Vettel ist kein neuer Schumacher
14.11.2010 | 20:06 Uhr 2010-11-14T20:06:00+0100
Essen.Sebastian Vettel ist nach Michael Schumacher der zweite deutsche Formel-Weltmeister. Aber die beiden unterscheidet eine ganze Menge. Ein Kommentar.
Es hätte perfekt gepasst. Aber Autokorsos setzen im deutschen Sport allein Fußballmannschaften in Bewegung. Auch ohne dieses geräuschvollste Zeichen nationaler Begeisterung ist jedoch davon auszugehen, dass Sebastian Vettel, seit gestern der weltbeste Autofahrer, Millionen Landsleute begeistert hat.
Den jüngsten Formel-1-Champion schon heute mit den Größten der Vollgas-Branche zu vergleichen, mag verfrüht sein, ist aber legitim. Wer ihn jedoch als „neuen Schumacher“ bezeichnet, unterliegt einem Missverständnis. Anders als der siebenmalige Champion, dessen sportliche Klasse über jeden Zweifel erhaben ist, gewinnt Vettel auch bei Menschen, die nicht nur über PS, Traktion oder Untersteuerung (was nichts mit Steuerflucht zu tun hat) reden. Im Gegensatz zum jungen Michael Schumacher, der immer etwas steif – wie frisch aus dem Rhetorikkurs -- rüberkam, überzeugt der 23-jährige Heppenheimer vor allem durch jungenhafte Natürlichkeit. Was wohl auch daran liegt, dass in seinem Schatten kein Manager vom Typ Willi Weber zu sehen ist.
Die Volksweisheit vom Glück, das zu dem kommt, der warten kann, trifft in dieser Sportsaison auf niemanden besser zu als auf Sebastian Vettel, der schon vor einem Jahr den WM-Titel nur denkbar unglücklich verpasst hat und der auch diesmal vom ersten Rennen an als schnellster Fahrer im Feld anerkannt war.
Aber damit der WM-Titel einem Fahrer in diesem Haifisch-Becken auch von der Konkurrenz gegönnt wird, sind nicht nur fahrerische Qualitäten notwendig. Vettel hat selbst in bitteren Momenten, als die Technik ihm einen Streich spielte, stets Haltung bewahrt, gepaart mit geradezu ansteckendem Optimismus. Und im Gegensatz zu Fernando Alsono, der als Favorit ins finale Rennen gegangen war, keine Teamorder zum Triumph benötigt.
Auch für Red Bull hat sich diese Strategie ausgezahlt. Kann die Marke doch jetzt mit ihrem Bekenntnis zu Fair-Play und einem jungen Sympathieträger werben. Dagegen landeten die hochfliegende Pläne von Mercedes mit Rückkehrer Michael Schumacher auf dem Schrottplatz. Ausgerechnet das letzte Saisonrennen, endete für „Schumi“ im Silberpfeil in einem spektakulären Crash. Mehr Symbolik geht nicht.

14:28
Lieber Sebastian,
auch ich kann nicht anders, als Peter aus vollem Herzen zustimmen. Ich habe mich immer sehr mit Dir über Deine Erfolge gefreut, herzliche Glückwünsche dafür.
Du solltest aber einmal überlegen, dass alles, was Deine bisherige Kindheit, Jugend und Deine Ausbildung ermöglicht hat, viel Mühe, Aufwand und auch viel Geld anderer gekostet hat. Eine solche Versorgung sollen auch zukünftige Generationen geniesen können.
Wie Peter bereits sagte, kann dies aber nur dann gelingen, wenn nicht gerade die leistungsfähigsten unserer Gesellschaft dann, wenn es an ihnen wäre zu geben, die Solidarität verweigern und die Steuerflucht antreten. Die kleinen Leute, Deine Fans, für die Du vielfach ein Vorbild bist und die nur mit einem Bruchteil Deines Einkommes auskommen müssen, für die oft am Ende des Geldes oft noch viel Monat übrig ist, zahlten damals brav ihre Steuern für Deine Ausbildung und tun es heute noch für die nächste Generation. Sie ermöglichen Leuten wie Dir Ausbildung und Karriere. Bitte denke einmal intensiv über Deine Verpflichtung gegenüber Deinen deutschen Landsleuten nach.
