Warmer Empfang bei Tropenhitze

Rhede..  Der schwarze Mannschaftsbus von Borussia Dortmund schwebte kurz vor 18 Uhr im münsterländischen Rhede ein. Als sich vorne die Tür öffnete, konnte von Zurückhaltung der Wartenden keine Rede mehr sein. Stürmischer Applaus ertönte, als Thomas Tuchel nach einer Weile das Gefährt verließ. Es war ein warmer Empfang für den neuen Trainer des Fußball-Bundesligisten, erst recht bei 35 Grad im Stadion. Für Tuchel ist vieles neu in diesen Tagen beim BVB - an diesem Abend traf der 41-Jährige erstmals auf die Basis. Die Fans gingen auf Tuchfühlung zum neuen Mann, sie waren neugierig.

Es war der spannendste Teil dieses Dortmunder Betriebsausflugs nach Rhede. Das erste Testspiel der Vorbereitung auf die neue Bundesligasaison gewann der BVB mit 5:0 (3:0), ausgerechnet der schon verloren geglaubte Ilkay Gündogan erzielte das erste Tor. Aber viel interessanter war die Frage: Wie stellt sich Tuchel im schwarzgelben Kosmos an? Geht er auf die Fans ein? Und: Werden diese ihn womöglich genauso verehren Jürgen Klopp?

Eines lässt sich nach diesem ersten Spiel sicher sagen: Tuchel wird im Vergleich mit seinem Vorgänger nicht der Menschenfänger sein. Das verlangt aber auch niemand von ihm. Der 41-Jährige hat ein anderes Naturell, wirkt professionell distanziert, aber alles andere als unterkühlt. Er ist nicht so flapsig wie Klopp, was nicht allein damit zu tun hat, dass Tuchel kein Pöhler-Kappe auf dem Kopf trägt. Der Neue ist Querdenker und Taktik-Nerd, der Alte war Einpeitscher und Adrenalinjunkie. Die Ära Klopp waren nicht nur sieben Jahre Vollgasfußball, sondern ebenso lange Vollgasemotionen - derer sogar manchmal zu viel. Es wäre nicht verkehrt, wenn sich beim BVB mal wieder mehr um Fußball drehen würde, sagte ein Fan. Er wird nicht als einziger zu dieser Einschätzung gekommen sein.

Am Samstag gegen das „Team Gold“

Mit Spannung beobachten derzeit alle, was Tuchel beim BVB ändert. Das fing beim Pasta-Boten an, den er dauerhaft abbestellte, und wird damit sicherlich nicht enden. Roman Weidenfeller, der in Rhede nach der Pause für den Neuling Roman Bürki den Platz zwischen Pfosten einnahm, könnte ebenfalls für eine Veränderung sorgen. Der Torwart soll Wunschkandidat bei Eintracht Frankfurt sein, sofern es den bisherigen Frankfurter Keeper Kevin Trapp nach zu Paris St. Germain zieht.

Vor dem Spiel und in der Pause schrieb Tuchel fleißig Autogramme. So etwas nennt man gute Arbeit an der Basis. „Es war schön, die Begeisterung der Fans zu sehen”, sagte Tuchel nach dem Spiel, „dort will ich eintauchen.”

Dann hob das schwarze BVB-Raumschiff wieder ab in Rhede. Am Samstag landet es in Dortmund, um 14.30 Uhr spielt der BVB gegen das „Team Gold“ der Deutschen Sporthilfe, bestehend aus Olympiasiegern und Nationalspielern aus anderen Sportarten. Bei dieser Partie im Stadion wird auch Marco Reus wieder mit von der Partie sein, der am Freitag gefehlt hat. Wobei die Augen der Fans beim ersten Heim-Auftritt der Saison aber sicherlich auch wieder auf jemand anderen gerichtet sein werden...