Tuchel überlässt nichts dem Zufall

Dortmund..  Um 10 Uhr soll es losgehen – eigentlich. Doch schon eine gute halbe Stunde zuvor betritt Thomas Tuchel am Dienstag erstmals den Rasenplatz im Dortmunder Stadtteil Brackel. Der neue Trainer des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund geht die Hütchen ab, die seine Mitarbeiter schon platziert haben, verschiebt dort eines, rückt hier eines zurecht, rammt selbst einige Stangen in den Rasen – und bestätigt schon in den ersten Momenten auf dem Trainingsgelände den Ruf des akribischen Arbeiters, der ihm aus seiner Zeit bei Mainz 05 vorauseilt.

Um 10.15 Uhr beginnt dann endgültig jene Zeitrechnung, von der zuletzt so viel geschrieben wurde in Dortmund: die Zeit nach der sieben Jahre währenden Ära von Jürgen Klopp als Cheftrainer. Nachdem am Vortag lediglich Leistungsdiagnostik auf dem Terminplan stand, geht nun das erste Training unter Klopp-Nachfolger Tuchel los. 18 Spieler hat er zur Verfügung, darunter die drei Neuzugänge Gonzalo Castro, Roman Bürki und Julian Weigl sowie Rückkehrer Jonas Hofmann.

Elf Spieler fehlen aus diversen Gründen: Nuri Sahin, Kevin Großkreutz, Adrian Ramos und Marvin Ducksch sind noch verletzt. Matthias Ginter, Moritz Leitner und Milos Jojic dürfen nach der U-21-Europameisterschaft ebenso ein paar Urlaubstage genießen wie Sokratis, der noch Mitte Juni im Länderspieleinsatz unterwegs war. Pierre-Emerick Aubameyang und Shinji Kagawa sollen erst Ende der Woche hinzustoßen, weil, sie wegen Afrika- beziehungsweise Asienmeisterschaft praktisch keine Winterpause hatten – und Ciro Immobile ist eben erst Vater geworden und hat deswegen noch etwas Schonfrist.

Die Nationalspieler Ilkay Gündogan und Roman Weidenfeller dagegen gehören zur Trainingsgruppe, obwohl ein Abschied noch vor Wochen als wahrscheinlich galt. Sie absolvieren nun mit den übrigen Spielern das Warmlaufen und einige Dehn- und Stabilisierungsübungen mit dem neuen Athletiktrainer Rainer Schrey, danach stehen für die Feldspieler vor allem Passübungen auf dem Programm.

Viel Kritik, viel Lob

Immer mittendrin: ein engagierter Thomas Tuchel, der wie Co-Trainer Arno Michels ständig kommentiert, lobt, kritisiert – und immer wieder unterbricht, um Anmerkungen zu machen und Korrekturen aufzunehmen. „Gut so“, schallt es über den Platz – und deutlich öfter noch: „Genauer spielen!“ Präzises, schnelles Passspiel, das hat der neue Trainer oft genug betont, ist ihm besonders wichtig.

Viel Zeit, seine Vorstellungen umzusetzen, hat er nicht: Schon am 30. Juli steht mit der Qualifikation zur Europa League das erste Pflichtspiel an, davor geht es noch auf Asienreise und ins Trainingslager nach Bad Ragaz. Dass ihn diese eng getaktete Vorbereitung stört, hat Tuchel schon bei seiner Vorstellung deutlich gemacht. Aber: „Wir werden Lösungen finden, damit umzugehen“, sagte er. „Und das kann auch bedeuten, dass die Aufbauphase eventuell bis in die Saison und vielleicht sogar bis weit in die Saison gehen muss.“