Solche Verpflichtungen sind leider nicht mit dem Abspielen der Nationalhymmne nach Deinen Siegen abgetan.
Viele Grüße,
Gerhard
12:27
Lieber Sebastian Vettel,
Du bist ein toller Kerl, ein Idol für Millionen Deutsche - eine Vorbildfigur für die Jugend. Du hast große sportliche Leistungen erbracht und bist immer sympathisch, offen und nett geblieben. Ein großes Sportidol quasi zum Anfassen. Und immer vorbildliches Fair Play - kein Makel eines „Schummel-Schumi“ haftet an Dir. Demnächst wirst Du von unseren Politikern, die sich natürlich gerne mit Dir schmücken wollen, im Dauerwahlkampf („Seht her Leute: ich und der Basti. Wir sind Freunde, da kann unsere Partei und Politik also nicht so schlecht sein!“) vermarktet und mit nationalen Orden und Abzeichen wahrscheinlich nur so überschüttet. Du bist auf dem Zenit. Alle bewundern Dich. Du bist fleißig, intelligent (passables Abi) und strahlst Ehrlichkeit aus. Und du hast schon soviel Lebenskompetenz, daß Du Dich selber managst - super! Da geht kein Geld sinnlos verloren. Du bist keineswegs ein Baby-Schumi, Du bist viel besser. Nur für Dich wird vor Millionen Zuschauern die deutsche Nationalhymne gespielt.
Ich habe nur ein klitzekleines Problem. Kein Neid - ehrlich nicht!
Du bist in dem schönen mir sehr gut bekannten Örtchen Heppenheim geboren. Ein toller Ort an der Bergstraße. Wobei man nicht nur von der wunderbaren historischen Altstadt mit ihren romantischen Gassen und einladenden Lokalen zu sprechen hat, sondern auch von einen verkehrstechnisch optimal erschlossenen Gewerbegebiet - Gratulation an die Stadtväter! Bei den Heppenheimer Festspielen wird große Kultur geboten, beim Straßentheater-Festival Gassensensationen, also viel kleine Kultur. Reichlich Kammermusik gibt es im historischen Kurfürstensaal. Über das gut ausgebaute Netz von Wanderwegen auf den Höhen des Odenwalds und über Heppenheimer Besonderheiten wie den Laternenweg habe ich mich stets gefreut. Hier steckt viel städtische Arbeit, Engagement und auch Steuergeld drin. Wie wunderbar wurde das Rathaus restauriert; nicht zu vergessen den Dom St. Peter. Wieviele Millionen hat dessen Erhaltung bisher gekostet… Ein Kleinod. Eine gut ausgebaute kommunale Infrastruktur mit Schulen und Sportstätten trägt gleichfalls zur recht hohen Lebensqualität bei, die Heppenheim seinen Einwohnern zu bieten hat. Die Odenwaldschule z.B. hat einen internationalen Ruf, renommierte Künstler wie Thomas Mann, Ernst Barlach, Wolfgang Hildesheimer oder Else Lasker-Schüler haben ihre Kinder der Odenwaldschule anvertraut. Ein Stadt wahrhaft zum Schwelgen. Ein wichtiger Grund für die Existenz ist, daß viele Millionen Steuern - ob Kirchensteuer, Kommunalsteuer oder Landesteuern hier hinein gesteckt wurden. Geld der Bürger - solidarischer Beitrag der Menschen für ihre Heimat, für unser schönes Land Bundesrepublik Deutschland. Ein friedvolles wunderbares Land, unsere Heimat.
Und da ist nun mein Problem:
Es gibt viele tausend Heppenheims in Deutschland, große und kleine, schöne und unschöne (die wir aber schöner machen wollen), reiche und arme Gemeinden, Städte und Bundesländer – alle haben aber eines gemeinsam: Sie leben vom Solidarbeitrag aller (!) Bürger - Steuern genannt. Wer viel verdient, zahlt viel. Wer wenig verdient, zahlt wenig. Sehr gerecht. Das ist unser solidarisches Sozialprinzip - wesentliches Existenzmerkmal unserer Bundesrepublik und conditio sine qua non. (was soviel heißt wie: ohne dies geht nichts mehr.)
