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Verrat durch Verzicht

27.07.2012 | 17:24 Uhr
Verrat durch Verzicht
Will nur die 200 Meter laufen, die 100 Meter lässt er aus: Frankreichs Sprinter Christophe Lemaitre.

London.  Frankreichs Sprint-Star Christophe Lemaitre handelt wie ein kühl kalkulierender Geschäftsmann, indem er auf den 100-m-Lauf verzichtet, weil er sich über die doppelte Distanz größere Medaillenchancen ausrechnet. Eine Entscheidung, die nicht im Sinne des olympischen Geistes ist und die er vielleicht noch einmal bereuen wird. Ein Kommentar

Im Zeichen der olympischen Ringe sind schon viele Ideale des Sports verraten worden. Auf vielfältige Weise: durch Doping, Profitgier, Großmannssucht oder Korruption. In London kommt diesmal mindestens eine neue Variante dazu: Verzicht.

Dabei wirkt die Entscheidung des französischen Sprinters Christophe Lemaitre, seine Teilnahme am 100-m-Lauf abzusagen, um sich ganz auf die 200 Meter zu konzentrieren, zunächst einmal nicht anrüchig, sondern vernünftig. Sind doch die Medaillenchancen auf der längeren Sprintstrecke für den WM-Dritten von 2011 deutlich größer.

Aber genau dies ist der Punkt. Lemaitre, der die 100 Meter als erster Weißer unter 10 Sekunden (Bestzeit: 9,92) gelaufen und auf dieser Strecke immerhin bereits zweimal Europameister geworden ist, reagiert nicht wie ein Sportler mit Herz. Sondern wie ein kühl kalkulierender Buchhalter, der eine schnöde Kosten-Nutzen-Rechnung aufstellt.

Wir müssen gar nicht erst das – immer schon falsch interpretierte – olympische Motto von der Teilnahme, die wichtiger sei als der Sieg, bemühen, um zu verstehen: Indem der Franzose seine Chancen kaufmännisch abwägt, vergeht er sich an der olympischen Idee, dem Geist der Spiele.

Lemaitre dürfte in Erklärungsnot geraten

Vielleicht vermag Lemaitre die Tragweite seiner Entscheidung noch nicht zu erkennen. Er ist ja erst 22. Und womöglich beeinflusst worden, wie die kühl-schnoddrige Aussage seines Trainers, man habe unter dem 100-m-Start „endgültig einen Haken gemacht“, vermuten lässt.

Sollte der aktuell schnellste Europäer jedoch eines Tages von seinen Kindern und Enkeln gefragt werden, warum er sich 2012 in London die einmalige Chance eines Rennens in der Königsdisziplin der Leichtathletik mit Usain Bolt entgehen ließ, dürfte er in Erklärungsnot geraten.

Reinhard Schüssler

Kommentare
16.08.2012
18:08
Verrat durch Verzicht
von hartaberunfair | #7

Nun sind die Spiele vorbei und es ist für diese Journaille erstaunlich, dass dieser Kommentar in seiner ganzen Qualität mmer noch online...
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2012-07-27 17:24
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