Vom Assistenten zum Anführer

Hagen..  Aus heutiger Sicht klingt es wie eine Vorhersage: „Wenn es im Team passte, habe ich mich immer am wohlsten gefühlt“, sagte Michael Kohlmann einmal im Interview mit dieser Zeitung. Bezogen war der Satz auf die Vorliebe des Tennisprofis auf Mannschaftssport - heute lässt sich diese Aussage prophetisch auf Kohlmanns neue Aufgabe übertragen: Der gebürtige ­Hagener wird Chef der deutschen Davis-Cup-Mannschaft und steht vor mächtigen Herausforderungen. Der einstige Co-Trainer des vor zehn Tagen geschassten Carsten Ariens muss eine Mannschaft formen, die ähnlich empfinden soll wie ihr neuer Chef bei seinen sechs Davis-Cup-Berufungen: „Ich habe es stets als Ehre empfunden, auserwählt zu sein, die deutschen Farben zu vertreten“, sagte er.

Beratend zur Seite steht dem 41-Jährigen, der in Herdecke aufgewachsen ist, dabei Niki Pilic. Der Kroate symbolisiert Erfolg: 1988, 1989 und 1993 führte er das deutsche Team zu monumentalen Davis-Cup-Triumphen. „Über ihn muss man nicht viele Worte verlieren“, sagt Kohlmann über den 75-Jährigen. „Wenn man die Chance hat, mit ihm zusammenzuarbeiten, wäre es blöd das nicht zu tun.“

Kohlmann weiß gut, auf was er sich einlässt. Hautnah hat er die Auseinandersetzungen und den Streit um und mit Philipp Kohlschreiber, bester deutscher Tennissspieler, mitbekommen, hat dessen Suspendierung durch Ariens erlebt - und startet mit einem klaren Auftrag: „Mein Ziel ist es, das bestmögliche Team zusammenzustellen“, erklärt der bisherige Assistent. „Von daher ist es die Aufgabe von mir, die Gespräche schnell zu führen.“ Das bedeutet: Kohlschreiber soll zurückkehren, am besten bereits zum Erstrundenspiel ab 6. März in Frankfurt gegen den Vorjahres-Finalisten Frankreich.

Die Suche nach dem neuen Chef gestaltete sich für den Deutschen Tennisbund (DTB) als schwierig, zu offenkundig sind die personellen Baustellen, zu öffentlich werden sie diskutiert. Eine Reaktivierung Boris Beckers scheiterte, Rainer Schüttler zeigte ebenso wenig Interesse an der heiklen Mission. Dass mit Michael Kohlmann nun jemand berufen wurde, der als guter Kenner der Befindlichkeiten direkt in die neue Aufgabe einsteigen kann, dürfte eine Klärung der brisanten Lage durchaus befördern.

„Ich habe richtig Lust auf diese Aufgabe“, sagt der ehemalige Spieler von Rot-Weiß Hagen mit großer Motivation. Die Spiele für den Klub aus seiner Geburtsstadt hat er in bester Erinnerung, „neun tolle Bundesliga-Jahre bei Rot-Weiß“, sind ihm im Gedächtnis, mit allen Höhen und Tiefen. Den ehemaligen Teamchef Patrick Kühnen freut die Beförderung Kohlmanns. Der 41-Jährige sei in Spielerkreisen sehr beliebt, ein toller Mannschaftsspieler, habe menschliche Vorzüge und könne auch taktische Marschrouten vorgeben, lobte Kühnen seinen Nach-Nachfolger.

Dem der DTB (noch) kein grenzenloses Vertrauen schenkt: Zunächst für den Verlauf dieses Jahres wurde Michael Kohlmann vertraglich gebunden, er bleibt weiter zuständig für den Nachwuchs, zudem wurde ihm ein großer Beraterstab an diese Seite gestellt. Doch der Ex-Profi, der 2012 sein letztes Spiel auf der Tour machte, gibt sich selbstbewusst: „Am Ende werde ich die Mannschaft aufstellen und die Verantwortung übernehmen“, stellt Kohlmann klar.

Ganz so, wie es ein Teamchef macht, als Kopf einer Mannschaft. Ganz so, wie es Michael Kohlmann am liebsten mag