Verena Sailer jagt in Bottrop vergeblich die WM-Norm

Bottrop..  Als Verena Sailer ihre Siegerzeit im 100-Meter-Vorlauf auf der elektronischen Anzeigetafel aufblinken sah, verzog sie das Gesicht und schüttelte ratlos den Kopf. „Ich habe nur gedacht, oh, oh, oh“, erzählte die 29-Jährige später, „11,88 Sekunden. Ich weiß wirklich nicht, wann ich zuletzt eine solche Zeit gelaufen bin.“

Aber so schlecht, wie sie sich im ersten Moment fühlte, war die Sprint-Europameisterin von 2010 gar nicht, denn erstens wehte bei der NRW-Gala im Bottroper Jahnstadion den Leichtathleten auf der Zielgeraden der Wind heftig ins Gesicht und zweitens stand die Tartanbahn nach Regengüssen zeitweise unter Wasser. Als es dann wenigstens einigermaßen trocken war, steigerte sich Sailer im Endlauf auf 11,52 Sekunden. Das ist passabel bei einem Gegenwind von 1,2 Metern pro Sekunde, aber noch weit entfernt von den 11,25 Sekunden, die der Deutsche Leichtathletik-Verband als Norm für die WM im August in Peking ausgegeben hat. Während ihre jüngeren Sprintkolleginnen in Russland bei der Team-EM starteten, nahm die 29-jährige Sailer in Bottrop die Pflichtzeit für die WM in Angriff.

„Es war so abgesprochen, dass ich nicht bei der Team-EM dabei bin. Es fühlt sich nicht wie eine Katastrophe an“, sagte Sailer. „Es war mein erstes Rennen in dieser Saison und deshalb besteht kein Grund zur Panik. Ich brauche jetzt Wettkämpfe.“ Am kommenden Wochenende wird sie die Norm in Mannheim jagen. Hoffentlich ohne Regen.