln. Genau wie zuvor schon Moritz Leitner (21) an den VfB Stuttgart oder Leonardo Bittencourt (20), der - mit einer Rückkaufoption - an Hannover 96 abgegeben wurde.

Routinier Friedrich statt Talent Sarr

Nur Jonas Hofmann ist geblieben - doch hinter dem Mittelfeldspieler, vor drei Jahren aus der zweiten Mannschaft der TSG Hoffenheim gekommen, liegt eine Spielzeit mit Höhen und Tiefen. 26 Bundesliga-Spiele machte er, aber nur vier von Beginn an. Zunächst sorgte er als Joker noch regelmäßig für Furore, in der zweiten Saisonhälfte gerieten seine Auftritte wesentlich unauffälliger. In die Startaufstellung schaffte er es erst, als die Meisterschaft schon zugunsten der Bayern entschieden und die Spiele mithin nicht mehr allergrößte Wichtigkeit hatten.

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Viel schlechter erging es Innenverteidiger Marian Sarr (19), der zunächst zwei ordentliche Partien als Vertreter der verletzten Stammspieler Mats Hummels und Neven Subotic ablieferte - nach einem schwarzen Tag gegen Hertha BSC Berlin (1:2) aber wieder aus der Mannschaft flog. Fortan schenkte Trainer Klopp lieber dem nachverpflichteten Routinier Manuel Friedrich (34) sein Vertrauen.

Es ist für Nachwuchsspieler deutlich schwieriger geworden, beim BVB Fuß zu fassen. Während die Jungspunde von 2011 noch ohne große Erwartungen aufspielen konnten, sind die Maßstäbe heute andere - das sieht auch Sportdirektor Michael Zorc so: "Das Niveau hat sich nach oben verschoben", erklärt er."Wenn du jetzt permanent bei den letzten Acht in Europa dabei sein willst, bedingt das auch eine gewisse Qualität."

Große Konkurrenz in der Offensive

Wer heute mitspielen will in Dortmund, muss die nötige Qualität für die Champions League nicht nur andeuten, sondern bereits auf den Platz bringen. Auch wegen dieses Wettbewerbs, in dem schon ein einzelner Patzer über Wohl und Wehe entscheidet, ist die Fehlertoleranz inzwischen deutlich kleiner beim BVB. Wer in der Startelf stehen will, muss sofort auf hohem Niveau funktionieren.

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Genau das will der heute 22-jährige Hofmann in der kommenden Saison möglichst oft schaffen. Die Anlagen dazu bringt der gebürtige Heidelberger mit, da sind sich beim BVB alle einig. Immer wieder lässt er im Training und den Testspielen sein Tempo und seine hervorragende Ballbehandlung aufblitzen, immer wieder gibt es Lob vom Trainer. Doch die Konkurrenz in der Offensive ist groß: Neue Stürmer wurden verpflichtet, Spieler wie Pierre-Emerick Aubameyang und Henrikh Mkhitaryan scheinen im zweiten Jahr in Dortmund einen Schritt nach vorne zu machen. "Eine extreme Frühform" attestiert Hofmann beiden, gibt sich aber kämpferisch: "Bei einem Verein wie dem BVB wirst du es nicht erleben, dass du nur elf Spieler hast, die auf hohem Niveau spielen", sagt er. Da sei es zwar nicht leicht, sich als junger Spieler durchzusetzen. Aber: "Ich traue es mir auf jeden Fall zu."

Keine Wechselgedanken bei Hofmann

Gedanken an einen Wechsel, sollte es nicht sofort etwas werden mit dem nächsten Schritt, macht ich der Ex-Hoffenheimer nicht."Ich habe ja erst letztes Jahr einen langfristigen Vertrag (bis 2018, Anm. d. Red.) unterschrieben", sagt er."Das zeigt mir ja, dass der Verein mit mir plant."

Wie auch mit einem anderen jungen Mann, am Montag im BVB-Trainingslager eingetroffen ist: Erik Durm, ebenfalls 22 Jahre alt, spielte in der vergangenen Saison als Vertreter des verletzten Marcel Schmelzer derart stark auf, dass Bundestrainer Joachim Löw ihn prompt mitnahm zur Weltmeisterschaft in Brasilien. Nun aber muss er sich erst einmal wieder hinter Schmelzer einreihen. Auch ein Weltmeister muss sich seinen Durchbruch in Dortmund erst noch erkämpfen.

Sebastian Weßling

Kommentare
06.08.2014
17:39
Warum der BVB ein Paradies für junge Spieler mehr ist
von BVBDauerkarte | #10

Es dürften alle die einen Vertrag beim BVB haben, sich wie im Paradies fühlen.
Von wegen, keine Perspektiven.
Auch heute ist das Durchschnittsalter...
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2014-08-05 11:47
BVB, Borussia Dortmund, Durm, Hofmann, Klopp
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