Tränen und Hoffnung mischen sich

Dortmund..  Der vorerst letzte öffentliche Witz von Jürgen Klopp auf Dortmunder Boden darf als gelungen betrachtet werden. Der sehr bald vertragslose Trainer war gefragt worden, ob er für mögliche bevorstehende Tätigkeiten schon Spanisch lerne. Klopp lachte schallend und antwortete: „Mit ,una cerveza por favor’ kommt man auf Mallorca schon ziemlich weit.“

Das war ein Satz, der zwei Dinge bedeutete. Erstens, recht banal: Der Trainer von Borussia Dortmund kann in Spanien ein Bier bestellen. Und zweitens, schon deutlich wichtiger: Er erfreute sich bester Laune. Das lag daran, dass Werder Bremen am letzten Spieltag der Fußball-Bundesliga mit 3:2 geschlagen worden war, womit sich der Anfang des Jahres noch auf Tabellenplatz 18 dümpelnde BVB noch für die Europa League qualifizierte. Das lag daran, dass Klopp und sein langjähriger Kapitän Sebastian Kehl einen schwierigen Tag, den Tag ihres Abschiedes aus Dortmund, feierlich hinter sich gebracht hatten. Beide wurden herzzerreißend bejubelt, beide kämpften mit den Tränen. „Ich habe jede Sekunde genossen“, sagte Jürgen Klopp in einer Videobotschaft, die im Stadion ausgestrahlt wurde, weil der Trainer fürchtete, vor Rührung keinen gescheiten Satz hervorzubringen. „Wenn es nach mir geht, sehen wir uns am Sonntag in der Innenstadt.“

Denn dieses nicht ganz unbedeutende Detail hebt in diesen Tagen die Laune aller Borussen ebenfalls: Es steht noch ein Spiel an, am Samstag im DFB-Pokalfinale gegen den VfL Wolfsburg. Und nach den Eindrücken aus dem letzten Bundesligaspiel befinden sich Titel und Trophäe noch nicht einmal in unerreichbarer Ferne. Es gehört zu den hübschen Geschichten dieser Tage, dass ein Grund dafür Shinji Kagawa ist. Der Japaner wird am Wochenende an den Ort des Glücks zurückkehren.

Als genialer Spielmacher steuerte er Schwarz-Gelb im Jahre 2012 zu einem beeindruckenden 5:2-Sieg gegen Bayern München. Trainerlegende Alex Ferguson war damals nur seinetwegen angereist - und nahm ihn gleich mit nach Manchester zu United. Es folgten zwei miese Jahre und die Rückkehr zum BVB im vergangenen Sommer. Nicht immer in den zurückliegenden Monaten konnte man sich beim BVB sicher sein, dass es sich wirklich um Kagawa, den Mann für die fußballerischen Spezialeffekte handelte, oder nicht vielleicht doch um eine bleischwere Kopie. Doch am Samstag gegen Bremen, am Tag, als der Trainer verabschiedet wurde, in dessen Armen er einst über seinen eigenen Abschied Tränen vergoss, drehte der Japaner wieder erstaunlich auf. Er bereitete einen Treffer vor und schoss ein Tor so selbstverständlich, wie das bei einem aussieht, der es kann - und der es sich zutraut. An seiner Seite wirbelte zudem Henrikh Mkhitaryan, ein Profi, der ebenfalls bereits Zweifel genährt hatte, ob er der richtige für die Zukunft sei. Zweifel, die BVB-Boss Hans-Joachim Watzke im Gespräch mit dieser Zeitung ausräumte. „Ich liebe den Fußball, und wenn ich Henrikh Mkhitaryan spielen sehe, dann lacht mir oft das Herz“, sagt der Geschäftsführer. Samstag war wieder so ein Tag. Der Armenier erzielte einen betörend schönen Treffer und war auch sonst kaum zu bremsen. Wie Kagawa.

„Ich hatte auf dem Platz das Gefühl, dass die Spielfreude wieder da ist, die Dynamik“, sagte Shinji Kagawa später. Bei sich, bei den Kollegen. „Ich habe heute einen Teamgeist gespürt, mit dem vieles möglich war.“ Diese Leistung, diese Geschlossenheit will Schwarz-Gelb hinüber in die Hauptstadt transportieren, um den großen Coup zu landen. Kagawa weiß, wie das geht. „Das war 2012 eine super Erfahrung, das wollen wir wiederholen. Auch um Jürgen Klopp und Sebastian Kehl einen schönen Abschied bereiten zu können. Und wegen der Parade am Borsigplatz.“

Da könnte Jürgen Klopp dann noch das eine oder andere Bier bestellen. Egal in welcher Sprache.