Volleyball-Liga reagiert auf Kritik von Ex-Profi Grozer

Klaus-Peter Jung, Geschäftsführer der Volleyball Bundesliga (VBL)
Klaus-Peter Jung, Geschäftsführer der Volleyball Bundesliga (VBL)
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Was wir bereits wissen
Der Geschäftsführer der deutschen Volleyball Bundesliga, Klaus-Peter Jung, verteidigt die Strategien zur Professionalisierung der Spielbetriebs.

Essen..  Nachdem der frühere Volleyball-Star Georg Grozer senior die deutsche Volleyball Bundesliga (VBL) zu ihrem 40. Geburtstag in dieser Zeitung hart kritisiert hatte, meldet sich nun Liga-Geschäftsführer Klaus-Peter Jung zu Wort: „Wir können es nicht gebrauchen, dass Mitglieder der großen Volleyball-Familie übereinander herziehen. Ich schätze Herrn Grozer senior und hätte mir gewünscht, dass er angerufen hätte, um das persönliche Gespräch zu suchen, zu dem ich ihn hiermit einlade. Denn ich glaube, er hätte sich anders geäußert, wenn er die entsprechenden Hintergründe und Fakten genauer kennen würde.“

Grozer senior wirft der Liga vor, dass ihre Strategien zur Professionalisierung der Sportart die Vereine vor unlösbare finanzielle Probleme gestellt und so Lizenzentzüge von Erstliga-Klubs provoziert hätten. „Das ist Unsinn“, kontert Jung, „fast alle Vereine haben die Veränderungen mitgetragen, sonst würde es die Regelungen jetzt nicht geben. Die Klubs haben eingesehen, dass investiert werden muss, zum Beispiel, um die Spielstätten zu modernisieren. Das ist nötig, um den Volleyballsport noch attraktiver und für TV-Sender interessanter zu machen. Ich kenne die Klagen einiger Vereine im Nachgang. Trotzdem sind wir gemeinsam auf dem richtigen Weg.“

Mehr Volleyball im TV

Grozer kritisiert, dass junge deutsche Talente in ihren Vereinen nicht zum Zuge kämen, während die deutschen Top-Stars ihr Heil im Ausland suchten. Er fordert, die Zahl der ausländischen Spieler pro Team zu begrenzen. Jung dazu: „Wir beschäftigen uns im Moment mit diesem Thema. Ursprünglich haben wir eine solche Begrenzung abgelehnt, mit Blick auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes von 1995, das ausländische Sportler vor Restriktionen schützt. Allerdings ist diese Begrenzung in vielen anderen Ländern längst Gang und Gäbe.“

Mit dieser Maßnahme allein sei es nicht getan. In den führenden europäischen Ligen gäbe es andere wirtschaftliche Voraussetzungen. „In Polen und in Russland pumpen große Firmen viel Geld in die Klubs. Unsere Nationalspieler verdienen dort meist weit mehr als in Deutschland“, stellt Jung fest. Hierzulande sei man nicht so weit. „Das Sponsoring konzentriert sich auf den Fußball. Dann auf Basketball und Handball. Wir wollen das ändern.“ Der Liga-Chef sieht allerdings eine positive Entwicklung und fügt hinzu: „Derzeit führen wir Verhandlungen mit TV-Medien, die dem Volleyball noch mehr Sendezeit einräumen wollen.“ Das Ziel sei, wieder mehr deutsche Stars in der heimischen Liga zu präsentieren, „aber dafür müssen wir den Volleyball auf ein höheres Niveau heben, was Zeit benötigt.“