Von wegen Befreiungsschlag

Jetzt, am Ende, ist der Druck offenbar doch zu groß geworden. Die vielen Beckmesser, die meinten, Jürgen Klopp immer wieder Fehler vorhalten zu müssen, haben den Trainer von Borussia Dortmund offenbar zermürbt. Geplatzt ist damit vor allem die Vorstellung, dass ein großer Klub wie der BVB es eigentlich schaffen müsste, eine Krise gemeinsam zu überstehen und einen Neuanfang zu starten. Zu romantisch? Zu naiv?

Die Frage, ob die Dortmunder Bosse diese Entwicklung hätten verhindern können, liegt nahe. Gleichwohl ist es überflüssig, sie zu stellen, weil niemand, der außen steht, eine ernstzunehmende Antwort geben kann. Dass Klopp Fehler gemacht hat, dass manches Verhalten, manche Taktik, mancher Spielereinkauf in der Rückschau alles andere als glücklich war, ist unbestritten. Aber was ist die Grundlage? Hat wirklich jemand gedacht, der Mann sei unfehlbar?

Jürgen Klopp hat in Dortmund eine Fußball-Macht aufgebaut – und man stelle sich einmal vor, dass der Coach nun, da sein Abgang beschlossene Sache ist, allen Verschleißerscheinungen trotzt und die Energie aufbringt, sein Team zum DFB-Pokalsieg zu treiben. Sieg in München, Sieg in Berlin und dann eine Triumphfahrt am Dortmunder Borsigplatz? Bitteschön, wer soll denn da noch die Nachfolge stemmen?

Die Borussia ist in einer schwierigen Situation. Sicher muss die Mannschaft neu fixiert werden. Aber das ist, angesichts der gewaltigen Anhänger- und Sponsoren-Ressourcen, angesichts eines großartigen Stadions, allemal machbar. Nur? Wer kann das? Thomas Tuchel? Klar ist nur eins: Kaum vorstellbar, dass sich ein Typ finden lässt, der ähnlich gut zum BVB passt wie Jürgen Klopp. Die Wahrscheinlichkeit, dass man dem scheidenden Trainer noch einige Tränen nachweint, ist nicht gerade gering.