Verfahren

Rafaa Chtioui war bis zum vergangenen Wochenende wohl nur Radsport-Feinschmeckern bekannt. Bis dahin fristete der 29-jährige Tunesier ein Leben als höchstens mittelmäßiger Radprofi. Dann jedoch verfuhr sich der Pedaleur auf der zweiten Etappe der Kastilien-Leon-Rundfahrt. Ohne Karte, ohne Geld und Sprachkenntnisse. Irrte herum, bis er sich ein Mobiltelefon lieh. Ein Blick auf die Internetseite des Rennens, einige kräftige Tritte in die Pedalen - und Rafaa fand den Weg zurück.

Hübsch auch diese Eskapade: Albéric Schotte soll 1950 auf der vierten Etappe der Tour de France zwischen Nimes und Toulon das Peloton zu einer 60minütigen Badepause im Mittelmeer angestiftet haben. Runter vom Rad, rein ins Wasser!

Aus gleichem Jahr ist dieses Schmankerl überliefert: Abdel-Kader Zaaf fuhr auf Etappe 13 sagenhafte 16 Minuten Vorsprung heraus. Das machte Durst! Also soll er zwei Flaschen Wein gekauft, diese ausgetrunken und sich zum Schläfchen in den Straßengraben gelegt haben. Erholt stieg er hernach aufs Rad und strampelte los.

Erzählt wird diese Geschichte bis heute. Ob Rafaas Episode auch dazu taugt? Eher nicht. Er erreichte das Ziel irgendwann. Zaaf nicht: Er fuhr in die falsche Richtung. Zurück zum Start. Ab Etappe 14 fand das Rennen ohne ihn statt.