Du hast, lieber Sebastian, sicher auch den Kindergarten besucht. Hast ein hervorragendes Schulsystem (gratis) genossen; Dir standen Bibliotheken, Schwimmbäder und viele andere städtische Bürgereinrichtungen in Heppenheim fast gratis zur Verfügung. Von den Altenheimen will ich noch nicht sprechen. Die Polizei hat Dich beschützt, die Feuerwehr wäre sofort zur Stelle gewesen, wenn es bei Euch gebrannt hätte. Unfallrettungsdienst und Krankenhäuser waren rund um die Uhr für Dich bereit. Euer Haus hatte fließend Wasser und die Abwässer wurden korrekt entsorgt. Strom gegen geringes Entgelt ließ abends die Straßenlaternen leuchten und Dich sicher Deinen Heimweg finden. Ich habe bestimmt noch ein paar andere Dinge vergessen. Aber Fazit: Du bis in Heppenheim glücklich und behütet aufgewachsen.
Ohne die Steuern der Bürger wäre das sicherlich anders verlaufen.
Oh je! Und jetzt, wo Du als Millionenverdiener Deinen Teil mehr als zurückzahlen kannst, fliehst Du in die Schweiz und zahlst dort Deinen gesellschaftlichen Sozialbeitrag, den unser Land so dringend bräuchte – na ja: eigentlich zahlst Du den ja auch nicht (bis auf den kleinen Teil, den Du freiwillig mit der Gemeinde Kemmental/Thurgau vereinbart hast), denn den Beruf des „Rennfahrers“ gibt es ja in der Schweiz nicht, wie wir beide wissen, ergo fallen offiziell auch keine richtigen Steuern an. Psssst, ja, ich verrate es keinem weiter! Bleibt unter uns Fahrensbrüdern. Versprochen!
Das alles stimmt mich sehr, sehr traurig. Und deshalb mußte ich Dir das einfach mal so deutlich schreiben. So quasi Aug in Aug sagen. Auch wenn meine 4 Kinder, alle übrigens große Fans von Dir , jetzt schimpfen und mich beleidigen werden „Papa, Du bist doch nur neidisch. Du würdest es genauso machen, wenn Du soviel Geld hättest!“ - Vielleicht, aber dann würde ich mich unheimlich schämen. Aber nee, ich bleibe hier und schau den Leuten und meinem Rasierspiegel lieber weiterhin ehrlich und offen ins Gesicht
Dein Peter
15:17
#4 rudinrw
Wer Millionär ist, sollte einen Wohnsitz in der Schweiz ins Auge fassen. Denn da darf man weitaus mehr als die Hälfte seines Einkommens behalten, zumal Vettel fast seine gesamten Einkünfte außerhalb Deutschlands bezieht. Die Steuerersparnis geht über Jahre gesehen in die Millionen Euro. Da wäre man bescheuert, hier zu bleiben. Die Schweiz ist übrigens mindestens so schön, viele meinen viel schöner schon wegen der Berge, wie Deutschland.
15:13
@rudinrw:
Ach, echt?!? Komisch, wenn ich mir die ganzen Auswanderer auf Vox und Co. anschaue, dann frage ich mich, was an denen nicht mehr deutsch ist...
Und wer sagt denn, dass er nicht mehr deutsch lebt? Woran machst du das bitte fest?
Ich kann doch im Ausland deutsch leben. So wie Ausländer hier in Deutschland gemäß ihrem Land leben können, oder?
15:11
Nächstes Jahr werden die Karten neu gemischt. Man sollte Mercedes und Schumacher nicht voreilig abschreiben. Zu Schrott gefahren hat auch Vettel schon mal sein Auto. Solche Maleurs gehören zum Rennsport. Hauptsache den Fahrern ist nichts passiert. Vettel ist in jeder Beziehung ein würdiger Champion. Das letzte Rennen war eine Wucht! Im nächsten Jahr sitze ich wieder vor der Kiste. Claro!
13:26
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13:07
Wer in der Schweiz wohnt und hier keine Steuern abdrückt ist zwar gebürtiger Deutscher, lebt aber nicht mehr deutsch...
13:06
Was die beiden auch unterscheiden könnte ist, dass Schumacher heftig unsympathisch ist... ;-)
12:50
Was hat sein Wohnsitz mit seiner Staatsbürgerschaft zu tun?
12:34
ist der Deutscher, Vettel wohnt doch in der Schweiz!?