Uli Hoeneß ist ab jetzt Freigänger

München..  So hatte er es sich wohl erhofft, als er in der Nacht nach dem Urteil des Münchener Landgerichts überraschend entschied, nicht in die Revision zu gehen: So schnell wie möglich ins Gefängnis, so schnell wie möglich dieses Kapitel seines Lebens hinter sich bringen! Seit Freitag ist Uli Hoeneß Freigänger. Sieben Monate nach Haftantritt verließ er gestern das Gefängnis von Landsberg am Lech.

Das jüngste Foto zeigt ihn beim Neujahrs-Spaziergang mit Ehefrau Susi. Er in grauer Jogginghose und blauer Adidas-Jacke, das Gesicht deutlich schmaler als früher – angeblich hat er in der Haft 20 Kilo abgenommen. Sie in olivfarbenen Parka, mit dunkler Sonnenbrille und langem, offenem Haar. Ganz anders eben als beim Prozess im Frühjahr, als sie ihn mit strengem Kurzhaar begleitete.

Vier Tage vor seinem 63. Geburtstag am Montag kann Uli Hoeneß die wohl schwerste Zeit seines Lebens hinter sich lassen. Inhaftiert, weil er gezockt, weil er 28,5 Millionen Steuern hinterzogen hat. Nun also ein erster Schritt in Richtung Normalität: Tagsüber darf Hoeneß wieder einer Arbeit außerhalb der Haftanstalt nachgehen, nur zum Schlafen muss er hinter Gitter.

Als Freigänger an den Ammersee?

. Das Freigängerhaus nahe Andechs am Ammersee, in das Hoeneß voraussichtlich kommt, wird gern auch mal als „Gefängnis mit Aussicht“ beschrieben, als „idyllischer Gutshof“ oder „herrschaftliches Gemäuer mit Kirchturm“. Tatsächlich nutzt das Land Bayern den früheren Sommersitz der Herren von Andechs als Freigängerhaus mit Wohngruppen für jeweils zwölf Gefangene.

Tagsüber wird Hoeneß wieder für den FC Bayern München im Einsatz sein – im Nachwuchsbereich, wie Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge angekündigt hat.

Hafterleichterungen sind in Bayern wie in anderen Bundesländern genau geregelt. Bei einem Ersttäter wie Uli Hoeneß könnte die Hälfte der Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden. Zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt, wird er womöglich schon im Frühjahr 2016 entlassen.